Unser Autor hadert mit dem Aus der deutschen Nationalmannschaft und stellt fest, dass früher doch alles besser war. Eine WM-Glosse.
WM-Nacht zum VergessenTah haben wir den Salat – Wenn auch schlechte Wortwitze nicht mehr helfen


Torhüter Orlando Gill pariert den Ball von Kai Havertz.
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So Wirtz das nichts. Ein Neuer Elfmeterkiller muss her. Tah haben wir den Salat. Irgendwann helfen auch schlechte Wortwitze nicht mehr gegen das, was ich mir da mitten in der Nacht antue. Ich schreibe das hier nur, weil ich mir sicher bin, dass es Ihnen ähnlich ergangen ist.
Da ist man tagelang so heiß gelaufen, dass einem der Schweiß fast ausgegangen wäre – und kühlt beim Anblick des deutschen Gekickes so schnell runter, als sei man von Julian Nagelsmann in einen Schockfroster gesteckt worden. So ideenlos die Offensivbemühungen auf dem Feld, so emotionslos die Reaktionen vor dem Fernseher. Spätestens in der Verlängerung, als das 2:1 für Deutschland aberkannt wurde, schmeckte das Bier nicht mehr. War ja auch schon spät.
WM: Deutschland scheitert an Paraguay
Wie weit ist es gekommen, dass ein Anhänger der deutschen Nationalmannschaft lieber schlafen möchte, als völlig losgelöst Schwarz-Rot-Gold an der Seite zu stehen? Sie müssen nämlich wissen, dass ich gleich mit meiner Geburt schon Weltmeister war: 1974. Ich wuchs auf mit dem Finale 1982, vier Jahre später wieder Finale, 1990 Weltmeister. Dann zweimal „nur“ Viertelfinale, aber 2002 erneut Finale, es folgte das Sommermärchen 2006, auch 2010 ging es bis ins Halbfinale. 2014 erneut Weltmeister.
Warum diese Aufzählung? Weil früher eben doch alles besser war! Es gab noch keine Videobeweise, „Hydration-Breaks“ oder Infantinos, sondern Vorstopper, Liberos und Heribert Faßbender oder Gerd Rubenbauer. Die ganze Welt wusste: Geht es ins Elfmeterschießen, gewinnt Deutschland. Die Engländer hatten sogar Angst davor...
Und: Sätze, die sich früher leicht sagten, wenn man gegen bestens aufspielende Nationen wie Spanien oder Frankreich aus dem Turnier geflogen war, würde sich heute keiner trauen: „Jetzt gönnen wir auch Paraguay den Weltmeistertitel.“ Glaubt doch keiner – passiert ja auch nicht. Und jetzt? Holen wir uns Trost beim Italiener um die Ecke: auf eine „Pizza Diavolo“ im Ristorante, wo die WM schon zuvor kein Thema war. Wir verstehen uns.
