Der Südstadt-Klub zeigt beim 2:2 gegen Hoffenheim II altbekannte Stärken und will am Mittwoch den ersten Heimsieg der Saison einfahren.
Einwechslungen zeigen WirkungFortuna Köln und die Impulse aus der Kadertiefe

Hamadi Al Ghaddioui (l.) jubelt mit Georg Strauch über den Last-Minute-Ausgleich gegen Hoffenheim II.
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Am Ende bildete sich eine große Jubeltraube um Fortunas Angreifer Hamadi Al Ghaddioui, im Auswärtsblock herrschte Ekstase unter den mitgereisten Fans. Wenige Augenblicke zuvor hatte der Routinier nach Vorarbeit von Jannik Mause in der Nachspielzeit den 2:2-Ausgleich bei der Zweitvertretung der TSG Hoffenheim erzielt.
Wiesbaden entlässt den Trainer
Für den Drittliganeuling war es vor 534 Zuschauern im Dietmar-Hopp-Stadion ein später, angesichts des Spielverlaufs aber wichtiger Punkt. Nach fünf Spieltagen steht die Fortuna bei sechs Zählern und ist seit vier Partien ungeschlagen. „Jedes Spiel ist eng, jedes Spiel hat seine Momente. Wenn wir in der Lage sind, immer im Spiel zu bleiben, dann werden wir unsere Momente bekommen – defensiv im Hinblick auf gutes Verteidigen, aber auch offensiv. Wir hatten schon in der ersten Halbzeit Momente, die wir besser für uns hätten nutzen können, vielleicht auch müssen“, sagte Trainer Matthias Mink im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Remis war zugleich ein Hinweis darauf, welche Bedeutung die Qualität von der Bank in den kommenden Tagen haben kann.
Hoffenheim war über weite Strecken die aktivere Mannschaft, hatte mehr Ballbesitz und bekam die Partie zunehmend unter Kontrolle. Yassin Zor (27.) und Klaus Gjasula (37.) brachten die TSG zweimal in Führung, Max Fischer (30.) per Kopf und Al Ghaddioui kurz vor Schluss antworteten für die Fortuna. Die späte Wende war auch das Ergebnis der Wechsel von Mink. In der 61. Minute brachte der Trainer Jannik Mause, Al Ghaddioui folgte in der Schlussphase (85.). Später setzte sich Mause auf der rechten Seite durch und brachte den Ball in die Mitte, wo Al Ghaddioui nur noch einschieben musste.
Zwei Einwechselspieler sicherten der Fortuna damit einen Punkt, der lange nicht mehr selbstverständlich schien. Genau diese Qualität könnte in der englischen Woche zum Faktor werden. Am Mittwoch wartet im Südstadion (19 Uhr/MagentaTV) der SV Wehen Wiesbaden. Der Klub aus Hessen hatte am Montag Trainer Daniel Scherning entlassen, interimistisch übernehmen Frank Steinmetz und Giuliano Modica. Zuletzt verlor man gegen Waldhof Mannheim mit 0:1. „Zwei Punkte aus fünf Spielen sind natürlich nicht das, was sich Wiesbaden vorgestellt hat. Sie haben vor zwei Jahren noch in der Zweiten Liga gespielt und sind mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gestartet“, sagt Mink.
Kadertiefe liefert wichtige Impulse
Und weiter: „Wenn man sich die Kadersituation und die Kaderstruktur anschaut, sind da viele Spieler mit einem extrem hohen Drittligaformat, die sehr viel höherklassige Erfahrung mitbringen.“ Für die Fortuna bedeutet das eine besondere Ausgangslage: Wiesbaden steht unter Druck, reist aber nach dem Trainerwechsel mit einer veränderten sportlichen Situation an. Viel Zeit zur Regeneration bleibt beiden Mannschaften nicht. Für einen Aufsteiger, der nach fünf Spieltagen sechs Punkte gesammelt hat und seit vier Spielen ungeschlagen ist, wird deshalb nicht nur die Startelf zum Faktor. Ebenso wichtig ist, welcher Einfluss von der Bank kommt.
„Das ist eine Geschichte, die wir im Zuge der vergangenen Saison schon immer thematisiert haben – jetzt natürlich noch einmal ein Ticken mehr. Wir haben das jetzt mehrfach im Zuge der Spiele erlebt und als Mannschaft gemerkt, wie wichtig das ist“, erklärt Mink. „Trotz der Tatsache, dass der eine oder andere Mal nicht so viel Berücksichtigung findet oder vielleicht auch gar keine, müssen die Spieler trotzdem Bock haben, dabei sein zu wollen und leistungsbereit sein.“ Mit Mause und Al Ghaddioui kamen Erfahrung und Qualität von der Bank.
Auch Timo Bornemann, Tom Geerkens, Seymour Fünger und Florian Heister bieten Mink Alternativen und mussten sich in Sinsheim mit einem Bankplatz begnügen. Der Punkt im Kraichgau war deshalb mehr als ein Beleg für Fortunas Widerstandskraft. Er zeigte auch, dass der Aufsteiger enge Spiele offenhalten und im richtigen Moment nachlegen kann. Gegen Hoffenheim reichte die späte Antwort zu einem Zähler, gegen Wiesbaden soll daraus im besten Fall der erste Heimsieg in der Dritten Liga werden. Das ist auch die Gelegenheit, die Kaderbreite als Stärke zu bestätigen.
Fortuna Köln: Winkler – Telle (61. Heister), Fischer, Al-Azzawe, Afamefuna, Strauch, Stanilewicz, Bröger (85. Al Ghaddioui) – Thier (61. Geerkens) – Wirtz (61. Mause), Aigbekaen (75. Bornemann). – Tore: 1:0 Zor (27.), 1:1 Fischer (30.), 2:1 Gjasula (37.), 2:2 Al Ghaddioui (90.+3.). – Zuschauer: 534.

