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Fortuna gegen Viktoria im PokalfinaleWer ist Kölns Nummer zwei?

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Fortuna-Trainer Matthias Mink (l.) und Viktoria-Coach Marian Wilhelm vor dem Pokalfinale in Höhenberg

Fortuna-Trainer Matthias Mink (l.) und Viktoria-Coach Marian Wilhelm vor dem Pokalfinale in Höhenberg

Im Mittelrheinpokal-Finale duellieren sich der Südstadt-Klub und die Rechtsrheinischen im ausverkauften Höhenberger Sportpark.

In Höhenberg wird es am Samstag eine erste, vorläufige Antwort auf die Frage geben: Wer ist die Nummer zwei der Stadt? Hinter dem übermächtigen 1. FC Köln ringen der FC Viktoria und der SC Fortuna um den begehrten Status. Im mit über 8100 Fans fast ausverkauften Sportpark duellieren sich die Erzrivalen im Finale des Mittelrheinpokals (15.30 Uhr) um den Titel und die Qualifikation für den DFB-Pokal 2026/27. Es geht um Prestige und für die Vereine aus der zweiten Reihe vergleichsweise viel Geld – als Erstrundenprämie gibt es über 200.000 Euro.

Viktoria Köln ist ein etablierter Drittligist

In den vergangenen sieben Jahren hatte die Viktoria Platz zwei hinter dem FC aus rein sportlichen Gründen zementiert: Während sich die Rechtsrheinischen einen Namen als fußballerisch gereifter Ausbildungsverein in der Dritten Liga machen konnte, dümpelte die Fortuna nach dem Abstieg aus dem Profibereich in der Regionalliga West herum, scheiterte immer wieder am erhofften Aufstieg. Bis zum Frühling 2026. Zwei Wochen ist der Sieg über Siegen her, der die Meisterschaft und das Drittliga-Comeback der Zollstocker perfekt machte und Viktorias innerstädtische Platzierung bröckeln ließ.

Nun sind beide Vereine sportlich wieder auf Augenhöhe, ebenso finanziell. Wie die Klubbosse Hanns-Jörg Westendorf (Fortuna) und Franz Wunderlich (Viktoria) jüngst im gemeinsamen Interview mit dieser Zeitung bestätigten, planen beide Teams für die kommende Drittliga-Saison mit einem Etat von 4,5 bis 5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Dem FC steht mehr als das Zehnfache zur Verfügung. Infrastrukturell hat die Viktoria Vorteile, konnte sie vor einigen Jahren mit dem Geld des früheren Mäzens Franz-Josef Wernze ein Trainingszentrum in Neubrück errichten, Wunderlich selbst organisierte im vergangenen Sommer die Modernisierung der Mannschaftskabine in Höhenberg. Die Fortuna muss sich hingegen mit den seit vielen Jahren in die Jahre gekommenen Begebenheiten im Jean-Löring-Sportpark abfinden – Sanierungen sind zwar angekündigt, mehr aber auch nicht.

Fortuna Kölns Historie hat mehr zu bieten

Rein historisch hat die Fortuna dafür mehr zu bieten. Der Südstadt-Klub galt bis zum Jahrtausendwechsel als „ewiger Zweitligist“, verbrachte 26 Saisons im Unterhaus, legendär das eine Jahr in der Bundesliga (1973/74) sowie die bittere Pleite im DFB-Pokalfinale 1983 gegen den FC (0:1, Torschütze Pierre Littbarski). Den rund 1600 Fortuna-Mitgliedern stehen nur etwa 840 auf der anderen Rheinseite gegenüber. Auch hier hilft eine Einordnung: Der 1. FC Köln hatte zu Jahresbeginn das Knacken der 160.000-Mitglieder-Marke verkündet.

Akustisch und optisch dürfte das Finale in Höhenberg am Samstag zu einem Heimspiel für die Fortuna werden. „Aus der Südstadt bringen wir viel Publikum, das ist ein Faustpfand für uns“, sagte Trainer Matthias Mink. Allerdings ist die Viktoria Auswärtsspiele im eigenen Haus aus der Dritten Liga gewohnt. Davon lasse man sich nicht beeinflussen, betonte Coach Marian Wilhelm. „Derby, ausverkauftes Stadion, gutes Wetter ist angesagt, du kannst einen Titel holen und dich für den DFB-Pokal qualifizieren. Viel mehr geht nicht.“

Viktoria Köln ist im Pokalfinale unschlagbar

Fortunas letzter Mittelrheinpokal-Triumph und letzte DFB-Pokal-Teilnahme liegen inzwischen 13 Jahre zurück. Unter Uwe Koschinat gelang 2013 im Finale ein 2:1 über Alemannia Aachen, im großen Pokal war wenige Monate später Mainz 05 mit Coach Thomas Tuchel im Südstadion zu Gast und gewann durch ein Tor von Eric-Maxim Choupo-Moting in der 87. Minute mit 2:1. „Man merkt die Sehnsucht von den Fans, aber auch von unserem Vorstand bekommt man es immer wieder zu hören“, sagte Mink mit Blick auf ein mögliches Ende des Pokalfluchs und die Aussicht auf das Double. „Die Leute lechzten danach. Es gibt eine extreme Erwartungshaltung.“

Für die Höhenberger ist der Mittelrheinpokal hingegen eine Art Lieblingswettbewerb. Seit 2014 stand der FC Viktoria achtmal im Finale und holte achtmal den Titel. Auch der Vorgängerverein SC Viktoria blieb in seine beiden Endspiel-Teilnahmen (1986, 1990) unbesiegt. Eine bemerkenswerte Serie. Zu viel Routine wird laut Wilhelm, der seine erste Trophäe als Cheftrainer im Profibereich gewinnen könnte, jedoch nicht aufkommen. „Die Vorfreude ist riesig, das wird nochmal Kräfte freisetzen. Die Jungs wollen den Titel holen, dafür arbeitest du die ganze Saison. Das weckt in den Köpfen noch einmal den einen oder anderen Prozentpunkt, von dem du gar nicht wusstest, dass er noch in dir steckt“, kündigte der 37-Jährige an.

Wird die Rivalität neu entfacht?

Simon Handle, Drittliga-Rekordspieler der Höhenberger, absolviert nach neun Jahren beim Klub seinen letzten Karriere-Einsatz und hofft auf einen Titel zum Abschluss. Schon im Mittelrheinpokalfinale von 2022, dem letzten Pflichtspiel zwischen beiden Teams (2:0), führte Handle die Viktoria als Kapitän aufs Feld. Neben ihm und Christoph Greger ist kein Profi der damaligen Mannschaft mehr im Verein. Die alljährlichen Umbrüche haben beide Vereine gemeinsam. Von den 26 Höhenberger Pokalsiegern aus dem Mai 2025 sind ein Jahr später nur noch sechs Spieler bei Viktoria unter Vertrag.

Die Rivalität, die beide Klubs vor allem in den gemeinsamen Regionalliga-Jahren 2012/13 und 2013/14 prägte, ist mit Blick auf die wenigen Berührungspunkte etwas verblasst. Seinerzeit hatten sich die Teams auf dem Platz sowie die Trainer Koschinat und Claus-Dieter Wollitz an der Seitenlinie beinahe handfeste Auseinandersetzungen geliefert. Es ist nur schwer vorstellbar, dass auch Mink und Wilhelm zu solchen Ausbrüchen fähig sein könnten – und auch auf Führungsebene ist das Verhältnis inzwischen, wie bei Westendorf und Wunderlich, mehr freundschaftlich als feindselig. Beide Seiten loben die Entwicklungen auf der jeweils anderen.

Am Samstagnachmittag dürften die Freundlichkeiten zumindest einstweilen ein Ende haben. Bei Sonnenschein und 30 Grad könnte im Finale von Höhenberg allerdings der Grundstein für ein Aufleben der hitzigen Rivalität gelegt werden: Wer ist die Nummer zwei der Stadt?