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Konkurrenzkampf bei Bayer 04Warum Leverkusens rechte Seite zum Luxusproblem werden kann

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Guéla Doué im Spiel beim FC Augsburg. Eine Verletzung bremst den Neuzugang derzeit aus.

Guéla Doué im Spiel beim FC Augsburg. Eine Verletzung bremst den Neuzugang derzeit aus. 

Leverkusens Guéla Doué peilt sein Comeback an. Moussa Diaby kommt immer besser in Form. Welche Dynamik auf der rechten Seite entsteht.

Guéla Doué sitzt nicht gern nur daneben. Während nebenan seine neuen Mannschaftskollegen auf dem Trainingsplatz an der Bay-Arena trainieren, mit dem Ball spielen und das tun, worauf der Leverkusener gerade so große Lust hätte, muss sich der Rechtsverteidiger in Geduld üben. Der Neuzugang, für den Leverkusen 30 Millionen Euro plus Bonuszahlungen als Ablöse zahlte, ist erst seit wenigen Wochen bei Bayer 04 – und nach seiner Verletzung entsprechend frustriert.

Doué und Diaby bald zusammen auf dem Platz?

„Es ist schwer, hier zu sein“, sagt Doué: „Ich sehe meine Mitspieler, wie sie den Ball berühren und Freude am Fußball haben. Ich möchte einfach mit ihnen auf dem Platz stehen, trainieren und das tun, was ich liebe“, so Doué gegenüber der Bild. Beim 2:2 gegen den FC Augsburg hatte der Ivorer gut eine halbe Stunde gespielt, ehe er sich im Training an der rechten Wade verletzte.

Nun arbeitet er täglich an seinem Comeback, erhält Behandlungen und trainiert auch im Wasser. Wann er zurückkehrt, ist offen; der Klub sprach von einigen Wochen Ausfallzeit. Wenn es nach Doué ginge, würde er bereits im nächsten Spiel auflaufen. „Aber ich muss leider warten“, sagt er. „Ich werde stärker zurückkommen.“ Der Spieler, mit dem Doué die rechte Seite perspektivisch beleben soll, ist derweil längst im Leverkusener Alltag angekommen: Moussa Diaby trainiert seit vier Wochen wieder mit der Mannschaft.

Der Rückkehrer spricht über Bayer wie über seine Heimat. „Ich nenne Leverkusen meine Heimat, weil ich hier vier Jahre gespielt habe“, sagte Diaby am Dienstag. Er habe sich wohlgefühlt, der Klub sei mit ihm zufrieden gewesen – und er mit dem Klub. Diaby kennt die Trainingsbedingungen, die Stadt, die Fans und viele seiner Mitspieler. „Ich muss mich nicht so stark anpassen wie ein neuer Spieler.“ Der 27-Jährige soll der rechten Seite Tempo, Tiefe und Unberechenbarkeit geben.

Diaby noch nicht bei 100 Prozent

Noch ist Diaby selbst allerdings nicht wieder bei hundert Prozent. Gegen Augsburg habe er bei etwa 60 Prozent seines Leistungsvermögens gelegen, gegen Leipzig bei 70 Prozent. Die Länderspielpause will er nutzen, um weiter an seiner Fitness zu arbeiten. „Schritt für Schritt wird es weiter aufwärtsgehen“, sagt er. Auch sein Spiel habe sich verändert.

In seiner ersten Zeit in Leverkusen sei die Defensivarbeit nicht seine höchste Priorität gewesen. In den vergangenen drei Jahren sei er gereift und habe Erfahrung gesammelt. Heute wisse er, dass eine erfolgreiche Mannschaft gemeinsam angreifen und gemeinsam verteidigen müsse. Das könnte für die Besetzung hinter ihm wichtig werden. Je besser Diaby gegen den Ball mitarbeitet, desto eher kann Trainer Carles Martínez dahinter einen offensiver ausgerichteten Außenverteidiger einsetzen.

Hinter Diaby ist die rechte Seite aber noch nicht abschließend sortiert. In Doués Abwesenheit ist Jarell Quansah derzeit die Stammkraft, Lucas Vázquez eine weitere Option. Quansah begann sowohl beim 4:0 gegen Union Berlin als auch beim 2:2 in Augsburg und beim 2:0 gegen RB Leipzig auf der rechten Seite. Quansah hat damit seine Chance genutzt.

Der gelernte Innenverteidiger gibt Bayer als Rechtsverteidiger Stabilität und ergänzt Diabys Offensivdrang mit einer eher kontrollierten Spielweise. Doué bringt dagegen ein anderes Profil mit. „Ich bin in erster Linie Verteidiger“, sagt er. „Ich liebe es, zu verteidigen und Eins-gegen-Eins-Situationen zu führen. Gleichzeitig möchte ich mich offensiv einbringen – mit Flanken, Toren und Vorlagen.“ Für Martínez ist das ein Luxusproblem. Quansah kann die rechte Seite defensiver und ausgeglichener machen.

Warum sollte man spielen, wenn man nicht alles gewinnen will? Dann gibt es keinen Grund, Fußball zu spielen
Guéla Doué, Rechtsverteidiger von Bayer 04 Leverkusen

Doué ist offensiver ausgerichtet und könnte gemeinsam mit Diaby mehr Druck über außen entwickeln. Der eine steht für Absicherung, der andere für Vorwärtsdrang. Eine Entscheidung kann der Trainer aber erst treffen, wenn Doué wieder gesund ist und sich gegen einen starken Quansah behaupten muss. Doué freut sich indes besonders auf das Zusammenspiel mit Diaby. „Moussa ist Franzose, deshalb wird die Kommunikation auf dem Platz natürlich leichter“, sagt er.

Zugleich betont er, dass die französische Verbindung nicht entscheidend sei: „Wir haben eine starke Mannschaft mit vielen individuell guten Spielern.“ Auf Leverkusens rechter Seite laufen damit zwei Konkurrenzkämpfe parallel: Vorne geht es um Diaby, Nathan Tella und Montrell Culbreath, dahinter um Quansah und Doué, Vazquez dürfte nur die dritte Wahl sein. Tella absolvierte am Dienstag eine ganze Trainingseinheit mit dem Team, Culbreath arbeitet ebenfalls an seiner Rückkehr. Diaby ist zunächst die naheliegende Lösung auf dem Flügel, doch der Konkurrenzkampf wird größer, sobald beide wieder zur Verfügung stehen.

Nach der Länderspielpause gastiert die Werkself beim 1. FSV Mainz 05 und in der Europa League bei Lech Posen. Ob Doué dann fit sein wird, bleibt offen. An seinem Anspruch lässt er dennoch keinen Zweifel: „Warum sollte man spielen, wenn man nicht alles gewinnen will? Dann gibt es keinen Grund, Fußball zu spielen.“