Leverkusen trifft in Europa und Bundesliga auf einen formstarken Tabellenzweiten und einen Spitzenreiter – Lech Posen und den SC Freiburg.
Duelle mit zwei TopteamsWoche der Bewährung für Bayer 04

Engagiert am Spielfeldrand: Leverkusens Trainer Carles Martínez beim Spiel in Mainz.
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Bayer 04 hat den drohenden Fehlstart abgewendet. Die Siege gegen Leipzig und in Mainz verschaffen den Leverkusenern eine gute Basis. Ausruhen kann sich Bayer darauf jedoch keineswegs: Die Werkself steht vor einer Woche, in der ihr zwei Gegner mit viel Rückenwind begegnen werden: Lech Posen ist Zweiter in Polen, der SC Freiburg reist als Tabellenführer nach Leverkusen. Beide Mannschaften wissen gerade sehr genau, wie sich Erfolg anfühlt. Bayer auch, die Mannschaft muss nun herausfinden, ob die aktuelle Verfassung in den direkten Duellen gegen vor Selbstvertrauen strotzende Gegner reichen wird.
Das 4:3 in Mainz war dafür ein aufschlussreicher Auftakt. Bayer führte früh 2:0, verlor zwischen der 25. und der 45. Minute den Zugriff, ließ Mainz flanken und zweite Bälle sammeln und musste den Ausgleich hinnehmen. Erst nach der Pause fand Leverkusen zurück in die Partie. Gegen Lech und Freiburg wird sich zeigen, ob sich Bayer solche passiven Phasen erlauben kann.
Carles Martínez hat die passende Warnung nach dem Sieg gleich selbst ausgesprochen: „Wir dürfen nicht glauben, dass nach diesem Sieg alles gut ist. Es gibt viele Dinge zu verbessern – etwa den Umgang mit dem Spiel und mit unseren Emotionen.“ Der Trainer klang nicht wie jemand, der sich von der Tabelle beruhigen lässt. Zehn Punkte geben Bayer eine gute Ausgangslage. Sie sind aber kein Beleg dafür, dass die Mannschaft schon über 90 Minuten überzeugt.
Lech Posen ist Zweiter in der Ekstraklasa
Lech Posen wird die gewünschte Kontrolle herausfordern. Der polnische Meister steht nach neun Spieltagen mit 22 Punkten auf Platz zwei der Ekstraklasa. Sieben Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage stehen zu Buche. Beim 4:1 am Wochenende zeigte Lech gegen Breslau die Selbstverständlichkeit einer Mannschaft, die regelmäßig gewinnt: Sie hält Druck aus, bleibt gefährlich und braucht nicht viele Gelegenheiten.
Für Bayer ist die Partie am Donnerstag mehr als die nächste Station im europäischen Kalender. Sie ist ein Test gegen einen Gegner, der in seinem nationalen Wettbewerb eine klare Richtung kennt. Leverkusen hat in Mainz erfahren, wie schnell eine Partie kippen kann, wenn die Intensität nachlässt. In Posen wird die Werkself nicht darauf vertrauen können, dass die Offensive jede Unordnung einfängt. Schick hat zwar in jedem der ersten fünf Bundesligaspiele getroffen und damit den Klubrekord von Stefan Kießling und Dimitar Berbatov eingestellt. Doch auch die Lebensversicherung braucht eine Mannschaft, die sie nicht ständig in Notlagen bringt.
Simon Rolfes hatte nach dem Spiel in Mainz den Einwand parat, dass im Fußball nicht immer alles rundlaufen könne. „Der Gegner spielt schließlich auch mit und will ebenfalls, dass es nicht rundläuft“, sagte der Sport-Geschäftsführer. Das ist richtig. Zur Entwicklung gehört trotzdem, schwierige Phasen schneller zu beenden. Bayer darf dem Gegner Raum für Selbstvertrauen geben – nicht jedoch das Gefühl, er könne das Spiel an sich reißen.
Am Sonntag wird die Aufgabe noch größer. Der SC Freiburg kommt als Tabellenführer nach Leverkusen. 13 Punkte und ein Torverhältnis von 14:4 stehen nach fünf Spieltagen zu Buche. Gegen Schalke gewann Freiburg trotz langer Unterzahl am Ende mit 2:1. Das war kein Zufallssieg, sondern ein Beleg für eine Mannschaft, die an sich glaubt und auch unter erschwerten Bedingungen handlungsfähig bleibt.
Freiburg ist kein Gegner, der Bayer die Kontrolle schenken wird. Der Sport-Club verteidigt organisiert und hat zuletzt bewiesen, dass er Spiele trotz Widerstands gewinnen kann.
„Ich liebe den Wettbewerb“, hatte Martínez vor dem Spiel in Mainz gesagt. „Ich freue mich sehr darauf, diese Phase mit Pflichtspielen zu beginnen. Das ist es, was wir wirklich mögen.“ Nun bekommt der Trainer jene Phase, in der sich Anspruch und Wirklichkeit begegnen. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Leverkusen gute Fußballmomente erzeugen kann. Das hat die Mannschaft in Mainz gezeigt. Entscheidend ist, ob sie den Gegnern weniger Momente schenkt, in denen diese selbst ins Spiel finden. Es geht um wachsende Stabilität.
Der Spielplan gibt Martínez dafür zwei anspruchsvolle Bühnen: Donnerstag, 18.45 Uhr (RTL+), Europa League bei Lech Posen; Sonntag, 15.30 Uhr, Bundesliga gegen den SC Freiburg. Nach dieser Woche wird sich genauer sagen lassen, wie weit Bayer in seiner Entwicklung tatsächlich ist.

