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Bundesliga-KolumneCaptain Kalle: Abgehoben im Paralleluniversum

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Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge während des Spiels bei Hertha BSC (1:0). Da ahnte er noch nicht, was für „Flug-Drama" sich noch anbahnen sollte.

Bevor wir auf den sportlichen Teil dieses 20. Spieltags eingehen, müssen wir uns mit dem FC Bayern beschäftigen, der in der Bundesliga keine Probleme und sieben Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Leipzig hat. Denn die lächerlichsten und entrücktesten Aussagen am Wochenende lieferte „Captain Kalle“, Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Er ging verbal in die Luft.

Nach dem 1:0-Sieg bei Hertha BSC machten sich die Bayern auf dem Weg zur Klub-WM nach Doha. „#FinalMissi6n“, so lautet der krude Hashtag des Klubs bei Twitter. Dechiffriert: Die Bayern wollen den sechsten Titel innerhalb eines Jahres – auch wenn  der von fragwürdigem Wert ist. Und begeben sich dafür  auf eine heldenhafte, selbstlose Mission. Und zwar in einen Wüstenstaat, in dem zwar die Menschenrechte kaum was zählen, in dem aber das Öl fließt. Doch der BER, dieser  gemeine, viel zu spät auf die Welt gekommene und zu  teure Flughafen in der brandenburgischen Provinz, er durchkreuzte alle Pläne der edlen Ritter in kurzen Hosen. Denn er verweigerte dem Flieger mit der  Mannschaft an Bord die Starterlaubnis, da er den Slot um drei Minuten verpasst hatte und  somit das Nachflugverbot griff. Deshalb hob er erst am frühen Samstagmorgen mit  siebenstündiger Verspätung  ab.

„Wissen nicht, was sie unserer Mannschaft angetan haben"

„Captain Kalle“ funkte darauf SOS und witterte nichts Geringeres als  eine Verschwörung gegen seine Bayern. „Wir fühlen uns von den zuständigen Stellen bei der brandenburgischen Politik total verarscht. Die Verantwortlichen wissen gar nicht, was sie unserer Mannschaft damit angetan haben“, zischte   dieser nach dem ganzen Horror mit Top-Verpflegung, eigenem TV und Beinfreiheit in der Luxusklasse. Und legte  nach. In Brandenburg gäbe es Menschen, die die Bayern vor Abflügen immer wieder bewusst piesacken würden.  Ein Gerücht ist indes, dass  zur besseren Durchblutung im Kopf  folgende Aussage im Flieger zu vernehmen war: „Sollte der Druck in der Kabine sinken, fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke.“ Die müsste man indes fest auf Mund und Nase platzieren und nicht nur auf halbmast tragen wie Rummenigge auf der Tribüne.

War Rummenigge der einzige, der sich derart echauffierte?

Leider nein. Auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Präsident Herbert Hainer lederten los, Hoeneß sprach von „einem Skandal ohne Ende“. Ein Skandal ist wohl eher, wie sich die Bayern inmitten einer weltweiten Krise aufführten. Sie profitieren ohnehin schon von Ausnahme-Regeln, können nahezu ungehindert ihrem Beruf nachgehen und glauben dennoch, sich über bestehenden Regeln und Gesetze hinwegsetzen zu können. 

Hatte nicht DFL-Chef Christian Seifert jüngst von einer neuen Bescheidenheit des Profi-Fußballs in Zeiten der Pandemie gesprochen und „Demut und Respekt“ von allen eingefordert?

Ja, doch Demut ist für Rummenigge und Co. offenbar ein Fremdwort. Abgehoben im Paralleluniversum trifft es besser.Kraftausdrücke waren auch aus Dortmund zu vernehmen. Ursache war allerdings ein wiederholt schwacher Auftritt der Mannschaft, die die hohen Erwartungen nicht erfüllen kann.„Wie soll es mir oder uns gehen? Scheiße natürlich“, klagte Marco Reus nach Dortmunds 1:2-Pleite in Freiburg, der achten in der Saison. 16 Punkte Rückstand hat der BVB auf Bayern. Aber auf den sollte er auch gar nicht mehr schauen, der Tabellensechste droht die Königsklasse zu verpassen. „Das Ziel Champions League ist natürlich in Gefahr“, sagte Abwehrchef Mats Hummels.

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Diskutiert wird in Dortmund wieder um die Mentalität und den Charakter der Mannschaft. Und erneut geht es auch um den Trainer. Denn Favre-Nachfolger Edin Terzic konnte das Team nicht stabilisieren. Im Gegenteil: Unter dem im Senioren-Fußball unerfahrenen 38-jährigen Coach wirkt alles noch hilfloser. Längst wird über Gladbachs Marco Rose als Nachfolger spekuliert. Rose reagiert zunehmend genervt, beruhigt die Spekulationen aber auch nicht, weil er nicht klar dementiert und sich auch nicht deutlich bekennt.

Die Sorgen des BVB sind groß, doch die Schalker würden wohl nur allzu gerne mit dem Erzrivalen tauschen. Langsam heißt es Abschied nehmen von einem der größten Klubs der Liga.

Nach dem 0:3 gegen Leipzig sind die Königsblauen kaum noch zu retten. Mit nur acht Punkten sind sie klar auf Abstiegskurs. Und dies trotz der Winter-Transfers von Kolasinac, Mustafi, Huntelaar und William. Die Schalker wirken fast schon verzweifelt, Trainer Christian Gross hat zwar im Gegensatz zum Kollegen Terzic eine Menge Erfahrung, wirkt aber überfordert. Zunehmend sind von allen Durchhalteparolen zu vernehmen. Doch vielmehr muss ein königsblaues Wunder her.