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Keine VertragsgesprächeGeht FC-Kapitän Schwäbe plötzlich von Bord?

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COLOGNE, GERMANY - JULY 18: Marvin Schwaebe Schwäbe, Schwabe, 1. FC Koeln, 1 walking in with the mascots before the first friendly game of season 2026/27 between 1. FC Koeln vs FC Rheinsued Koeln at Suedstadion on July 18, 2026 in Cologne, Germany. North Rhine Westphalia Germany Copyright: xSteffiexWunderlx

Marvin Schwäbe (ohne Kapitänsbinde) am Samstag beim Testspiel des FC im Südstadion gegen den FC Rheinsüd 

Kölns Torhüter Marvin Schwäbe geht mit einem auslaufenden Vertrag in die neue Saison. Verhandlungen mit dem FC gibt es weiterhin keine.

Erst am vergangenen Freitag hat Cheftrainer René Wagner Stammtorhüter Marvin Schwäbe als Kapitän des 1. FC Köln im Amt bestätigt. Eine Entscheidung, die erst recht in einer Phase des Kaderumbaus beim Bundesligisten wenig überraschte, dennoch keine unwichtige ist, wie auch der Coach im Brustton der Überzeugung erklärte: „Marvin und ich haben ein gutes Verhältnis, wir kennen uns seit fünf Jahren und vertrauen uns. Mit ihm habe ich einfach einen Top-Mann an meiner Seite, der für uns alle durchs Feuer gehen wird.“

Objektiv betrachtet gab es auch keinen gewichtigen Grund, einen Wechsel in dem wichtigen Amt vorzunehmen. Schwäbe ist nach Jan Thielmann der Spieler mit der längsten Vereinszugehörigkeit und hat mit dem FC sehr viel erlebt – in alle Richtungen. Der Keeper kam 2021 nach Köln und verdrängte den langjährigen Stammtorhüter Timo Horn. Auch nach einem unglücklichen und schlecht moderierten Intermezzo mit dem großen Klub-Talent Jonas Urbig stand Schwäbe danach wieder im Tor. Der gebürtige Hesse ist mittlerweile ein FC-Dauerbrenner (163 Pflichtspiele), ein Leistungsträger – auch wenn im Klub und dessen Umfeld auch gelegentlich kritischere Stimmen zu vernehmen sind. Und mit den Jahren hat auch sein Wort in der Kabine und in der Öffentlichkeit an Gewicht gewonnen.

Schwäbe fühlt sich in Köln wohl. Eigentlich. „Grundsätzlich bin ich sehr, sehr zufrieden und gehe jetzt in mein sechstes Jahr“, sagte der Torhüter nach dem Trainingsstart und fügte hinzu: „Ich weiß, was ich hier habe. Deswegen bin ich zufrieden, so wie es ist.“ Auf die Frage, ob es in dieser Transferperiode zu einer Veränderung kommen könnte, antwortete Schwäbe: „Ich glaube nicht.“ Und ob er beim FC auch in der sechsten Saison in Folge zwischen den Pfosten stehe, entgegnete der Torhüter eher mit einem Schulterzucken: „Ich hoffe!“ Echte Überzeugung von einer FC-Zukunft klingt anders.

Denn um den Keeper hat sich eine merkwürdige Situation entwickelt, die vielleicht nicht jeder Außenstehende verstehen kann. Und in die schneller als vermutet Dynamik geraten und die Kapitänsentscheidung von Wagner quasi ad absurdum führen könnte. Geht der Kapitän plötzlich von Bord? Auf der einen Seite geht es um Perspektive und Wertschätzung. Und auf der anderen, was auch mittelfristig und zukünftig für den Verein am besten sein könnte. Schwäbe geht mit einem auslaufenden Vertrag in die neue Saison. Eigentlich will man keinen Kapitän, der mit einem auslaufenden Kontrakt in die neue Saison geht. Sein aktuelles Arbeitspapier endet am 30. Juni 2027. Schwäbes Seite wartet seit längerer Zeit auf Gespräche mit dem FC über eine mögliche Verlängerung. Schwäbe ist 31 Jahre alt, Familienvater, etabliert in Köln – und er hätte gerne Klarheit über seine Zukunft.

1. FC Köln: Bosse sehen bei Schwäbe aktuell keinen Handlungsbedarf

Doch der FC, so war aus dem Geißbockheim zu erfahren, sieht derzeit keine Notwendigkeit, mit dem Keeper Vertragsgespräche aufzunehmen. Ein Signal, das bei Schwäbe für Irritationen, ja sogar Verdruss sorgt. Die Seite des Torhüters prüft deshalb auch andere Optionen. Was die Vertragssituation angehe, sei er aber ohnehin der falsche Ansprechpartner, sagte Schwäbe – da müsse man andere fragen. Das tat diese Zeitung. Öffentlich äußert sich keine Seite. Die FC-Verantwortlichen um den Sport-Geschäftsführer und früheren Torhüter Thomas Kessler geben sich gelassen. Was wohl auch an Vertragsdetails liegt, die jüngst in die Öffentlichkeit gelangten – Details, deren Veröffentlichung bei Schwäbes Seite nicht gut angekommen sein soll.

Nach Informationen der „Bild“ wird sich der Kontrakt des Keepers mit dem 20. Einsatz in der kommenden Saison automatisch bis zum 30. Juni 2028 verlängern. Für einen Stammtorhüter ist das im Normalfall eine Marke, die ohne längere verletzungsbedingte Ausfälle erreichbar sein sollte. Der FC muss in diesem Transfer-Sommer auf vielen Positionen nachlegen, misst wohl der Schwäbe-Personalie nicht die höchste Priorität bei und sieht aktuell eben keinen Handlungsbedarf.

Aber: Sollte Schwäbes Seite ein auch für den FC akzeptables Angebot an ihn herantragen, zeigt man sich offenbar gesprächsbereit. Dann allerdings klar früher als später. Denn die Kölner müssten natürlich noch in der Lage sein, auf dem Transfermarkt auf den wichtigen Abgang reagieren zu können. Der Zielmarkt für den Mannschaftsführer aufgrund des Pakets aus Ablöse/Gehalt/Alter scheint klar umrissen und liegt offenbar in England und Saudi-Arabien. In der Saudi Pro League, in der beispielsweise die ehemaligen Kölner Torwarttrainer Alexander Bade und Uwe Gospodarek tätig sind, ist ohnehin viel möglich.

FC sucht in dieser Transferperiode noch einen Torhüter mit Anfang 20

Als offenes Geheimnis gilt indes bereits jetzt am Geißbockheim, dass der FC auch unabhängig von der Personalie Schwäbe im Tor noch etwas plant – nämlich für die Zukunft. Der FC fokussiert sich im Sommer 2026 verstärkt auf internationale Top-Talente aus europäischen Spitzenakademien – insbesondere aus England und Frankreich –, um Mehrwerte für den Klub zu generieren. Absolut überzeugt sind die Verantwortlichen von Nachwuchstorhüter Jacob Esser, dessen Vertrag jüngst verlängert wurde. Er gilt vereinsintern aktuell als das größte Torwarttalent seit Jonas Urbig, jenem Keeper, der seit anderthalb Jahren beim FC Bayern spielt und dort Manuel Neuers Kronprinz ist. Doch Esser ist gerade mal 16 Jahre alt.

Routinier Ron-Robert Zieler (37) ist Schwäbes direkter Stellvertreter im Tor und auch im Kapitänsamt. Doch hinter dem allseits respektierten Weltmeister wird es dünn. Matthias Köbbing (29) nimmt als aktuelle Nummer drei seit Jahren die Rolle des Trainingstorwarts ein. Der FC schaut deshalb noch nach einem Torhüter mit Anfang 20, der bereits erste Profi-Erfahrungen hat und großes Potenzial besitzt – eine Art Brückenlösung zwischen dem etablierten Schwäbe und dem noch zu jungen Esser. Doch die Kölner Verantwortlichen wissen am besten, dass Top-Talente wie Urbig selbst im Grüngürtel nicht auf Bäumen wachsen. Solche Spieler zu finden, ist schwer, sie zu verpflichten, noch schwerer. Beim FC ist derzeit noch einiges im Schwebezustand – nicht nur Schwäbes Zukunft.