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Kartellamt zu 50+1Bayer will Dialog – und behält sich rechtliche Schritte vor

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Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bayer 04 Leverkusen im Interview.

Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH.

Nach der 50+1-Stellungnahme des Kartellamts drängen Bayer AG und Fußball GmbH auf eine Lösung – eine Klage bleibt möglich.

Bayer 04 Leverkusen setzt nach der Stellungnahme des Bundeskartellamts zu 50+1 weiter auf den Dialog mit der Bundesliga – hält sich aber alle rechtlichen Optionen einschließlich einer Klage offen.

„Die Bayer AG wird die finale, rechtlich nicht bindende Stellungnahme des Bundeskartellamts zur 50+1-Thematik sorgfältig prüfen und hält sich ausdrücklich alle Optionen offen, um die Rechte und Interessen des Unternehmens und seiner Anteilseigner im Hinblick auf die Bayer 04 Fußball GmbH zu wahren“, teilte die Bayer AG mit. Das vorrangige Ziel sei es, „im Dialog mit der Bundesliga, aber auch mit weiteren Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Sport, eine faire, praktikable und langfristige Lösung zu finden“.

Die Bayer AG habe sich „ebenso wie Bayer 04 [...] konstruktiv in den seit mehreren Jahren laufenden Prozess vor dem Bundeskartellamt eingebracht“. Auch die Bayer 04 Fußball GmbH veröffentlichte eine Stellungnahme. Ziel sei weiterhin „eine faire, praktikable und möglichst langfristige Lösung für den gesamten deutschen Profifußball, die zugleich den historisch gewachsenen Strukturen und den Interessen aller Beteiligten Rechnung trägt“. Bayer 04 sieht dafür auf Basis der Stellungnahme des Bundeskartellamts „einige vielversprechende Ansatzpunkte“.

Seit 2021 führt der Klub Gespräche mit den Klubs des Ligaverbandes, der inzwischen als Bundesliga e.V. firmiert. Aus Sicht der Leverkusener Verantwortlichen stießen sie dabei immer wieder auf taube Ohren. Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bayer 04, betonte im Gespräch mit dieser Zeitung, der Klub habe in den vergangenen drei Jahren „immer wieder konkrete Vorschläge erarbeitet und eingebracht“. In Leverkusen sei jedoch der Eindruck entstanden, dass es nicht um einen echten Kompromiss gehe. Vielmehr sollten die Vereine mit Ausnahmeregelung etwas ändern, während der Rest weitermachen könne wie bisher.

Wird Bayer AG auf Klageweg verwiesen?

Der Kern des Konflikts liegt in der Eigentümerstruktur. Die Bayer 04 Fußball GmbH ist derzeit eine hundertprozentige Tochter der Bayer AG. Sollte künftig eine Mehrheit der Anteile auf den TSV Bayer 04 e.V. übertragen werden müssen, müsste für die Bayer AG eine Möglichkeit geschaffen werden, die Fußball-GmbH weiter im Konzern zu konsolidieren. Andernfalls sähe sich die AG wohl auf den Klageweg verwiesen.

Zu den Förderausnahmen der Werksklubs in Leverkusen und Wolfsburg schrieb das Bundeskartellamt in seiner aktuellen Stellungnahme: „[...] Nach der Rechtsprechung des EuGH reichen die bislang vorgeschlagenen Bestandsschutzregelungen für Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg allerdings nicht aus. Nach Auffassung des Bundeskartellamtes setzt die EuGH-Rechtsprechung voraus, dass langfristig für alle Klubs vergleichbare wettbewerbliche Rahmenbedingungen gelten. Dafür muss zumindest perspektivisch sichergestellt werden, dass der für Neumitglieder offene Mutterverein vergleichbare Einflussmöglichkeiten auf die Profiabteilung erhält wie bei den übrigen Klubs.“ Was „vergleichbare wettbewerbliche Rahmenbedingungen“ und „vergleichbare Einflussmöglichkeiten auf die Profiabteilung“ konkret bedeuten, bleibt allerdings auslegungsbedürftig. Bayer 04 hofft deshalb auf ein Entgegenkommen der anderen Klubs. Aus Sicht der Leverkusener ist Vergleichbarkeit auch bei Vereinen ohne Ausnahmeregelung nicht zwingend gegeben.

Zuletzt zeigten sich die Verantwortlichen enttäuscht von der Arbeit in der 50+1-Gruppe der Bundesliga. „Der Dialog könnte intensiver sein. 50+1 fühlt sich leider immer noch wie ein Tabuthema an“, sagte Carro jüngst im Interview mit dieser Zeitung. Bayer 04 sei gezwungen, daran zu arbeiten, „dass wir weiterhin lösungsorientiert über die rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen sprechen“. Bei einem Thema dieser Tragweite erwarte Bayer 04, „dass alle Beteiligten ernsthaft, dialogorientiert und mit der notwendigen Intensität an einer belastbaren Lösung arbeiten“, sagte Carro. Er sei aber nicht sicher, „ob die Komplexität und die potenziell weitreichenden Konsequenzen allen Beteiligten immer bewusst sind“. Klar sei: Der Schwebezustand könne nicht dauerhaft bestehen bleiben. Eine Lösung müsse im Sinne aller Mitglieder des Ligaverbandes liegen. „Alleine das schafft größtmögliche Rechtssicherheit. Wir sind weiterhin bereit, uns konstruktiv einzubringen.“