Das Mammutprogramm nimmt Fahrt auf. Bayer 04 wird in den kommenden Wochen im Dreitagesrhythmus gefordert sein. Der Auftritt bei Lech Posen am Donnerstag (18.45 Uhr, RTL+) soll Trainer Carles Martínez zeigen, wie belastbar sein Kader wirklich ist.
Am Sonntag kommt der SC Freiburg als Tabellenführer in die Bay-Arena. Das Bundesliga-Duell ist für Bayer von großer Bedeutung – sportlich und als nächster Gradmesser in dieser dichten Folge. Deshalb wird Martínez in Posen voraussichtlich stärker rotieren. Nicht, weil die Europa League weniger wichtig wäre, sondern weil Bayer beide Spiele und die folgenden Aufgaben nur bestehen kann, wenn mehr als elf Spieler bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Simon Rolfes versteht die Rotation nicht als Notlösung, sondern als Konsequenz der Kaderplanung. „Wir haben versucht, den Kader auch für viele englische Wochen zusammenzustellen – auch von der Qualität her, sodass jeder Einzelne mit Selbstvertrauen und Rückendeckung spielen kann, aber natürlich auch mit Ehrgeiz und Ambition, ein Topspiel zu machen.“ Für Loïc Badé, Lucas Vázquez, Malik Tillman, Martin Terrier und Nathan Tella beginnt in Posen der Kampf um mehr Einsatzzeit. Keiner von ihnen ist als sicherer Starter bestätigt. Für alle aber ist die Gelegenheit greifbar.
Rolfes lobt Tella und Terrier
Besonders gilt das für Terrier und Tella. Terrier zeigte nach seiner Einwechslung in Mainz sofort Wirkung. „Er ist ein unglaublich intelligenter Spieler, torgefährlich mit einem Kontakt, findet immer wieder gut die Räume. Nach der Einwechslung war er sehr präsent und hatte viele Ballkontakte. Er ist ein total variabler Spieler, einfach ein richtig guter Fußballer, der viel mit seinen Mitspielern verbindet“, sagt Rolfes. Tella bringt eine andere Qualität ein: „Fußballerisch natürlich Geschwindigkeit, diese tiefen Läufe hinter die Kette, was eine Mannschaft immer braucht. Er arbeitet für die Mannschaft, ist totaler Mannschaftsspieler – auch in der Kabine und außerhalb des Platzes. Er ist ein sehr positiver Typ für die Kabine.“ Beide müssen die gesetzten Kräfte nicht ersetzen. Sie müssen zeigen, dass Bayer mit ihnen Ordnung und Intensität bewahren kann.
Lech ist dafür kein freundlicher Prüfungsraum. Der polnische Meister verlor sein erstes Europa-League-Spiel bei Crystal Palace mit 0:4, hat sich davon in der Liga jedoch nicht beeindrucken lassen. Nach neun Spieltagen steht Lech mit 22 Punkten auf einem geteilten Platz zwei der Ekstraklasa. Sieben Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage stehen zu Buche, am Wochenende gewann die Mannschaft 4:1. International ein Fehlstart, national ein Gegner mit Selbstvertrauen, Heimvorteil und einem Publikum, das diesen Abend als große Gelegenheit begreifen wird.
Bayers Auftakt in die Europa League war beim 2:0 gegen NK Celje erfolgreich, aber nicht makellos. Zeitweise fehlten Tempo, Zugriff und Sauberkeit im Ballbesitz. Robert Andrich sagte damals: „Damit haben wir uns heute nicht mit Ruhm bekleckert, aber unterm Strich stehen die drei Punkte.“ Martínez muss in Posen ähnlich abwägen: rotieren, ohne die Statik aufzulösen. Bayer kommt mit dem 4:3 bei Mainz im Rücken, wo die Mannschaft nach einer starken Anfangsphase zwischen der 25. und 45. Minute den Zugriff verlor. Die Offensive kann viel auffangen, passive Phasen bleiben jedoch riskant.
Die Bewährungsprobe endet nicht in Posen. „Wenn ich über Energie spreche, meine ich vielleicht unterschiedliche Spielerprofile: Spieler, die zuletzt nicht so viel gespielt haben, und andere, bei denen ich dieses Gefühl hatte“, sagte Martínez vor einigen Wochen. Wer am Donnerstag überzeugt, empfiehlt sich nicht nur für die nächste Partie, sondern für die gesamte Phase mit Europa League, Bundesliga und Pokal.
Lech ist damit die erste Bühne, auf der sich Bayers Herausforderer bewähren müssen. Bayer verfügt über die größere individuelle Qualität und internationale Erfahrung. Doch diese Vorteile müssen sichtbar werden – mit einer veränderten Mannschaft in Posen ebenso wie drei Tage später gegen Freiburg. Nur wenn die Herausforderer ihre Chance nutzen, kann Bayer das Mammutprogramm erfolgreich bewältigen.


