Abo

Mark Flekken oder Janis Blaswich?Das Rätsel zwischen den Pfosten bei Bayer 04

4 min
Jonas Blaswich wird im Spiel gegen Hoffenheim in der vergangenen Saison für den verletzten Mark Flekken eingewechselt.

Jonas Blaswich wird im Spiel gegen Hoffenheim in der vergangenen Saison für den verletzten Mark Flekken eingewechselt. 

Eine Woche vor dem Bundesligastart ist noch offen, wer das Tor der Werkself als Nummer eins hüten wird. 

Bayer 04 Leverkusen hat ein Luxusproblem. Mark Flekken und Janis Blaswich sind Torhüter auf hohem Niveau – und genau das macht die Entscheidung für Leverkusens Trainer Carles Martínez nicht einfacher. Beim 4:0 im DFB-Pokal gegen den SV Wehen Wiesbaden am vergangenen Samstag stand Blaswich im Tor, hielt sicher und blieb ohne Gegentor. Eine Woche vor dem Bundesligastart ist damit eine Debatte zurück, die bereits die vergangene Saison geprägt hatte.

Blaswich zeigt sich selbstbewusst

„Dass ich heute das Spiel mache, war die Absprache. Alles andere wird der Trainer dann auch wieder verkünden. Ich bin bereit, wenn ich gebraucht werde“, sagte Blaswich nach der Partie. Auf die Frage, ob ihn sein Einsatz überrascht habe, antwortete er: „Ich gehe immer davon aus, dass ich spielen werde.“

Der Saisonstart ist Bayer 04 mit dem souveränen Pokalsieg geglückt. Auch abseits der Torwartfrage verlief die Sommervorbereitung bislang ruhig. Offen bleibt, wer künftig im zwischen den Pfosten stehen wird. Martínez hatte schon vor der Partie in Wiesbaden betont: „Wir werden sehen, wer im Tor steht. Das gilt nicht nur für dieses Spiel, sondern auch für die Liga und die weiteren Wettbewerbe. Dieses Thema war bereits im vergangenen Jahr sehr präsent. Ich werde versuchen, weniger darüber zu sprechen.“

Die Frage ist damit allerdings nicht verschwunden. Normalerweise gilt Flekken als die klare Nummer eins. Im DFB-Pokal erhielt jedoch Blaswich den Vorzug. Auch in der Vorbereitung überzeugte der deutsche Torhüter. Galt sein Einsatz nur dem Pokal – oder war er ein Fingerzeig für die Bundesliga? In Leverkusen ist die Frage zurück – und mit ihr die Erinnerung an die vergangene Saison, in der die Torwartposition immer wieder für Unruhe gesorgt hatte.

Denn Flekken war im vergangenen Sommer als designierter Nachfolger von Lukas Hradecky auserkoren worden und wechselte vom FC Brentford ins Rheinland. Der Niederländer, der bislang acht Länderspiele bestritten hat, sollte die Lücke schließen, die der langjährige Kapitän und Rückhalt hinterlassen hatte. Eine große Aufgabe: Hradecky war nicht nur wegen seiner Leistungen, sondern auch durch seine Präsenz außerhalb des Platzes eine feste Größe in Leverkusen.

Flekken mit wechselhaften Leistungen

Flekken erwischte keine einfache erste Saison. Seine Leistungen reichten von herausragenden Auftritten über durchschnittliche Spiele bis hin zu Fehlern. Die schwächeren Leistungen ließen die Kritik lauter werden. Ein Tiefpunkt war die 2:7-Niederlage gegen Paris Saint-Germain in der Champions League. Als der Torhüter mal Torschüsse festhielt, quittierten Leverkusener Fans dies mit höhnischem Applaus. Es war eine bittere Szene – und ein deutliches Zeichen dafür, dass Flekken in Leverkusen nicht immer jene Sicherheit ausstrahlte, die man sich von der neuen Nummer eins erhofft hatte.

Dabei sind seine Qualitäten unbestritten. In vielen Spielen hielt der 33-Jährige überragend. Seine Stärke auf der Linie und seine Fähigkeiten im Spielaufbau machten ihn zu einem Torhüter, der dem Leverkusener Anforderungsprofil grundsätzlich entspricht. Diese Qualitäten zeigte Flekken jedoch nicht in jedem Spiel mit derselben Konstanz. Ab Januar fiel er zudem wegen einer Verletzung wochenlang aus.

Sein Vertreter Blaswich nutzte die Gelegenheit und wusste zu überzeugen. Der 35-Jährige erwies sich als verlässlicher Rückhalt und zeigte konstante Leistungen. Das gab der Mannschaft Stabilität. Als Flekken nach seiner Verletzung zurückkehrte, ließ Ex-Trainer Kasper Hjulmand zunächst offen, wer künftig zwischen den Pfosten stehen sollte. Am Ende entschied er sich für Flekken.

Im ersten Sommer unter Martínez ist die Debatte nun wieder da. Der Spanier wollte sich nach dem Pokalspiel nicht festlegen: „Ich habe eine Regel im Kopf: Ich möchte meine Spieler informieren, bevor ich eine Entscheidung auf einer Pressekonferenz bekannt gebe. In einer Woche kann viel passieren. Deshalb ist das aus meiner Sicht nicht der richtige Ort, um darüber zu sprechen. Meine Spieler werden rechtzeitig erfahren, wer in der kommenden Woche spielt.“

Zugleich stellte der Trainer klar, dass Blaswichs Leistung in Wiesbaden in seine Überlegungen einfließt: „Janis hat heute gut gespielt. Aber Mark hätte das genauso getan. Ich bin mit beiden Torhütern sehr zufrieden. Wir werden den Torhüter aber nicht jede Woche wechseln. Wichtig ist, den Torhütern ein Umfeld zu geben, in dem sie mit maximalem Vertrauen arbeiten können.“

Modell wie bei Xabi Alonso?

Fest steht bislang nur, dass es eine klare Nummer eins geben soll. Eine weitere Möglichkeit wäre auch das Xabi-Alonso-Modell: Ein Liga-Torwart und einen Torwart für die Pokalwettbewerbe. Leverkusens Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes gibt sich derweil gelassen: „Wir haben zwei sehr gute Torhüter. Dass Mark ein wichtiger Torhüter ist, ist ohne Frage. Janis hat es im Pokal sehr gut gemacht. So, wie ich Janis und Mark erlebe, sind beide sehr, sehr ruhig und klar. Ich glaube, dass der Trainer mit ihnen entsprechend kommuniziert.“

Noch ist die Rollenverteilung nicht bekannt. Martínez hält sich bedeckt, Rolfes gibt sich gelassen, und Blaswich hat im Pokal ein Argument für sich geliefert. Die Torwartfrage bei Bayer 04 ist damit nicht gelöst, sondern vertagt. Ein Luxusproblem – aber eines, das schnell zur Belastung werden kann, wenn es zu lange ungelöst bleibt.