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Kommentar

Gastbeitrag von Haie-Legende Detlef Langemann
„Nach 25 Jahren ohne Meistertitel wird es langsam wieder Zeit“

4 min
COLOGNE, GERMANY - 20 SEPTEMBER, 2026: - The PENNY DEL Ice hockey, Eishockey match Koelner Haie vs. Loewen Frankfurt at LANXESS arena. PUBLICATIONxNOTxINxRUS Copyright: xVitaliixKliuievx

Blick in die Lanxess-Arena beim Spiel der Haie gegen Frankfurt

Der frühere Meisterspieler über den holprigen DEL-Start des KEC, zu viel Offensive, fehlende Kontrolle – und warum das Spiel gegen Berlin zur richtigen Zeit kommen könnte.

Nach den ersten beiden DEL-Spielen der Saison fällt es mir noch schwer, die Kölner Haie einzuschätzen. Sie haben acht Tore geschossen, aber auch elf bekommen und von sechs möglichen Punkten nur zwei geholt. Das ist zunächst einmal die Bilanz.

Was mir auffällt, ist das enorme Tempo, das gespielt wird. Das gilt nicht nur für die Haie. Wolfsburg und Frankfurt haben mich in dieser Hinsicht ebenfalls beeindruckt. Fünf Mann nach vorne, fünf Mann zurück. Das ist für die Zuschauer attraktiv und macht Spaß, aber ich frage mich schon, ob man so über eine ganze Saison erfolgreich spielen kann.

Bei den Haien kommt für mich hinzu, dass sie im Moment sehr offensiv spielen. Mir war das manchmal etwas zu viel. Wenn vorne nichts geht, muss man auch einmal kontrolliert spielen, den Puck halten und die eigene Abwehr stabilisieren. Man kann nicht ständig nur nach vorne stürmen. Gerade wenn man führt, muss es auch einmal darum gehen, das Mitteldrittel zuzumachen und dem Gegner das Tempo zu nehmen. Wenn der erst einmal ins eigene Drittel kommt, wird es gefährlich. Schießen können sie schließlich alle.

Beim Champions-League-Spiel gegen Frölunda, dem 5:2, war ich von den Haien schwer beeindruckt. Das war für mich eine Demonstration von hervorragendem Eishockey. Von diesem Auftritt war in den ersten beiden DEL-Spielen aber nicht mehr viel übrig. Vielleicht liegt es auch daran, dass man gegen einen starken Gegner automatisch besonders aufmerksam und konzentriert ist. Das kenne ich noch aus meiner eigenen Zeit. Gegen Spitzenmannschaften sieht man manchmal besser aus als gegen Gegner, bei denen man vielleicht unbewusst denkt: Das schaffen wir schon.

Ein bisschen Selbstkritik würde nicht schaden

Ich finde allerdings auch, dass man die eigene Leistung nüchtern beurteilen muss. Bei den Haien habe ich manchmal den Eindruck, dass in den eigenen Veröffentlichungen und Aussagen sehr viel sehr positiv dargestellt wird. Natürlich soll man die eigene Mannschaft nicht schlechtreden. Aber ein bisschen Kritik gehört dazu, wenn die Leistung nicht gut war.

Man darf natürlich nicht vergessen, dass die Haie einen neuen Trainer haben, neue Spieler und neue Ideen. Ein neues System muss sich erst einspielen. Deshalb würde ich jetzt auch nicht nervös werden. Wahrscheinlich wollen sie genau dieses schnelle, direkte Eishockey spielen und können es im Moment noch nicht über 60 Minuten so umsetzen, wie der Trainer es sich vorstellt. Trotzdem würde ich mir zwischendurch mehr Ruhe wünschen, einen Tempowechsel und etwas mehr Organisation im Spiel.

Berlin ist der richtige Gegner für die Haie

Am Freitag gegen die Eisbären Berlin wird es sehr interessant. Gegen den Meister braucht niemand zusätzlich motiviert zu werden. Da erwarte ich, dass die Konzentration von Anfang an da ist. Und vielleicht ist ein Gegner wie Berlin für die Haie im Moment genau der richtige.

Die Mannschaft hat Qualität, davon bin ich überzeugt. Wenn man Meister werden will – und das sollte in Köln schließlich immer das Ziel sein –, muss man eine gute Balance finden: Tempo und Angriffslust auf der einen, Kontrolle und defensive Sicherheit auf der anderen Seite. Und eines darf man in Köln inzwischen ruhig sagen: Nach bald 25 Jahren ohne Meistertitel wird es langsam wieder Zeit.


Detlef Langemann

KEC-Ikone Detlef Langemann

Der Autor: Detlef Langemann (79) ist eine Legende des Kölner Eishockeys. Der am 3. April 1947 in Köln geborene Stürmer debütierte 1963 in der Seniorenmannschaft des Kölner EK. Nach einer Saison bei Preußen Krefeld kehrte er zurück und gehörte 1972 zu den Initiatoren der Abspaltung der Eishockeyabteilung. Als Gründungsmitglied des Kölner EC führte Langemann die Haie 1977 als Kapitän zur ersten deutschen Meisterschaft; 1979 wurde er erneut Meister. In 15 Jahren für KEK und KEC erzielte er mehr als 300 Tore. Später arbeitete er als Nachwuchstrainer, kommentierte gelegentlich Haie-Spiele und blieb dem Klub eng verbunden. Seine Rückennummer 14 wird beim KEC nicht mehr vergeben; seit 2011 hängt sein Trikot unter dem Dach der Lanxess-Arena.