Die WM 2026 wird die teuerste aller Zeiten. Während die Fifa Rekordgewinne erwartet, fürchten Verbände ein Minusgeschäft.
Sorge vor der Rekord-WMDFB-Chef warnt vor Verlustgeschäft für viele Verbände

Die FIFA um Präsident Infantino freut sich über eine üppige Einnahme. (Archivbild)
Copyright: Bradley Collyer/PA Wire/dpa
Die Weltmeisterschaft 2026 entwickelt sich zum kostspieligsten und zugleich ertragreichsten Ereignis in der Geschichte des Fußballs. Während die FIFA als Weltverband dank des vergrößerten Turniers auf Rekorderträge hofft, wächst bei zahlreichen nationalen Föderationen die Befürchtung, ein defizitäres Ergebnis zu erzielen.
„Auch wenn der Weltverband die Prämien nach Intervention der Föderationen angepasst hat, kann man schon heute absehen, dass es für eine europäische Nation, die nicht ins Halbfinale kommt, schwer wird, wirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben“, erklärte Andreas Rettig, Geschäftsführer des DFB, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Es geht um den WM-Pokal - aber auch um sehr viel Geld. (Archivbild)
Copyright: Christian Charisius/dpa
Neue Dimensionen in Sport und Wirtschaft
Die vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragene Weltmeisterschaft beschreitet mit 48 Mannschaften, 104 Partien und drei Gastgebernationen nicht nur aus sportlicher Sicht neue Pfade. „Die WM wird Rekorde aufstellen im Bereich Kommerzialisierung. Es wird, begünstigt durch die Vergrößerung des Turniers, so hohe Einnahmen wie noch nie geben, aber auch die Kosten werden auf ein Rekordniveau klettern“, äußerte der Sportökonom Professor Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule in Köln. „Sicher ist auch schon jetzt, dass in dieser Gemengelage die Fifa am besten abschneiden wird.“
Für das komplette WM-Jahr 2026 rechnet die FIFA mit Einkünften in Höhe von 8,911 Milliarden US-Dollar. Der Weltverband hebt hervor, dass er gleichzeitig Rekordsummen an die Teilnehmer auszahlt. Fifa-Präsident Gianni Infantino betonte Ende April, man sei „stolz darauf, sich in der finanziell stabilsten Position ihrer Geschichte zu befinden, was es uns ermöglicht, all unseren Mitgliedsverbänden auf beispiellose Weise zu helfen.“
Allerdings sehen sich die Verbände mit gestiegenen Kosten für Reisen, Personal, Unterbringung sowie aufgrund von steuerlichen Vorgaben konfrontiert. Rettig erachtete es als „wünschenswert, wenn die Fifa aus Fairnessgründen eine individualisierte Kostenerstattung für den jeweiligen Nationalverband bezogen auf die unterschiedlichen logistischen Herausforderungen vornehmen würde. Hier kann es zu großen wirtschaftlichen Unterschieden kommen.“

Sportökonom Breuer prognostiziert WM-Kosten auf Rekordniveau. (Archivbild)
Copyright: Fabian Strauch/dpa
Erhöhung der Preisgelder nach Protesten
Ungeachtet der organisatorischen und finanziellen Hilfe seitens der FIFA haben die Verbände weiterhin beträchtliche eigene Aufwendungen zu tragen. Der Weltverband reagierte auf Kritik mit einer Anhebung der Prämienausschüttungen. An die 48 teilnehmenden Mannschaften werden nun insgesamt 871 Millionen US-Dollar anstelle der früheren 727 Millionen US-Dollar ausgezahlt. Jeder Teilnehmer kann fest mit 10 Millionen US-Dollar Startgeld und 2,5 Millionen Dollar für Vorbereitungskosten planen.
„Die Verbände haben selbst einen großen Einfluss auf die Kostenstruktur, wenn es um die Wahl der Unterkünfte, die Reisemittel und Größen der Reisegruppen geht. Da sieht man einen deutlichen Unterschied zwischen den Mitgliedsverbänden aus reicheren und ärmeren Ländern“, sagte Breuer. Am stärksten werde es jene Nationen treffen, die mit großem Aufwand planen, jedoch frühzeitig ausscheiden. „Ein frühes WM-Aus durchkreuzt bei großen Nationen in der Regel die Finanzplanung“, so der Sportökonom.

DFB-Geschäftsführer Rettig weist auf die besonderen Herausforderungen in Finanzfragen hin. (Archivbild)
Copyright: Marcus Brandt/dpa
Steuerrecht als unkalkulierbarer Faktor
Für große Verbände kann die WM zu einem Zuschussgeschäft werden, wenn ein frühes Ausscheiden, hohe Spielerprämien, Steuerfragen und die Kosten in Nordamerika zusammentreffen. Hinzu kommt ein Wechselkursrisiko: Ein starker Dollar kann Hotels, Dienstleistungen oder Reisen zusätzlich verteuern.
„Diese WM 2026 mit erstmals drei Gastgeberländern bringt besondere Herausforderungen mit sich – dazu zählen insbesondere die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen der Bundesstaaten“, sagte Rettig. Im Gegensatz zu zahlreichen vorangegangenen Turnieren sehen sich die Teilnehmer einem komplizierten Gefüge aus Bundessteuern, Steuern der Einzelstaaten und teilweise abweichenden lokalen Vorschriften gegenüber. Den Verbänden könnten dadurch Beratungsaufwendungen in siebenstelliger Höhe entstehen.
Abhängig von der steuerlichen Behandlung von Prämien oder Werbeerträgen könnten auf Verbände und Spieler unterschiedliche Steuerverpflichtungen zukommen. Zwar versucht die Fifa bei Großturnieren regelmäßig, steuerliche Erleichterungen auszuhandeln, doch wegen des föderalen Systems in den USA gilt die Lage als deutlich komplizierter als etwa in Katar.
Finanzielle Vorteile für den Turniersieger
Für den neuen Weltmeister wird sich die WM nicht nur wegen des Fifa-Preisgeldes von 50 Millionen Dollar lohnen. „Erfolgreiche Nationen verdienen durch die Erfolgsprämien mit einer WM auch mehr Geld. Dazu gibt es einen Imagegewinn, der weitere ökonomische Erlöse zur Folge haben kann“, erklärte Breuer. Der DFB erhielt für den Titelgewinn im Jahr 2014 eine Summe von 35 Millionen Dollar. Durch das Vorrundenaus 2018 und 2022 gab es dagegen erhebliche Einbußen. Erfolge erleichtern zudem die Sponsorensuche.

Der WM-Titel 2014 machte dem DFB auch finanziell Freude. (Archivbild)
Copyright: Andreas Gebert/dpa
Bei aller Bedeutung für die Verbände sei das Kostenthema im Fußball nicht so gravierend wie in anderen Sportarten, sagte Breuer. „Es hat zumindest im Fußball noch nie eine Nation die WM-Teilnahme wegen zu hoher Kosten abgesagt.“ Gleichwohl sollten Turnierdauer und Entfernungen bei künftigen Vergaben stärker berücksichtigt werden. „Schließlich hat sich der Sport der finanziellen und der ökonomischen Nachhaltigkeit verpflichtet“, so der Breuer. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.