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„Müssen uns Sorgen machen“Bayer 04 sucht den Kampfgeist fürs Derby

Nach dem 0:1 gegen Marseille kritisiert Andrich seinen Kollegen García für seine Einstellung, die Mannschaft wirkt verunsichert – im Derby beim 1. FC Köln soll die Wende gelingen.

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Die Leverkusener Fans fordern nach dem Spiel von den Spielern den Derbysieg gegen den 1. FC Köln 05.11.2026, Fussball Europa League 2026/2027, 4. Spieltag, Bayer 04 Leverkusen - Olympique Marseille 0:1 UEFA regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video Leverkusen BayArena Nordrhein Westfalen Deutschland *** After the game, Leverkusen fans are calling on the players to secure a derby victory against 1. FC Köln on November 5, 2026, in the 20262027 UEFA Europa League, Matchday 4, Bayer 04 Leverkusen vs. Olympique Marseille 01. UEFA regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video. Leverkusen BayArena, North Rhine-Westphalia, Germany Team2

Die Leverkusener Fans fordern nach dem 0:1 gegen Olympique Marseille von den Spielern den Derbysieg gegen den 1. FC Köln.

Robert Andrich sprach am späten Donnerstagabend aus, was in diesen Tagen rund um die BayArena viele denken. „Ich glaube schon, dass wir uns Sorgen machen müssen“, sagte er nach dem 0:1 gegen Olympique Marseille am RTL-Mikrofon. „Das ist überhaupt nicht unser Anspruch. Wenn wir darauf schauen, dass wir mal toll gespielt haben – damit gewinnst du gar nichts.“

Es war die erste Niederlage von Bayer 04 in der Europa League, aber die dritte in vier Pflichtspielen. Nun wartet am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) das Duell beim 1. FC Köln. „Jetzt musst du ins Derby rein“, sagte Andrich, „und da brennt es.“

Ein Abend ohne Strafraumszenen

Dabei war die Partie gegen Marseille lange eine, in der wenig passierte. „Es war heute ein Spiel, das sich hauptsächlich im Mittelfeld abgespielt hat“, sagte Torhüter Mark Flekken. „Sehr viele Aktionen in der Box gab es auf beiden Seiten nicht.“ Zur Pause stand es 0:0. Bayer begann ohne Energie, fand nach etwa 15 Minuten besser ins Spiel und ließ weniger Umschaltmomente zu als zuletzt. Dafür entstand auch vorne zu wenig.

Flekken räumte ein, die Mannschaft habe „zu viele Räume weggegeben“. In der 77. Minute fiel die Entscheidung. Aleix García versuchte vergeblich, einen Pass abzufangen, und lief dem Konter anschließend nur im mäßigen Tempo hinterher. Amine Gouiri traf. Trainer Carles Martínez ordnete das Gegentor nüchtern ein: „Es war ein Eins-gegen-eins, keine Überlegenheit für sie. Aber Fußball ist manchmal so.“ Und: „Wir waren nicht gut genug.“

Andrich, García und die Frage des Ortes

Für Andrich war García der Anlass für Kritik, die er nicht für sich behielt. „Man kann Fehler machen, man kann auch einen Ball verlieren, und man kann auch einen Zweikampf verlieren“, sagte er. „Aber dann einfach stehen zu bleiben ist für mich eine Sache, die darf nie passieren.“ Er fügte hinzu: „Das hat ein Stück weit mit Einstellung zu tun.“ Dass Andrich selbst keinen überragenden Abend erwischt hatte, erwähnte er nicht.

Martínez versuchte am Freitag, die Debatte einzuhegen. Die Mannschaft habe darüber gesprochen, sagte er, „aber der Ort dafür ist nicht hier vor euch, sondern mit dem Team“. Direkt nach einem Spiel seien Emotionen ein schlechter Ratgeber: Nach Siegen sei man zu begeistert, nach Niederlagen sage man schnell, alles sei schlecht. „Nach einer Nacht Schlaf“ lasse sich vieles klarer analysieren. Von García erwarte er „die maximale Leistung, wie immer“. Und er erinnerte die Journalisten daran, dass García vor ein, zwei Wochen noch als einer der besten Spieler gelobt wurde. Schon am Donnerstag hatte er gesagt: „Es ist unmöglich, jeden Tag gut zu sein.“ Andrich und García hätten in der Mitte „gut gespielt“, befand Martínez.

Druck, Müdigkeit, Gegner

Dass die Stimmung angespannt ist, bestreitet niemand. „Jedes Mal nach drei Niederlagen ist bei uns Druck drauf“, sagte Flekken. „Wir müssen jetzt sehr schnell den Schalter finden.“ Sportchef Simon Rolfes forderte vor der Länderspielpause, „die Kräfte zu bündeln“. Martínez sprach von Müdigkeit: „Ich sehe, dass wir ein bisschen müde sind. Uns fehlte die Energie.“ Im Angriff fehlen auch am Sonntag mehrere Spieler: Moussa Diaby, Nathan Tella, Eliesse Ben Seghir und Martin Terrier. Hinzu kommt der Rhythmus aus Spielen alle zwei oder drei Tage. „Den Schalter umzulegen ist nicht leicht“, sagte Martínez, „aber so ist es nun einmal.“

Immerhin gibt es erste Signale der Entspannung. Loïc Badé, der nach einer Schädelprellung zuletzt fehlte, sei „bereit“, sagte Martínez sinngemäß. Christian Kofane, der wegen einer Muskelverletzung im linken Oberschenkel pausieren musste, trainiert wieder mit der Gruppe. Am Samstag wolle man „einen Schritt weiter gehen“ und versuchen, dass er im Mannschaftstraining dabei ist. Ob es für das Derby reicht, ließ der Trainer offen. Nathan Tella fehlt dagegen weiter mit muskulären Problemen, es ist bereits seine dritte Pause dieser Art in der Saison.

Die Fans haben ihre Erwartung klar formuliert. Nach dem Abpfiff hielt die Nordkurve ein Plakat hoch: „Holt den Derbysieg!“ Aus der Kurve kamen entsprechende Gesänge mit weniger freundlichen Grüßen über den Rhein. Martínez war erfreut darüber, dass er nach der Niederlage keinen Unmut gehört habe, sondern nur Zuspruch für den Sonntag. 5000 Bayer-Anhänger werden mit nach Müngersdorf kommen. „Wir werden sie spüren, und wir werden auch für sie kämpfen.“

Köln hat mit Said El Mala einen Offensivspieler, dessen Tempo Martínez respektiert. „Ich weiß, dass sie schnell sind“, sagte er. Seine Pläne verriet er nicht, er wolle nicht, dass FC-Coach René Wagner seinen Stift zückt und mitschreibt. Das Dilemma beschrieb er so: Bayer wolle weniger zulassen, ohne weniger Chancen zu erarbeiten. Gegen Marseille sei das nur halb gelungen. Flekken erwartet ohnehin vor allem eines: „Das wird ein hitziges Spiel.“

Die Haltung entscheidet

Es werde ein Spiel, sagte Martínez, in dem es „nicht nur um Taktik“ gehe, sondern darum, „wie man mit Emotionen umgeht“. Seine eigene Aufgabe sei klar: der Mannschaft zu vermitteln, dass sie gut ist. „Wir müssen unseren Kopf freibekommen. Wir müssen mental stärker werden. Wir müssen den Negativtrend durchbrechen, und wir müssen daran glauben.“ Am Sonntag wird sich zeigen, ob Bayer die Haltung findet, die sie gegen Marseille vermissen ließ.