Der Südstadt-Klub muss eine Schrecksekunde verdauen. Während dessen rückt ein ehemaliger MLS-Profi in den Vordergrund. Präsident Hanns-Jörg Westendorf schließt eine Verpflichtung nicht aus.
SC Fortuna KölnSorgen um Angreifer Enzo Wirtz – Jasper Löffelsend als Testspieler dabei

Fortuna Kölns Angreifer Enzo Wirtz wird gestützt von den Betreuern vom Feld getragen. Die Ausfallzeit ist noch unklar.
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Die Schrecksekunde kam in der 70. Minute: Enzo Wirtz, einer der zuverlässigsten Torjäger des Drittligisten SC Fortuna Köln, musste bei der 2:3-Niederlage im Testspiel gegen den Regionalligisten TSV Steinbach-Hager am Samstag verletzt ausgewechselt werden. Eine MRT-Untersuchung am Montag soll Klarheit bringen – über das Ausmaß der Verletzung und darüber, ob Wirtz zum Drittliga-Auftakt gegen Sonnenhof Großaspach zur Verfügung steht.
Kaum ein Spieler verkörpert das offensive Profil der Fortuna so klar wie er – mit Körperpräsenz, Abschlussstärke und der Bereitschaft, jeden Zweikampf anzunehmen. 14 Treffer in der vergangenen Spielzeit belegen das. Sein Ausfall hinterließe eine Lücke – keine unschließbare, Hamadi Al Ghaddioui, Romeo Aigbekaen, Timo Bornemann und Dejan Galjen stehen bereit –, aber eine wertvolle Option fiele weg.
Jasper Löffelsend im Training dabei
Dabei hatte der zweite Test der Vorbereitung ohnehin ungemütlich begonnen. Der TSV Steinbach-Hager – Ex-Klub von Fortuna Kölns Trainer Matthias Mink – führte nach 15 Minuten bereits mit 3:0. „Wir sind richtig schlecht ins Spiel gestartet. Erst nach der ersten Trinkpause haben wir am Spiel teilgenommen“, sagt Mink. Die zweite Halbzeit verlief versöhnlicher: Wirtz (56.) und David Al-Azzawe (60.) verkürzten schnell – den Ausgleich verpassten die Südstädter trotz guter Chancen. „Inhaltlich und emotional war die zweite Hälfte gut, die Chancenverwertung klar verbesserungswürdig“, so Mink.
Immerhin: Den ersten Test hatte die Fortuna mit 4:1 gegen TuS Koblenz gewonnen. Personell gab es zudem Neues. Torwart Ben Zich, der im Tor den Konkurrenzkampf mit Lennart Winkler verschärfen soll, gab sein Debüt, Neuzugang Bennit Bröger stand erstmals im Kader. Und dann war da noch Jasper Löffelsend – ein Name mit einer doch ungewöhnlichen Geschichte für die Dritte Liga.
Der 28-jährige Kölner nahm seinen Weg durch den deutschen Amateurfußball – über den TV Herkenrath, den Bonner SC, Hennef und Wegberg-Beeck –, bevor er in die USA zog, anschließend gedraftet wurde und beim amerikanischen Erstligisten Real Salt Lake in der MLS seinen Durchbruch schaffte: 81 Einsätze insgesamt, ein zwischenzeitlicher Marktwert von 1,5 Millionen Euro laut Angaben des Portals transfermarkt.de.
Nach weiteren Stationen bei den Colorado Rapids und dem San Diego FC wechselte er zum polnischen Zweitligisten LKS Lodz, wo er elf Torbeteiligungen beisteuerte – ehe Lodz in den Aufstiegs-Playoffs um die polnische Ekstraklasa im Halbfinale scheiterte. Seit Trainingsbeginn ist Löffelsend nun als Gastspieler dabei, flexibel einsetzbar auf der rechten Seite. „Jasper ist als Spieler und Mensch sehr verbindlich. Wir haben ihn bislang überwiegend auf der Rechtsverteidigerposition eingesetzt“, sagt Mink.
Matthias Mink lobt den Testspieler
„Er ist körperlich in einem guten Zustand und kann mit seiner Spielerfahrung auf hohem Niveau unseren jungen Spielern viele Tipps geben.“ Auf der rechten Abwehrseite der Fortuna lieferten sich in der vergangenen Saison Vleron Statovci und Kevin Brechmann einen Konkurrenzkampf. Auch der ehemalige FC-Spieler Neo Telle kann dort spielen, ebenso Seymour Fünger. Dennoch würde Löffelsend eine wertvolle Art von Profil mitbringen. Er ist schnell, passsicher und seine Flanken von den Außen sorgen immer wieder für Gefahr. Zudem ist er durch seine Zeit in den USA erfahren – eine wertvolle Eigenschaft im Kampf um den Klassenerhalt.

Jasper Löffelsend (r.) im Trikot von Real Salte Lake im Spiel gegen Houston Dynamo.
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Auch Fortunas Präsident Hanns-Jörg Westendorf zeigt sich angetan – und schließt eine feste Verpflichtung nicht aus: „Er hat gut gespielt in der Vorbereitung. In irgendeiner Art und Weise wäre eine Verpflichtung auch finanziell stemmbar. Aber wir müssen abwarten. Das Transferfenster geht noch etwas, es können viele Sachen passieren.“
