Cheftrainer René Wagner etabliert beim 1. FC Köln eine neue Form der Führung
Schwäbe bleibt FC-KapitänDas Tacheles-Prinzip

FC-Trainer René Wagner verantwortet derzeit seine erste Sommervorbereitung als Cheftrainer.
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Ob eine Fußballmannschaft im Innern zusammenhält, erkennt ein Cheftrainer nicht allein daran, ob es ab und an Probleme gibt. Unter dem Druck der Bundesliga ist es normal, dass Konflikte entstehen, Redebedarf besteht und Spieler unzufrieden sind. Wichtiger als die Frage, ob alle glücklich sind, ist für den Trainer: Welche Themen landen auf seinem Schreibtisch – und welche löst die Mannschaft selbst?
Wenn der Chefcoach ständig mit Kinkerlitzchen aus dem Kreis seiner Spieler befasst ist, gilt das als Alarmzeichen; dann stimmt die Führung nicht. Die nächste Stufe ist erreicht, wenn Konflikte wieder und wieder im Büro des Geschäftsführers landen. Dann ist es an der Zeit, den Trainer infrage zu stellen. Beim 1. FC Köln war das in der Vergangenheit häufig so. Daher legt man nun besonderes Augenmerk auf die Führungsstruktur der Profimannschaft. Dem Trainer kommt dabei eine Schlüsselrolle zu.
Am Freitag wurde René Wagner 38 Jahre alt. Er geht nun in seine erste Saisonvorbereitung als Chef. Wagner sieht sich als Lernoptimierer – nicht als einer, der seinen Spielern von den großen Momenten der eigenen Karriere erzählt, um darüber die Rolle des Anführers auszufüllen. Im Gegenteil: Er zieht sich aktiv zurück. Als Chef gestaltet er zwar das Umfeld der Mannschaft und bestimmt, wofür der 1. FC Köln in der kommenden Saison stehen soll. Permanente Stimmungskontrolle interessiert ihn jedoch nicht.
Wagner vergibt Führungspositionen behutsam, er will die Dinge wachsen lassen. Am Freitag teilte er mit, dass Marvin Schwäbe auch in der kommenden Saison Kölns Kapitän sein wird. Allerdings bejahte er die Frage nur knapp und inszenierte die Kontinuität im Amt als Nicht-Ereignis. Keine Debatte, kein langwieriger Auswahlprozess. Der Torhüter hat es gut gemacht, dabei soll es bleiben – obwohl es im Frühjahr Berichte gab, Schwäbe trage sich mit Abschiedsgedanken. „Ich bin sehr zufrieden hier und weiß, was ich hier habe“, hatte Schwäbe beim Trainingsauftakt gesagt. Nun bleibt er Kölns Kapitän.
Wagners Begründung fiel wortreicher aus. „Marvin kennt den Verein, er ist jetzt lange genug da, hat hier schwere Zeiten durchlebt, aber auch Topzeiten im ersten Jahr mit der Conference-League-Quali. Er ist in der Kabine eine laute Stimme. Wenn ihn was stört, spricht er das an“, sagt Wagner und betont auch seine persönliche Beziehung zum 31-Jährigen. Er habe „natürlich mit Marvin ein gutes Verhältnis, wir kennen uns jetzt seit fünf Jahren, vertrauen uns. Ich habe einfach einen Topmann an meiner Seite, der für uns alle durchs Feuer gehen wird.“
Es wird Spieler geben, die die Führung übernehmen müssen
Ron-Robert Zieler bleibt Vizekapitän. Für den Mannschaftsrat hat Wagner spezielle Pläne. Er wünscht sich eine „Leadership-Gruppe“ aus Spielern, die sich durch ihre Art von selbst empfehlen. „Es wird Spieler geben, die die Führung übernehmen müssen“, sagt er. Er berichtet aus der Vorsaison, als sich beim FC die später so genannte „Tacheles-Gruppe“ ergeben habe. Dort werde „auch mal offen miteinander gesprochen. Da bin ich nicht dabei“, erklärt Wagner. Er wolle „alle mit einbeziehen. Wenn der Physio einen Punkt hat, dann muss er den auch irgendwo anbringen können.“ Starke Stimmen seien gefragt, „Tacheles“ eben.
Ein solches Gremium ist keine Erfindung Wagners. Er hat das bereits in seiner Zeit bei Union Berlin erlebt. Damals war er Steffen Baumgarts Assistenztrainer und im Team Tacheles vertreten. Das ist nun vorbei. Als Chef muss er die Dinge laufen lassen – eine Veränderung, die seine neue Rolle mitbringt.

Torhüter Marvin Schwäbe wird auch in der neuen Saison Kapitän des 1.FC Köln sein.
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Gegen Ende der Vorbereitung wolle er die Freunde der klaren Ansprache berufen. Er wolle „schauen, wer sich in so eine Position reinarbeitet. Ich will die Jungs da drin haben, die auch wirklich Führung übernehmen.“ Ein solches Gremium sei wichtig für die Mannschaft, um „auch mal Druck loszulassen, auch mal da einfach die Wahrheit zu sagen und über Themen zu sprechen, die vielleicht nicht bis zum Cheftrainer müssen. Es geht um Themen, die die Mannschaft selbst regeln kann und auch regeln muss. Weil ich glaube, dass die Mannschaft auch ein bisschen regulativ sein muss für sich selbst. Damit nicht jedes Thema auf meinem Tisch landet.“
Mit einem Torwart als Kapitän brauchen die Kölner einen Feldspieler, der im laufenden Spiel die Verantwortung übernimmt. Wer diese Rolle ausfüllen soll, hat Wagner noch nicht bestimmt. Auch hier hofft er, dass es sich von selbst ergibt. Zunächst wolle er abwarten, wer sich „jetzt im Laufe der Vorbereitung in die Position spielt“.
