Uwe Schmalz war 1994 schon einmal bei einer WM. 32 Jahre später ist der Fortuna-Fan zurück – mit Bruder Herbert und einem Südstadt-Trikot, das in Amerika überraschend viele kennen.
WM 2026Wie zwei Fortuna Köln-Fans das Turnier erlebten – mit einem Trikot, das Menschen verbindet

Uwe Schmalz (r.) mit seinem Bruder Herbert beim Spiel der DFB-Elf gegen Ecuador
Copyright: Uwe Schmalz
In der Welt des Fußballs gibt es Trikots, die man überall kennt – das des FC Barcelona, das von Real Madrid, das von Manchester United oder das der deutschen Nationalmannschaft. Und dann ist da noch das Trikot des SC Fortuna Köln, der in der vergangenen Saison den Aufstieg in die Dritte Liga schaffte und dessen Ruf in Köln und Teilen Deutschlands verankert ist, nicht aber darüber hinaus. Zwei Anhänger des Klubs aus der Kölner Südstadt hat es während der Weltmeisterschaft in die USA verschlagen.
Fortuna Kölns Trikot wird erkannt
Uwe Schmalz (64) ist kein Fußballtourist. Er kennt vielmehr den Ligaspielbetrieb der Fortuna von der ersten bis zur sechsten Spielklasse. Er war bei der WM 1994 schon einmal vor Ort, als Amerika zum ersten Mal das Turnier ausrichtete – die Erinnerung hat ihn nie ganz losgelassen. Als das Turnier 2026 zurückkehrte, gab es letztlich keine lange Debatte: Er fährt mit seinem ebenso gesinnten Bruder Herbert (62) und besucht anschließend Verwandte an der Ostküste.
„Die Vorfreude war natürlich groß“, erklärt Schmalz. Den offiziellen Shuttle zum Stadion, nur in New York war das so, mieden beide konsequent. Bis zu 100 Dollar hätte die Fahrt zum Met Life Stadium in New Jersey für das Spiel zwischen Ecuador und Deutschland gekostet – das Fifa-Monopol auf den letzten Metern lässt grüßen. Sie parkten außerhalb, gingen zu Fuß – und sparten 200 Dollar. „Das muss man einfach mal mitgemacht haben“, sagt er, „auch wenn man sich das eigentlich nicht vorstellen kann.“

Uwe Schmalz mit einem Ecuador-Fan, dessen Kostüm viral gegangen ist.
Copyright: Uwe Schmalz
32 Jahre liegen zwischen den beiden Reisen – und doch ist vieles gleich geblieben. Die Gastfreundschaft der Amerikaner, die Leichtigkeit, mit der man ins Gespräch kommt, die Selbstverständlichkeit, mit der ein Turnier dieser Größe organisiert wird. „Amerika ist perfekt organisiert“, sagt Schmalz „Das war 1994 so, und das ist heute nicht anders.“ Und ein Fortuna- Trikot, das er damals trug, trägt er auch heute.
Im Deutschen Haus in Manhattan – dem DFB-Treffpunkt, für den man sich vorab registrieren musste – sprach ihn ein ausländischer Besucher auf das Trikot an. „The second Cologne team?“, fragte er – und korrigierte sich sofort: „The real second.“ Vor dem Ecuador-Spiel trat ein Mann auf die Brüder zu, redete akzentfreies Deutsch. Er habe in Deutschland studiert, sei 2006 zur WM gefahren – und jetzt mit Bruder und Vater aus der Hauptstadt Quito eingeflogen, nur für dieses eine Spiel. Danach gleich zurück. „Wir haben nur das Geld für dieses eine Spiel“, sagte der Mann. „Aber wir sind dennoch hier.“
Ohrenbetäubende Stimmung bei Deutschlands WM-Spiel
Die Stimmung im Stadion selbst war ohnehin kaum zu fassen. Rund 60.000 Ecuador-Fans füllten die Ränge – von oben, sagt Schmalz, wirkten sie wie ein gelbes Ameisenheer, das die Tribünen überflutete. „Das war Wahnsinn“, sagt er. „So etwas sieht man nicht alle Tage. Und es war ohrenbetäubend laut.“
Dass überhaupt jemand das Trikot der Fortuna fernab der Südstadt kennt, liegt auch an den Groundhoppern – Fans, die in ihrer Freizeit von Stadion zu Stadion ziehen. Im Südstadion sind es regelmäßig Engländer oder Niederländer, die man nach den Spielen im Vereinsheim trifft. „Das spricht sich herum“, sagt Schmalz. „Die kommen, trinken Bier, und irgendwann kennt man sich.“
Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft verfolgten die beiden im Deutschen Haus. Danach leerte es sich rasch. Nur ein Deutsch-Amerikaner aus New Jersey blieb sitzen, fassungslos, und wollte reden. Schmalz hörte zu – und fand das Ergebnis weniger überraschend als die Erwartungshaltung, mit der Deutschland ins Turnier gegangen war. „Das Narrativ hätte ein anderes sein müssen: Seid mal vorsichtig, wir sind nicht so gut, wie wir glauben. Einen Außenseiter kannst du nicht überraschen.“
Entschuldigungen der US-Bürger
Draußen in der Stadt lief das anders. Fremde entschuldigten sich bei beiden für das deutsche Ausscheiden, spontan, ohne Anlass. „Als ob sie das müssten“, sagt Schmalz. „Das hat mich wirklich berührt.“ Amerika, sagt er, ist freundlicher als beschrieben, neugieriger, offener. Die Sportsbars waren voll, die US-Spiele wurden leidenschaftlich verfolgt. „Es gibt noch immer dieses Vorurteil, dass Amerikaner sich nicht für Fußball interessieren. Wenn man vor Ort ist, sieht man: Das stimmt nicht.“ In Philadelphia war es nicht anders. Eine Stadt prallvoll zum Unabhängigkeitstag im WM-Fieber. US-Präsident Donald Trump sei dagegen in den Stadien unbeliebt. „Ich gehe fest davon aus, dass er beim Finale ausgepfiffen wird.“
Wenn Schmalz zu Saisonbeginn wieder im Südstadion steht, wird er viel zu erzählen haben. Vom Ecuadorianer, der nur das Geld für ein einziges Spiel hatte. Von der Frau, die neben ihm während des Deutschland-Spiels saß, das Fortuna-Trikot erkannte und „Cologne, Cologne“ rief. Schmalz und sie kamen ins Gespräch: Sie sei ein „echt kölsches Mädche“, in Köln geboren, dann mit ihrer Familie in die USA ausgewandert. Ihren Sohn taufte sie dort Otto. Manchen dieser Momente hätte es ohne das Fortuna-Trikot wohl nicht gegeben. „Es macht Spaß“, sagt Schmalz. „Es macht einfach Spaß.“
