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Schon wieder verletztBayer 04 hadert mit dem Rätsel Eliesse Ben Seghir

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Eliesse Ben Seghir im Testspiel gegen Fortuna Köln Anfang Oktober.

Eliesse Ben Seghir fällt bei Bayer 04 erneut verletzt aus – bereits zum vierten Mal seit seinem Wechsel im Sommer 2025.

Bei Eliesse Ben Seghir fällt einem direkt Giovanni Trapattoni ein. In seiner legendären Wutrede 1998 als Bayern-Trainer sagte der sonst so besonnene Italiener: „Struuunz! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer verletzt. Was erlaube' Strunz?“ Nun hat Ben Seghir im Gegensatz zu Thomas Strunz nicht öffentlich gemeckert, sich also auch nichts „erlaubt“. Immer verletzt ist er hingegen schon. Jetzt bereits zum vierten Mal innerhalb von 14 Monaten.

Der Unterschied zu Strunz ist zudem: Ben Seghir ist erst 21 Jahre alt, und Bayer 04 überwies für ihn im Sommer 2025 rund 32 Millionen Euro an die AS Monaco. Die Ablöse war ein Vertrauensvorschuss auf seine Geschwindigkeit, enge Ballführung und Qualität im Dribbling. In Leverkusen war davon bisher allenfalls in kurzen Ausschnitten etwas zu sehen.

Sein Körper beendet die Fantasie von einem Megatalent regelmäßig, bevor sie richtig beginnt. In der vergangenen Saison setzte ihn zunächst eine Schambeinverletzung, dann eine Sprunggelenksverletzung monatelang außer Gefecht. In der Vorbereitung folgte eine Muskelverletzung im Oberschenkel. Gerade hatte er sich zurückgearbeitet: Im Test gegen Fortuna Köln kam er 19 Minuten zum Einsatz. Für Mainz reichte es schon wieder nicht. Der Klub sprach von einer kleinen Muskelverletzung.

Für die laufende Saison ist es bereits der zweite Rückschlag, seit dem Wechsel der vierte. Das ist keine statistische Kuriosität mehr, sondern eine sportliche Hypothek. Ein Trainer kann mit einem Spieler planen, der einmal verletzt ist. Bei einem Spieler, der immer wieder zurückgeführt werden muss, entstehen Zweifel an Rhythmus und Belastbarkeit.

Deutliche Worte von Carles Martínez

Carles Martínez äußerte sich nach dem 4:3 in Mainz zwar nicht wie Trapattoni, aber auch ungewöhnlich deutlich. „Wir untersuchen das und arbeiten daran, genau festzustellen, wie lange er ausfallen wird. Natürlich ist diese Nachricht schlecht“, sagte der Trainer. „Eliesse möchte spielen und der Mannschaft helfen. Er muss aber lernen, besser mit seinem Körper umzugehen und ihn zu managen. Wir sind nicht glücklich, weil jeder Spieler wichtig ist.“

Simon Rolfes versuchte, die Nachricht einzuordnen und zugleich zu begrenzen. „Er wird nicht lange ausfallen, das ist jetzt keine schwere Verletzung, aber trotzdem ist es natürlich ärgerlich, weil sich das bei ihm ein bisschen fortgesetzt hat. Wir hoffen, dass es die letzte Verletzung ist“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Das ist die hoffnungsvollste Lesart – und eine, die Bayer 04 inzwischen mehrfach bemüht hat.

Denn Ben Seghir fehlt nicht nur als Name auf dem Spielberichtsbogen. Er fehlt als Möglichkeit. Bayer könnte mit ihm womöglich das Spiel beschleunigen und Gegner im Eins-gegen-eins vor neue Aufgaben stellen. Eine Qualität, die nur sporadisch verfügbar ist, bleibt für einen Trainer jedoch eine Idee und kein verlässliches Werkzeug.

Die Rückkehr von Nathan Tella in Mainz war hingegen eine gute Nachricht. Auch der Engländer hatte im vergangenen Jahr mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Er kam nach Muskelproblemen zu ersten Minuten zurück.

Bayer 04 braucht Ben Seghir nicht als Versprechen, sondern als Spieler. Dafür muss der Marokkaner verfügbar werden – nicht einmal, sondern dauerhaft. Erst dann kann aus dem teuersten Rätsel im Leverkusener Kader wieder eine sportliche Antwort werden.