Der 1. FC Köln und sein junger Trainer gehen mit einer Pleite in die lange Länderspielpause, im Derby gegen Borussia Mönchengladbach muss die Wende her.
1. FC Köln nach dem vierten SpieltagWagners Signale


René Wagner an der Seitenlinie während des Spiels beim Hamburger SV
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Wer René Wagner nach der Pleite in Hamburg zwar nicht anzählen, aber doch zu schnellen Erfolgen mahnen wollte, hätte wohl kaum andere Worte gewählt als Wagner selbst. „Am Ende reicht es nicht, die Dinge zu besprechen und zu analysieren. Wir müssen sie besser machen. Unser Auftrag in den nächsten Wochen wird sein, besser zu werden.“ Das sagte der Trainer des 1. FC Köln vor der langen Länderspielpause, die für seine Mannschaft am 11. Oktober mit dem Derby gegen Borussia Mönchengladbach endet.
Wagner ist ein großer Theoretiker, süchtig nach Wissen, stark in der Analyse – ein Frühaufsteher, der seiner Herausforderungen Herr zu werden versucht, indem er früher im Büro ist als alle anderen. Am Samstag allerdings zeigte sich erneut, dass der Fußball womöglich schwieriger zu planen ist als jeder andere Sport. Mit 22 Spielern auf 105 mal 68 Metern Spielfeld ist jederzeit alles möglich – und selbst die Bereiche, die durch Planung scheinbar beherrschbar sind, enden im Chaos: Seine Mannschaft habe es beim 0:1 nach einem Hamburger Standard nicht geschafft, „so zu stehen, wie wir stehen wollten“, sagte Wagner. Für einen Mann, der Fußball Schnitt für Schnitt in Phasen zerlegt und für jede dieser Phasen Abläufe benennt und einübt, muss das ein Albtraum sein: Seine Spieler finden ihre Positionen selbst dann nicht, wenn der Ball ruht.
Mut ist gefordert
Wagner wird auf diese Probleme mit Arbeit reagieren. Er scheint zu glauben, mit Fleiß und Kompetenz jeder Herausforderung begegnen zu können, die der Fußball bereithält.
Die schlechte Nachricht: In diesem fließenden Spiel zählt es nicht, Probleme mit immer mehr Arbeit ersticken zu wollen. Im Fußball erweist sich vor allem der als geeignet, der auf einer Basis aus Fleiß, Wissen und Vorbereitung das Gespür für den Augenblick hat – und im richtigen Moment bereit ist, das Unerwartete zu tun. Das gilt nicht nur für Trainer. Die Spieler spielen das Spiel – so lautet ein zentraler Merksatz im Fußball. Es ist daher der richtige Ansatz, wenn Wagner schon im Training seine Profis dazu erzieht, ohne sein Zutun auf dem Platz Entscheidungen zu treffen.
Dass Linton Maina nach dem Auftritt gegen Bremen erklärte, die Mannschaft habe nicht gewusst, was sie zu tun habe, ist in diesem Kontext weniger Attacke auf den Trainer als Selbstanklage: Wenn Wagners Kommunikation sein Kernwerkzeug ist und seine Spieler im Spiel trotzdem nicht wissen, was zu tun ist, scheitert genau das. Die Spieler spielen das Spiel. Nicht der Trainer.
Das muss die Kölner Mannschaft noch lernen. Gleichzeitig ist es am Trainer – und zwar nicht durch große Inszenierungen an der Seitenlinie – in den entscheidenden Momenten Mut zu zeigen, einzugreifen. Sei es mit der Aufstellung, mit einem Wechsel, mit einer taktischen Anpassung im Spiel. Diese Signale sendet Wagner zu selten – dabei entscheiden sie den Fußball: Sie sorgen dafür, dass Spiele so ausgehen, wie sie ausgehen, obwohl die Statistik etwas anderes andeutet. Am Samstag in Hamburg mussten die Kölner diese frustrierende Erfahrung einmal mehr ertragen.
Auch damit wird sich der Trainer in den kommenden Wochen befassen müssen. Denn wenn Ergebnisse im Fußball schon grundsätzlich kaum planbar sind – für Derbys gilt das umso mehr.
