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Leverkusens Medina und GutiérrezDie linke Seite gibt den Takt bei Bayer 04 vor

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Facundo Medina (l.) jubelt zusammen mit Miguel Gutiérrez über den zweiten Treffer gegen Leipzig.

Facundo Medina (l.) jubelt zusammen mit Miguel Gutiérrez über den zweiten Treffer gegen Leipzig.

Die Neuzugänge Facundo Medina und Miguel Gutiérrez stehen bei Bayer 04 Leverkusen  für die gesuchte und geforderte Konstanz. 

Die linke Seite von Bayer 04 ist derzeit ein Ort klarer Botschaften. Sie erzählt von einem Innenverteidiger, der seiner Mannschaft Härte und Ruhe gibt, und einem Außenverteidiger, der mit Flanken, Läufen und klugen Bewegungen verschiedene Rollen ausfüllt. Facundo Medina und Miguel Gutiérrez sind keine bloße Besetzung zweier Positionen. Sie stehen dafür, wie Bayer 04 sich die Zukunft der Mannschaft vorstellt.

Gutiérrez überzeugt bei Bayer 04

Beim 2:0 gegen RB Leipzig wurde diese Verbindung sichtbar. Gutiérrez schlug eine perfekte Flanke, die Patrik Schick zur Führung vollendete, und erzielte später selbst das zweite Tor. Medina hielt hinter ihm die Seite zusammen, gewann wichtige Duelle und half mit seiner Ruhe im Aufbau, das Leipziger Pressing zu überspielen. Es war der Beitrag zweier Spieler, die unterschiedliche Aufgaben haben und doch dieselbe Wirkung erzeugen: Sie machen Bayer verlässlicher. Gutiérrez hat in vier Ligaspielen drei Vorlagen und ein Tor beigesteuert. Medina geht Zweikämpfen nicht aus dem Weg, überspielt mit Ruhe die erste Pressingreihe und ist bei offensiven Standards gefährlich – er erzielte je einen Treffer in der Liga und der Europa League.

Der eine gibt Breite und schlägt Flanken, kann aber ebenso ins Zentrum rücken. Der andere sichert hinter ihm, eröffnet das Spiel und setzt mit seiner Körperlichkeit ein Signal. Gemeinsam zeigen sie jene Konstanz, die Trainer Carles Martínez von der gesamten Mannschaft verlangt. Medina ist der Spielertyp, nach dem Leverkusen gesucht hat. Im Sommer war viel von Führung die Rede.

Der Argentinier liefert davon eine direkte Version. Er geht keinem Scharmützel aus dem Weg, nimmt den Kontakt an und lässt den Gegner spüren, dass er sich jeden Meter erkämpfen muss. Medina versucht, diese Haltung auf die Mitspieler zu übertragen. Dass ihn diese Art nicht auf einen Zerstörer reduziert, zeigte sich gegen Leipzig – und auch schon in Augsburg. Medina baut Angriffe mit auf und wirkt am Ball bemerkenswert ruhig.

Demichelis lobt Leverkusens Medina

Er versucht nicht, mit gigantischen Steilpässen die letzte Kette zu überspielen. Seine Qualität liegt eine Linie davor: Er überspielt den ersten Druck des Gegners mit Ruhe und findet den freien Mitspieler. Leipzigs argentinischer Trainer Martín Demichelis, der Medina einst zu River Plate holen wollte, beschrieb ihn als aggressiven Innenverteidiger, der sehr gut mit dem Ball spiele und über viel Spielverständnis verfüge. Das trifft es. „Er hat eine gute Entscheidung getroffen, nach Europa zu gehen. Facu hat die WM gespielt und ist jetzt bei einem großen Verein“, betonte Demichelis. Bei Standards wird Medina zur Gefahr.

Er wirft seinen Körper mit voller Wucht in die Kopfbälle. Gegen Union traf er nach einer Flanke von Gutiérrez erstmals für Bayer. Die Szene zeigte das Prinzip: Gutiérrez liefert Präzision, Medina Entschlossenheit. Gutiérrez bringt eine andere Form von Verlässlichkeit ein. Er verteidigt aufmerksam, hält seine Position und trifft in den Umschaltmomenten meist die richtige Entscheidung.

„Er weiß, wann er rausgehen, wann er mitgehen und wann er zurückbleiben soll“, sagte Martínez nach dem Sieg gegen Leipzig. Für einen offensiven Außenverteidiger zählt das. Gutiérrez kann weit nach vorn schieben, ohne die Balance zu verlieren. Seine auffälligsten Spuren hinterlässt der 25-Jährige dann im letzten Drittel. Seine Flanken sind scharf und präzise. „Die Flanke ist kein Zufall. Das ist eine große Qualität von ihm“, sagte Simon Rolfes. Gutiérrez weiß, dass Schick Bälle verwerten kann. Wenn er die Flanke an die richtige Stelle bringe, sei es „fast ein Tor – oder ein Tor“, sagte der Spanier.

Vergleiche mit Alejandro Grimaldo

Die Vergleiche mit Alejandro Grimaldo liegen nahe, führen aber nicht sehr weit. Gutiérrez ist nicht einfach der Nachfolger seines Landsmannes, wie Martínez schon bei der Verpflichtung betonte: „Miguel ist aber nicht einfach sein Ersatz – Miguel ist Miguel.“ Der Unterschied zeigt sich in der Interpretation der Position. Er kann die Breite geben und mit seiner Flanke eine Waffe sein.

Im nächsten Angriff kann er als Achter oder Zehner einrücken und Überzahlsituationen schaffen. Diese Bewegungen kennt er aus Girona. In Leverkusen findet er dafür das passende Umfeld. Seine Ambition reicht über Leverkusen hinaus. Gutiérrez will in die spanische Nationalmannschaft und langfristig Grimaldo als Mann hinter Marc Cucurella beerben. „Natürlich ist das ein Ziel“, sagte er. „Ich muss so weitermachen und auf meine Chance warten.“

Die gemeinsame Sprache mit Medina hilft ihm dabei. Beide sind spanischsprachig, suchen den kurzen Austausch und verstehen sich gut. Ihre Nähe ist auch neben dem Platz sichtbar. Simon Rolfes nannte den Sieg gegen Leipzig das „konzentrierteste und konstanteste Spiel“ der Saison. Auf der linken Seite war das besonders gut zu erkennen. Gutiérrez und Medina waren nicht fehlerlos, machten Bayer aber belastbarer. Die Werkself überstand eine schwierige erste Halbzeit, verteidigte die Führung und spielte nach der Pause konzentriert nach vorn.

Das hatte Leverkusen in Augsburg und zu Saisonbeginn vermissen lassen. Ein starkes Duo löst keine grundsätzlichen Probleme. Bayer muss diese Verlässlichkeit nun bestätigen. Gutiérrez und Medina liefern dafür eine Blaupause. Sie gehen voran, jeder auf seine Weise: der eine mit Ball, Timing und Flanke, der andere mit Körper, Mut und Ruhe. Wenn Bayer 04 die Konstanz sucht, die es selbst von sich erwartet, lohnt sich derzeit ein Blick auf die linke Seite.