Die U-23-Regel steht immer wieder in der Kritik. Ein Blick auf Nachwuchszahlen, Eisflächen und die Erfahrungen der Kölner Haie zeigt jedoch, warum sie nötig ist.
Eishockey-NachwuchsförderungWarum die U-23-Regel nicht nur für die Kölner Haie wichtig ist

Einer der jungen Wilden der Kölner Haie: Verteidiger Carlos Händel
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In der Aufstellung der Kölner Haie werden am Freitag beim Saisonauftaktspiel gegen Wolfsburg (Lanxess-Arena, 19.30 Uhr) drei Profis stehen, die unter die sogenannte U-23-Regel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) fallen. Voraussichtlich werden es die Stürmer Kevin Niedenz (23) und Marco Münzenberger (21) sowie Verteidiger Carlos Händel (19) sein. Denn nur wenn drei der jungen Spieler dabei sind, darf eine DEL-Mannschaft 19 Feldspieler aufbieten.
Es ist klar, was damit bezweckt wird: Der einheimische Nachwuchs soll gefördert und auf ein solides Profiniveau gehoben werden, indem die Trainer verpflichtet sind, junge Spieler in ihre Mannschaften zu integrieren. So wird auch Geld gespart. Denn die jungen Profis spielen in der Regel für günstigere Gehälter als ausländische Profis, deren Zahl in der DEL auf elf pro Verein und neun pro Spiel und Mannschaft beschränkt ist.
Der ehemalige Nationalspieler und Haie-Profi Tino Boos, bei der DEL für Spielerentwicklung zuständig, erklärt den Hintergrund: „Wir haben in Deutschland in der Breite einfach zu wenige talentierte Spieler. Deshalb können wir es uns nicht leisten, Talente durchs Raster fallen zu lassen.“ Wichtig seien nicht nur die Einsatzzeiten in den Spielen, meint Boos: „Alle Talente, die wir haben, sollen eine realistische Chance bekommen. Es muss sich um sie gekümmert, mit ihnen trainiert und gearbeitet werden.“
Die Auflage wurde zur Saison 2019/20 zunächst mit zwei Förderplätzen eingeführt und später auf drei ausgeweitet. In der vergangenen Spielzeit wurde sie leicht gelockert: Einer der drei darf mit einem U-24-Spieler besetzt werden, falls er im Jahr zuvor schon im Team war.
Nur 2857 männliche Eishockey-Nachwuchsspieler in Deutschland
Einige Zahlen illustrieren, wo Eishockey-Deutschland im internationalen Nachwuchsvergleich steht. Während laut Weltverband IIHF hierzulande 2857 männliche Nachwuchsspieler zwischen U8 und U20 registriert sind, sind es in der Top-Eishockey-Nation Schweden, dem Heimatland von Haie-Trainer Thomas Berglund, 51.609 – und im Mutterland Kanada 61.993. Auch bei der Infrastruktur ist der Abstand beträchtlich: Deutschland verfügt über 256 Halleneisflächen, Schweden über 366, Kanada über rund 3500.
Seit es die U-23-Regel gibt, wird sie bemäkelt. Kritiker führen vor allem drei Dinge an: Es seien oft Alibi-Plätze, da U-23-Spieler nur zu geringer Eiszeit kämen. Der Markt für förderfähige Spieler werde künstlich aufgeheizt, und sobald die Altersgrenze überschritten sei, falle dieser Sonderstatus schlagartig weg – zu wenige schafften es danach, sich dauerhaft zu etablieren.
Wenig Eiszeit für die jungen Spieler?
Die Spielergewerkschaft SVE bemängelte 2022 in einer Auswertung, dass sich von den untersuchten U-23-Spielern der Jahrgänge 1995 bis 1998 nach Überschreiten der Altersgrenze 32 dauerhaft in der DEL gehalten hätten; etwa jeder Zweite sei aus der Liga verschwunden. Die damals erfassten U-23-Spieler kamen im Schnitt lediglich auf 9:19 Minuten Eiszeit pro Partie. Boos sieht es so: „Die U23-Regel ist nicht perfekt, auf keinen Fall. Ich bin aber absolut überzeugt, dass sie leider notwendig ist. Es ist auch noch niemandem etwas Besseres eingefallen.“
Außerdem kann man die Zahlen auch weniger negativ auslegen, nämlich so: Jeder Zweite schaffte es, in der Liga zu bleiben. Und mehr als neun Minuten Eiszeit sind für einen jungen Spieler nicht unbedingt wenig. Beim KEC gibt es einige positive Beispiele: So fand Stammverteidiger Jan Luca Sennhenn (25) über die Förderregel ins Profiteam. Genauso wie Niedenz, der in diesem Jahr ein U-24-Spieler ist, aber voraussichtlich später für die Haie weiterspielen wird.
Ex-Haie-Talente kommen bei anderen DEL-Klubs unter
Nach der Spielzeit 2025/26 verließen Verteidiger Maximilian Glötzl und Stürmer Robin van Calster, die die Altersgrenze überschritten hatten, zwar die Haie, immerhin fanden sie aber Engagements in der DEL – in Augsburg und Frankfurt.
Fast alle DEL-Klubs nutzen zudem Förderlizenzen und Kooperationen mit unterklassigen Vereinen, um jungen Spielern zusätzliche Eiszeiten zu verschaffen – die Haie mit Duisburg in der Oberliga und Düsseldorf in der DEL 2. Zum Einsatz kommen dort etwa Noah Münzenberger (21), Mateu Späth (19) oder Tobin Brandt (19), die mit den anderen Talenten um die Plätze bei den KEC-Profis konkurrieren. „Die U-23-Regel ist ein Mittel zum Zweck“, sagt Haie-Sportdirektor Matthias Baldys. „Unser Ziel sollte sein, dass wir es irgendwann auch ohne eine solche Regel schaffen, den Nachwuchs zu fördern.“
