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Schick stellt Klubrekord einBayer 04 zeigt Klasse und kämpft gegen Passivität

4 min
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Wichtige Bayer-Protagonisten beim Sieg in Mainz: Patrik Schick (l.) und Robert Andrich.

Bayer 04 gewinnt in Mainz trotz schwankender Leistung mit 4:3 – Patrik Schick trifft im fünften Ligaspiel in Folge, Robert Andrich meldet sich zurück.

Patrik Schick ist derzeit die Lebensversicherung von Bayer 04 Leverkusen. Wenn die Mannschaft ins Schwimmen gerät, hält sich der Tscheche an das, was er am besten kann: Er lauert, erkennt den Moment und schießt ein Tor. In Mainz dauerte es neun Minuten, bis Schick den Ball nach einer schnellen Kombination im Strafraum unterbrachte. Es war sein fünfter Treffer im fünften Bundesligaspiel dieser Saison. Damit stellte der 30-Jährige den Klubrekord von Stefan Kießling und Dimitar Berbatov ein, die ebenfalls in den ersten fünf Ligapartien einer Spielzeit getroffen hatten.

Schick gab Bayer damit früh vermeintliche Sicherheit, die sich aber als trügerisch herausstellen sollte. Die Werkself gewann letztlich 4:3 und nahm die erfreuliche Erkenntnis mit, dass sie in der Bundesliga auch nach einem unruhigen Nachmittag zur Spitzengruppe gehört. Zehn Punkte nach fünf Spielen sind eine ordentliche Ausbeute. Sie kaschieren allerdings nicht, dass Bayer noch nicht jene Konstanz erreicht hat, die der neue Trainer Carles Martínez einfordert. „Ich weiß, dass nicht alles perfekt war“, sagte Martínez. „Wir dürfen nicht glauben, dass nach diesem Sieg alles gut ist. Es gibt viele Dinge zu verbessern – etwa den Umgang mit dem Spiel und mit unseren Emotionen.“

Der 4:3-Erfolg hatte zwei Gesichter. Bayer begann präzise, mutig und zielstrebig. Robert Andrich traf in der fünften Minute, Schick legte vier Minuten später nach. Die Offensive war beweglich, direkt und mit mehreren Spielern in den gefährlichen Räumen präsent.

Anthony Caci mit Doppelpack

Dann verlor Bayer den Zugriff. Zwischen der 25. und der 45. Minute wurde aus der kontrollierten Dominanz passive Verwaltungsarbeit. Mainz durfte flanken, zweite Bälle sammeln und den Strafraum belagern. „Wir waren irgendwie da und irgendwie auch nicht“, beschrieb Andrich die Phase treffend. Anthony Caci verkürzte nach einer Ecke, später glich er noch vor der Pause aus. Aus der Zwei-Tore-Führung war ein 2:2 geworden, aus dem souveränen Beginn ein offenes Spiel. „Wann läuft denn immer alles rund? Der Gegner spielt ja auch mit und will ebenfalls, dass es nicht rundläuft“, sagte Sportchef Simon Rolfes. Das stimmt als Einwand – es entbindet Bayer aber nicht von der Pflicht, solche Phasen schneller zu beenden.

Dass Bayer diese Schwäche noch mit sich trägt, zeigte sich bereits in Augsburg. Damals verlor Leverkusen binnen weniger Minuten die Kontrolle und zwei Punkte. In Mainz blieb es bei einem Warnsignal, weil die Mannschaft nach der Pause entschlossener auftrat. Der Entwicklungsschritt muss darin bestehen, solche Einbrüche nicht mehr hinzunehmen. Eine Mannschaft, die nach oben will, darf dem Gegner nicht regelmäßig die Einladung geben, an die eigene Stärke zu glauben.

Das gilt besonders für Standardsituationen. Beim 1:2 verteidigte Bayer eine Ecke nicht konsequent genug. Der Ball flog in eine Zone, in der mehrere Mainzer mit Tempo einliefen, und Caci kam zu frei zum Kopfball. Die gute Nachricht liegt in der Reaktion. Nach der Pause fand Leverkusen wieder Zugriff, ließ den Ball sauberer laufen und hielt Mainz zunächst vom eigenen Tor fern. Jarell Quansah staubte zum 3:2 ab, Moussa Diaby erhöhte nach einer schnellen Kombination.

In diesen Minuten zeigte Bayer seine Qualität: Tempo, technische Präzision und die Fähigkeit, einen Gegner mit wenigen Aktionen auseinanderzuziehen. Mainz verkürzte in der Nachspielzeit noch einmal, doch die Werkself brachte den Vorsprung über die Zeit. Allerdings gab es nachher einige Diskussionen über die Entstehung des wichtigen 3:2. Vor Quansahs Treffers war der Ball an Schicks Hand geprallt. Der VAR ließ die Aktion nach Prüfung durchgehen. Die Mainzer regten sich auf, Leverkusen nahm die Entscheidung dankend an. Die Handspielauslegung bleibt ein Mysterium in dieser Bundesliga.

Für einen Leverkusener war diese Partie besonders wichtig: Andrich nutzte seine Gelegenheit. Der Mittelfeldspieler, dem im Sommer ein Wechsel nahegelegt worden war, war nicht bloß Torschütze, sondern ein Faktor in einer Partie, die Robustheit und Klarheit im Zentrum verlangte. Andrich ist jetzt natürlich kein unumstrittener Stammspieler. Er hat sich aber wieder als wertvolle Alternative für den bisher überzeugenden Equi Fernández ins Gespräch gebracht. In einem Herbst mit neun Pflichtspielen in 29 Tagen ist das für Bayer mehr als eine Randnotiz. Ein Kader braucht Spieler, die ihren Status verändern können, wenn sich eine Tür öffnet.

Die nächste Tür öffnet sich am Donnerstag. In der Europa League wartet bei Lech Posen die zweite internationale Aufgabe der Saison, Anstoß ist um 18.45 Uhr (RTL+). Am Sonntag folgt um 15.30 Uhr das Liga-Heimspiel gegen den SC Freiburg. Zwei Partien, die Bayer fordern werden. Schick wird seine Serie verlängern wollen. Martínez muss dafür sorgen, dass seine Mannschaft nicht nur in den guten Phasen wie ein Spitzenteam spielt. Sie muss klar bleiben, wenn der Gegner das Spiel an sich reißt.

Der Sieg in Mainz war wertvoll, gerade weil er nicht makellos war. Bayer hat gezeigt, dass die Offensive Spiele entscheiden kann und dass im Zentrum neue alte Optionen entstehen. Der nächste Schritt besteht darin, aus solchen Spielen weniger Achterbahn und mehr Linie zu machen.