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„Wird Bewegung im Kader geben“So plant Rolfes den Neustart bei Bayer 04

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Gehen wohl getrennte Wege: Bayers Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes (r.) und Trainer Kasper Hjulmand.

Leverkusen spielt in der Europa League. Kasper Hjulmand steht vor dem Aus, Simon Rolfes sucht einen neuen Trainer – und kündigt Umbauten am Kader an.

Kurz nach Abpfiff am späten Samstagnachmittag gingen Fernando Carro und Simon Rolfes gemeinsam mit strammen Schritten durch die Gänge in der Bay-Arena. Ihr Ziel: die Kabine von Bayer 04. Mehrere Minuten dauerte die Ansprache von Rolfes an die Leverkusener Mannschaft, die nach dem 1:1 gegen den Hamburger SV zum Abschluss der Bundesliga-Saison in der kommenden Spielzeit als Tabellensechster in der Europa League und nicht in der Champions League antreten wird – und das Saisonziel somit verpasst hat.

Als Rolfes die Kabine mit deutlich vernehmbarem Applaus wieder verließ, fasste er seine Ansprache gegenüber den Journalisten zusammen. „Wir sind enttäuscht, dass wir die Champions League nicht erreicht haben. Wir haben es teilweise zu einfach abgegeben“, betonte der Sport-Geschäftsführer. „Wir müssen als Team wachsen und uns verbessern – jeder Einzelne, auch im Verhalten. Das wird die Aufgabe für das nächste Jahr sein. Die Mannschaft muss die Vorbereitung nutzen, um eine andere Power, eine andere Stärke als Team zu entwickeln.“

Der Frage, ob Kasper Hjulmand diesen Prozess als Trainer begleiten wird, wich Rolfes aus, ließ aber zugleich jede Rückendeckung für den Dänen vermissen. „Kasper hat einen Vertrag. Ich müsste etwas verkünden, wenn es etwas anderes gäbe. Wir wollen in möglichst vielen Sachen so schnell wie möglich Klarheit haben“, betonte er. Nach Informationen dieser Redaktion ist die Entscheidung intern längst gefallen: Ein neuer Trainer soll die Entwicklung der Mannschaft ab der Vorbereitung auf die kommende Saison vorantreiben. Die Liste der Wunschtrainer ist kurz. Als aussichtsreichste Kandidaten gelten weiterhin Filipe Luís (zuvor bei Flamengo Rio de Janeiro) und Oliver Glasner (Crystal Palace).

Fortsetzung mit Hjulmand doch möglich?

Mit einer Entscheidung wird zeitnah gerechnet, voraussichtlich aber noch nicht in der kommenden Woche. Sollte keiner der Wunschkandidaten unterschreiben, ist allerdings auch eine Fortsetzung mit Hjulmand, der noch Vertrag bis 2027 hat, nicht völlig ausgeschlossen. Die Trainerentscheidung ist für Rolfes von enormer Bedeutung, lag er doch im vergangenen Sommer mit der Verpflichtung von Erik ten Hag, der nach nur zwei Spielen und zahlreichen internen Verfehlungen gehen musste, falsch.

Die Verpflichtung von Hjulmand war für die schwierige Situation im vergangenen September dann genau richtig. Der ehemalige dänische Nationalcoach stabilisierte das Team, führte es ins Achtelfinale der Champions League und ins Halbfinale des DFB-Pokals. Eine klare Handschrift von Hjulmand war 2026 kaum zu erkennen, zudem stockte die Entwicklung der Mannschaft. Hjulmand forderte auch zu selten Körpersprache und Arbeitseinstellung ein. Er selbst wollte sich zu seiner möglichen Ablösung nicht äußern. „Ich habe einen Vertrag für die nächste Saison. Ich bin darauf fokussiert, und so ist das“, sagte der Coach und wünschte den Journalisten im Presseraum „einen schönen Sommer“.

Hjulmand hatte nach dem Ende der Spielzeit immerhin noch einen öffentlichen Fürsprecher. „Ich kann nur von meiner eigenen Verbindung zum Trainer sprechen: Ich komme super mit ihm klar, bin zufrieden mit ihm und würde gerne mit ihm weitermachen“, sagte Torhüter Mark Flekken. „Ich bin mir sicher, wenn er die Zeit bekommt, eine Sommervorbereitung mit dieser Truppe zu arbeiten, geht das auch vorwärts. Der Trainer ist hier in eine Situation reingekommen, die schwierig war. Er ist nicht der Verantwortliche für die Energie, die wir Spieler auf den Platz legen. Das müssen wir selber machen. Falls die Verantwortlichen sich aber für etwas Neues entscheiden, ziehen wir da auch mit.“

Rolfes kündigte an, den Sommer auch für Umbauten am Kader zu nutzen. Die großen Transfers beim Umbruch 2025 schlugen nicht ein. Malik Tillman, Loic Badé, Equi Fernández und Eliesse Ben Seghir wurden alle für jeweils mehr als 25 Millionen Euro verpflichtet, nahmen aber nicht die tragenden Rollen ein, für die sie vorgesehen waren. „Wir haben eine sehr junge Truppe mit vielen Talenten, die lernen müssen, das über eine ganze Saison konstant aufzubringen. Wenn du jemanden wie Granit Xhaka hast, der bringt das jeden Tag auf den Platz und zieht andere mit sich“, betonte Flekken. „Solche Typen zu haben ist gut, ist aber kein Muss – weil ich der Meinung bin, dass es auch in dieser Mannschaft drinsteckt. Nur müssen wir es jeden Tag vom Kopf her auf den Platz legen wollen. Und daran hat es manchmal gefehlt.“

Rolfes will mit Kaderplaner Kim Falkenberg und dem Trainerteam nun detailliert analysieren, woran es in der abgelaufenen Saison gehapert hat und was daraus für sein Handeln auf dem Transfermarkt folgt. „Im Sommer wird es Bewegung im Kader geben. Wir müssen schauen, dass Spieler in ihre Rollen reinwachsen. Und wir müssen die Ecksäulen der Mannschaft schneller klar haben“, sagte Rolfes. „Vorangehende Typen – das heißt ja gar nicht vom Alter her vorangehende Typen, sondern ehrgeizige Typen, die alles rausholen und sich nicht zurücknehmen. Du musst dagegenhalten, du musst nach vorne pushen. Die schwierigen Momente gibt es immer in einer Saison.“

Dass die Teilnahme an der Europa League gegenüber der Königsklasse rund 20 Millionen Euro weniger einbringen soll, wollte Rolfes so nicht stehen lassen. „Wenn du in der Europa League sehr weit kommst, hast du auch dort gute Einnahmen“, betonte er. „Aber natürlich steht das Sportliche im Vordergrund. Wir müssen die Europa League nutzen, um den gesamten Kader zu entwickeln. Das haben wir auch vor zwei Jahren so gemacht – viele Spieler haben über die Europa League ihre Qualität gewonnen und sind zu richtig guten Spielern geworden. Das müssen wir wieder schaffen, so ärgerlich es ist. Wir wollen alle lieber Champions League spielen. Aber wir müssen jetzt die Europa League nutzen, um als gesamter Kader einen Entwicklungsschritt nach vorne zu machen.“ Mit verändertem Kader und nach Wunsch mit einem neuen Trainer.