Der Angreifer bringt den Höhenbergern eine Ablöse. Trainer Marian Wilhelm sieht im Verkauf kein Risiko.
Wechsel nach DuisburgViktoria Köln verliert Toptorjäger Tyger Lobinger

Bereits mit dem MSV Duisburg im Trainingslager in Belek: Tyger Lobinger
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Am Sonntag sind die Fußballer des Drittligisten FC Viktoria Köln zu ihrer ersten Trainingseinheit des neuen Jahres zusammengekommen. „Ein lockerer Aufgalopp“, berichtete Coach Marian Wilhelm, die Laune sei gut gewesen. Kein Wunder: Immerhin geht es am Montag per Flieger raus aus dem eisigen Köln nach Belek, an der türkischen Mittelmeerküste sind für die nächsten Tage zwischen 15 und 17 Grad vorhergesagt.
Weder bei der ersten Einheit noch beim Trainingslager dabei ist allerdings eine prägende Figur der vergangenen eineinhalb Jahre in Höhenberg: Torjäger Tyger Lobinger hat die Viktoria verlassen und sich dem Liga-Konkurrenten MSV Duisburg angeschlossen. Der Tabellenführer ist ebenfalls zur Vorbereitung in Belek – mit seinem neuen Angreifer.
Duisburg war schon länger am kantigen Stürmer interessiert – nun passten alle Zahlen. Und Lobinger wurde, ein halbes Jahr vor dem Auslaufen seines Vertrages, zum Aufstiegsaspiranten transferiert. Dem Vernehmen nach kassieren die Kölner, die den Stürmer im Sommer sonst ablösefrei verloren hätten, einen niedrigen sechsstelligen Betrag. Die Summe würde sich bei einem möglichen Aufstieg des MSV noch einmal deutlich erhöhen. „Wir freuen uns sehr, dass wir diesen Transfer umsetzen konnten. Es gibt schon sehr lange einen Austausch, Tyger hat klar signalisiert, dass er zum Spielverein möchte. Ein sehr kompletter Stürmer mit vielen Stärken im Offensivspiel, er ist nicht nur durchsetzungsstark, sondern gibt dem Spiel auch Tiefe“, sagte Chris Schmoldt, Sportlicher Leiter der Duisburger.
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Herber Verlust für Viktoria Köln
Für die Viktoria ist es ein herber Verlust. Lobinger war sowohl Führungsfigur und Teil des Mannschaftsrats als auch verlässlicher Torjäger – ein hohes Gut in der Dritten Liga. In 54 Einsätzen gelangen dem 26-Jährigen 24 Treffer, in der laufenden Saison ist er mit neun Toren Topschütze der Kölner. „Es ist unser Modell, wir entwickeln Spieler. Das müssen nicht immer nur die ganz jungen sein“, sagte Trainer Wilhelm.
Lobinger hatte sich der Viktoria im Sommer 2024 angeschlossen – zu diesem Zeitpunkt steckte der 1,92-Meter-Mann in einer tiefen Krise. Bei seinen Ex-Klubs 1. FC Kaiserslautern und VfL Osnabrück war das Tor wie vernagelt für den Sohn der verstorbenen Stabhochsprung-Legende Tim Lobinger. Erst in Höhenberg platzte der Knoten unter Olaf Janßen und Wilhelm. „Ich bin unendlich dankbar für alles, was ich hier erleben durfte. Gemeinsam haben wir die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte gespielt und uns für den DFB-Pokal qualifiziert. Eine Zeit, an die ich mich super gerne erinnern werde“, ließ Lobinger zu seinem Abschied wissen.
„Tyger war eine zentrale Säule auf der Neun“, so Wilhelm. „Aber wir hatten auch schon Spiele ohne ihn, die wir erfolgreich bestreiten konnten.“ Zweimal fehlte der Angreifer zu Beginn der Hinrunde. Zunächst beim 1:2 in Saarbrücken, das die Viktoria hätte gewinnen können. Und dann beim 3:0 in Aue. Der Plan ist es, dass David Otto aus seiner hängenden Position ins Sturmzentrum rückt. „Wir wissen, dass Dave auch ein Neuner ist“, stellte Wilhelm klar. Für alle anderen Offensivkräfte, allen voran Edeljoker Benjamin Zank, dürften sich nach dem Lobinger-Abschied Aussichten auf mehr Spielzeit eröffnen. „Wir haben ein sehr großes Vertrauen in den Kader“, sagte der Trainer.
Ein Offensivspieler wird noch kommen
Wilhelm will den Winterverkauf des Torjägers nicht als „Risiko“ bezeichnen, „sonst hätten wir es nicht gemacht“. Klar ist aber, dass der Kader kurzfristig an Qualität verloren hat. Denn ein Eins-zu-Eins-Ersatz für Lobinger ist bisher nicht in Sicht. Nach Informationen dieser Zeitung wird sich die Viktoria noch vor dem Trainingslager-Start mit einer Offensivkraft verstärken – allerdings wird kein klassischer Mittelstürmer kommen.
Durch den Abschied des Höhenberger Topverdieners, ergänzt durch eine Ablösesumme, dürften Viktorias Handlungsmöglichkeiten im kommenden Sommer zumindest andere sein. Bis dahin gilt es, die Rückrunde ohne den Anker im Sturmzentrum zu meistern und den Klassenerhalt zu sichern.

