Noch elf Spieltage stehen in der Fußball-Bundesliga an. Den Aufreger am Wochenende hat der Gladbacher Stürmer Marcus Thuram geliefert.
Kolumne zum 23. SpieltagMarcus Thuram hat es wieder getan


Gladbachs Marcus Thuram (M.) steht nach seiner Schwalbe gegen Freiburg in der Kritik.
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Spieltag 23 der Fußball-Bundesliga ist im Kasten - und während es oben auf einen altbekannten Zweikampf um die Meisterschaft hinauszulaufen scheint, wird es im Keller mal so richtig kuschelig.
Für den Aufreger des Spieltags sorgt Marcus Thuram. Der Gladbacher ließ sich beim 0:0 gegen Freiburg zu einem theatralischen Faller im Strafraum hinreißen. Schiedsrichter Benjamin Brand fiel auf das - zugegeben sehr ansehnliche - Schauspiel herein, zeigte auf den Punkt. Der Videoschiedsrichter sorgte in diesem Fall aber für Gerechtigkeit, auch wenn Brand auf die fällige Gelbe Karte für den Franzosen verzichtete.
Die eigentliche Sanktion folgte aber nach dem Spiel: Die Schar der TV-Experten fiel über den Gladbacher Angreifer her und zerpflückte ihn nach allen Regeln der Kunst. „Das ist lächerlich auf diesem Niveau“, schimpfte Stefan Effenberg bei Sport1, „sogar die kleinen Kinder werden schon so erzogen, dass man das nicht machen darf.“
Und Sky-Dampfhammer Dietmar Hamann legte sogar noch einen drauf: „Für mich gehört er gesperrt. Für mich ist das eine Schande für den Fußball.“ So schlimm war es vielleicht dann doch nicht, allerdings: Thuram hat eine Vorgeschichte, sich den Ruf hart erarbeitet, aus jeder Situation den maximalen Vorteil für sich und seine Mannschaft zu ziehen. Die Schiedsrichter werden in den kommenden Wochen sicher nochmal verstärkt hinschauen - das hat sich Thuram redlich verdient.
Die Bayern haben ihren Erzrivalen zurück. Da ist er wieder: der deutsche Clásico. Der Kampf um die Deutsche Meisterschaft hat sich - aller Voraussicht nach - zu einem Duell verknappt. Der Rekordmeister und der Erzrivale aus dem Pott, Borussia Dortmund, sind punktgleich und der Konkurrenz um fünf Zähler enteilt. Waren die Dortmunder in den vergangenen Jahren meilenweit von den Münchenern entfernt, wirken sie 2023 stabil genug, um den Kampf um die Schale bis in den Mai spannend zu halten.
Was der FCB und der BVB an diesem Spieltag gemeinsam hatten, war die Kunst, aus der Titel gemacht sind: Sie spielten keineswegs glanzvoll, holten aber dennoch jeweils den wichtigen Dreier. Dortmund war gegen Leipzig am Freitag (2:1) eiskalt und die Bayern rangen durch individuelle Klasse die wacker kämpfenden Stuttgarter (2:1) nieder.
Spannung ist auch das Motto im Abstiegskampf. Wobei Spannung noch untertrieben ist, es läuft wohl auf heftigen Nervenkitzel hinaus. Die Teams von Rang 18 bis 15 (Bochum, Hoffenheim, Schalke, Stuttgart) sind elf Spieltage vor Saisonende punktgleich. Nur einen Punkt davor steht dann noch Hertha BSC. Ein Fünfkampf um den Verbleib in der Beletage des deutschen Fußballs.
Trotz aller Ausgeglichenheit im Tableau, gibt es bei den Kellerkindern aber große Unterschiede in der Form. Am deutlichsten wird die Diskrepanz bei Schalke und Hoffenheim. Das Team von Trainer Thomas Reis sammelte mit dem 2:0 in Bochum weiter Selbstvertrauen. Die beeindruckenden Zahlen der vergangenen Wochen: Zwei Siege in Folge, sechs ohne Niederlage. In sechs Spielen nur ein Gegentor.
Im Vergleich dazu ist die TSG völlig von der Rolle. Der bisher letzte Sieg gelang im Oktober - gegen Schalke. Seither gab es 13 Spiele ohne Sieg, davon elf Niederlagen. Auch Neu-Coach Pellegrino Matarazzo hat es nicht geschafft, die Kraichgauer wieder in die Spur zu bringen.
Also alle Augen auf den Pott? Exakt! Denn am kommenden Wochenende steigt der heiße Ruhrpott-Schlager zwischen Schalke und Dortmund. Mal schauen, wer sein Momentum behalten kann. Wie auch immer: Das Ergebnis wird Meisterschafts- und Abstiegskampf beeinflussen. Was will der Fußballfan denn mehr?

