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Interview

Leverkusens Jungstar Christian Kofane
„Ich fragte mich: Wer bin ich eigentlich?“

4 min
Christian Kofane im Zweikampf mit Arsenals Cristhian Mosquera in der Champions League.

Christian Kofane im Zweikampf mit Arsenals Cristhian Mosquera in der Champions League.

Im Interview spricht der Stürmer der Werkself über Ziele, Ambitionen, Ruhm und seine Rückkehr in die Heimat.

Herr Kofane, Sie sind der Durchstarter der vergangenen Saison bei Bayer 04 Leverkusen. Niemand hat erwartet, dass Sie sich so schnell entwickeln und so früh überzeugen würden. Haben Sie selbst mit einem derart rasanten Aufstieg gerechnet?

Christian Kofane Ich habe immer an mich geglaubt. Trotzdem ging alles sehr schnell, und im Fußball muss man sich an neue Situationen anpassen. Als junger Spieler versuche ich vor allem, den Fußball zu genießen. Erst im Rückblick sieht man, was man erreicht hat, und denkt: Wow. In dem Moment selbst erkennt man noch nicht, dass gerade etwas Besonderes geschieht. Dann spürt man die Zuneigung der Fans und der Menschen aus dem eigenen Land – das ist schon verrückt.

Hatten Sie im Sommer während Ihres Urlaubs Zeit, über das vergangene Jahr nachzudenken?

Ja. Was geschehen war, habe ich vor allem begriffen, als ich in meine Heimat zurückkehrte.

Was haben Sie dort erlebt?

Schon hier hatte ich die Zuneigung der Fans gespürt. In meiner Heimat war es aber noch einmal etwas spezieller, weil ich das nicht gewohnt war. Als ich ankam, sah ich, wie die Menschen mich plötzlich betrachteten. Ein oder zwei Jahre zuvor war ich noch unbekannt gewesen. Nun begegneten mir überall Menschen und zeigten mir so viel Zuneigung. Ich fragte mich: Wer bin ich eigentlich? Es war überwältigend. Sie wollten alles mit mir teilen, Fotos machen und mir ihren Segen geben. Sie wollten überall dort sein, wo ich war. Diese Zuneigung zu spüren, war etwas ganz Besonderes. Das lag vermutlich nicht nur an Ihren Leistungen in Leverkusen. Sie haben beim Afrika-Cup bereits in jungen Jahren eine wichtige Rolle für Kameruns Nationalmannschaft gespielt.

Was hat Ihnen das bedeutet?

Um ehrlich zu sein: Ich bin wie ein Kind dorthin gefahren, das einfach Freude haben und Fußball spielen möchte. Zuvor war ich noch nie bei der Nationalmannschaft gewesen und nahm dann sofort an einem großen Turnier teil. Zum Glück hatte mich mein Verein gut vorbereitet. Deshalb bin ich dort angekommen und habe versucht, das zu tun, was ich aus dem Klub kannte. Natürlich hatte ich neue Mitspieler, und es war eine andere Art von Fußball. Daran musste ich mich anpassen. Vor allem meine Mitspieler und das Umfeld haben mir dabei geholfen. Die Bedingungen waren sehr gut, um Leistung zu bringen.

Ist es eines Ihrer Erfolgsgeheimnisse, dass Sie nicht nervös werden, sondern ruhig bleiben und einfach Fußball spielen?

Ich glaube, das liegt in meiner Natur und an meinem familiären Umfeld. Wie gesagt: Ich bin jung und möchte einfach spielen. Auf diesem Niveau gelten hohe Anforderungen. Ich bin der junge Spieler, der spielen, Freude haben und selbstverständlich gewinnen will. Deshalb versuche ich, das zu tun, was ich kann. Eines Ihrer besten Spiele war das Heimspiel in der Champions League gegen Arsenal. Dort haben Sie sich gegen William Saliba und Gabriel behauptet, zwei der besten Innenverteidiger der Welt.

Es gab Gerüchte, dass Trainer Mikel Arteta von Ihnen beeindruckt gewesen sei. Haben Sie davon erfahren?

Nein, das ist nicht bei mir angekommen. Mein Berater hat wohl mit ein, zwei Leuten gesprochen. Ich selbst hatte mit niemandem Kontakt.

In welchen Bereichen möchten Sie sich in der kommenden Saison verbessern?

Als junger Spieler kann ich mich noch in vielen Bereichen steigern und möchte weiter lernen. Vor allem muss ich vor dem Tor effizienter werden und mehr Treffer erzielen als in der vergangenen Saison. Zudem will ich meine Siegermentalität weiterentwickeln. Ich bin jetzt 20 Jahre alt. In diesem Alter ist es wichtig, eine Mentalität zu entwickeln, mit der man sich ständig antreibt, der Mannschaft hilft und alles für die eigene Leistung gibt.

Kofane künftig im Doppelsturm?

Ihr Berater hat gesagt, Sie seien ein 100-Millionen-Euro-Spieler. Wussten Sie das?

Wow. Nein, davon wusste ich nichts. Sie kennen mich offenbar nicht: Ich beschäftige mich nicht mit sozialen Medien und solchen Dingen.

Er hat es in einem Zeitungsinterview gesagt. Davon hatten Sie wirklich nichts gehört?

Nein, nie.

Bei „Transfermarkt“ werden Sie auf 40 Millionen Euro taxiert. Halten Sie das für angemessen?

Nein. Mein Berater kann sagen, was er möchte, und die Medien können es in diesem Zusammenhang meinetwegen auch. Ich bin hier, um Fußball zu spielen.

Bayer 04 spielt voraussichtlich häufig in einem 4-3-3 oder einem 4-2-3-1 mit nur einem Mittelstürmer. Für diese Position kommen vor allem Patrik Schick und Sie infrage. In der vergangenen Saison spielte mal Schick, mal spielten Sie. Erwarten Sie für die neue Saison eine ähnliche Aufteilung, und wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Patrik ist ein großartiger Spieler und ein herausragender Profi. Ich mag seine Mentalität. Er ist ein Spieler, an dem man sich orientieren kann. Ich versuche, mir von ihm Dinge abzuschauen und mich dadurch als Spieler und mental weiterzuentwickeln. Was das System betrifft: Schon in der vergangenen Saison haben wir in vielen Spielen mit zwei Stürmern gespielt, etwa gegen Manchester City und in der Bundesliga. Der Trainer probiert jetzt neue Dinge aus, und wir müssen uns anpassen. In der Vorbereitung trainieren wir unterschiedliche Formationen – mit zwei Stürmern und mit einem. Im Testspiel haben wir zeitweise zu zweit und zeitweise allein im Sturm gespielt. Wir versuchen, etwas zu entwickeln. Wir werden sehen, wohin das führt.

Was muss die Mannschaft verbessern, um wieder die Champions League zu erreichen? Warum hat es in der vergangenen Saison nicht gereicht?

Der Hauptgrund ist klar: Wir haben Spiele verloren und zu leicht Punkte abgegeben. In einigen Begegnungen lagen wir vorn und haben den Vorsprung noch aus der Hand gegeben. Solche Details haben uns in der vergangenen Saison die Champions League gekostet. Daraus müssen wir lernen, damit wir uns wieder für diesen Wettbewerb qualifizieren.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Bayer 04? Sie selbst wollen mehr Tore erzielen. Haben Sie sich eine bestimmte Zahl vorgenommen?

Nein, ich habe keine Zahl im Kopf. Das wird sich im Laufe der Saison zeigen. Als Mannschaft wollen wir in unseren Wettbewerben so weit wie möglich kommen. Den DFB-Pokal, die Europa League finde ich reizvoll: Selbstverständlich wollen wir da etwas gewinnen.

Haben Sie einen Karriereplan? Wissen Sie bereits, wann Sie den nächsten Schritt machen möchten?

Wie ich schon gesagt habe: Im Moment konzentriere ich mich darauf, Fußball zu spielen. Aber nachdem Sie mich jetzt darauf angesprochen haben, muss ich wohl anfangen, darüber nachzudenken. (lacht)