Die Fußball-Bundesliga bleibt trotz der Dominanz des FC Bayern, der zig Milliarden und des Fifa-Theaters unverzichtbar.
Start in 64. SaisonWarum die Bundesliga den Menschen gehört


Bayern-Trainer Vincent Kompany macht ein Foto mit Münchner Fans im Mai 2026 nach dem Spiel gegen den 1. FC Köln.
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Sepp Herberger, dessen Todestag sich 2027 zum 50. Mal jährt, hat einen Satz hinterlassen, der so schlicht klingt wie eine Wahrheit: „Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht.“ In den vergangenen Jahren bekam der Satz eine ernüchternde Ergänzung. Die Menschen wissen vielleicht nicht, wie das einzelne Spiel endet. Sie ahnen allerdings ziemlich genau, wer am Ende wieder die Meisterschale in den Händen halten wird.
Die 64. Spielzeit der Fußball-Bundesliga beginnt mit einem alten Verdacht: Der FC Bayern München wird Meister. 13 der vergangenen 14 Titel gingen nach München. Nur Bayer 04 Leverkusen konnte diese Ordnung 2024 unterbrechen – mit einer Saison ohne Niederlage, die in die Geschichte einging. Viel Fantasie braucht, wer daran glauben möchte, dass im kommenden Mai erneut der Name eines anderen Klubs in die Sterlingsilber-Schale eingraviert sein wird.
Die ökonomischen Verhältnisse sprechen gegen jede Überraschung. Der Kader des FC Bayern ist nach Marktwert mehr als eine Milliarde Euro schwer und damit wertvoller als die Mannschaften von neun Vereinen zusammen. Borussia Dortmund gilt erneut als aussichtsreichster Herausforderer, setzt unter Niko Kovač jedoch auf einen maximal pragmatischen Fußball. In Leipzig ist nach dem Verkauf von Yan Diomande an Real Madrid für mindestens 125 Millionen Euro offen, wie der Klub das Geld investiert. Ein Angriff auf die Bayern bleibt schwer vorstellbar. Das gilt vorerst auch für Bayer 04 Leverkusen mit dem neuen Trainer Carles Martínez.
Die Bundesliga muss sich entscheiden
Damit ist das Problem benannt: Eine Liga, deren Meisterschaft vor dem ersten Anpfiff weitgehend entschieden scheint, verkauft sich schwerer als eine Liga mit offenem Titelrennen. Über eine andere Verteilung der Fernsehgelder zugunsten schwächerer Klubs wird gesprochen – gehandelt wird vorsichtig. Die Bundesliga muss sich entscheiden, was ihr wichtiger ist: ein spannenderer nationaler Wettbewerb oder die uneingeschränkte internationale Konkurrenzfähigkeit ihrer Topklubs. Beides wird nicht in vollem Umfang zu haben sein.
Doch die Bundesliga ist mehr als ein Fernsehprodukt. Ihr eigentlicher Wert liegt im Stadion. Das deutsche Stadionerlebnis wird in Europa beneidet. Volle Ränge, Stehplätze, Lieder und gewachsene Vereinsbindungen machen aus einem Fußballspiel ein gemeinsames Ereignis. Ein Großteil der Zuschauer kommt nicht als Kunde, sondern als Teil einer Gemeinschaft. Das ist der Kern dieses Wettbewerbs.
Gerade nach dem großen WM-Theater und dem Fifa-Beben wirkt der Bundesliga-Samstag wohltuend nah am Leben. Die WM ist ein globales Spektakel, teuer, überinszeniert und für viele Menschen weit entfernt. Die Bundesliga spielt in Köln, Hamburg, Dortmund und München. Man kann hinfahren, ohne ein Vermögen auszugeben. Nicht jeder Stadionbesuch ist für jede Familie erschwinglich, aber die Bundesliga bleibt erreichbar. Für Otto Normalverbraucher ist sie kein Luxusurlaub, sondern ein Samstag in der eigenen Stadt.
Für sportliche Spannung wird wieder der Kampf um den Klassenerhalt sorgen – darunter für Traditionsklubs wie den 1. FC Köln, den Hamburger SV, Werder Bremen und Schalke 04. Herbergers Satz stimmt also noch immer. Die Menschen kommen, weil sie nicht wissen, wie das Spiel ausgeht. Sie kommen aber ebenso wegen des Vereins, der Stadt, der Freunde auf der Tribüne und wegen des Gefühls, dass ein gewöhnlicher Samstag plötzlich Bedeutung bekommt.
Die Bundesliga muss nicht versprechen, dass alles offen ist. Das wäre angesichts der Münchner Übermacht unglaubwürdig. Sie muss dafür sorgen, dass genug offenbleibt – auf dem Platz und auf den Rängen. Vor allem aber muss sie sicherstellen, dass dieser Fußball für die Menschen da ist – und nicht umgekehrt die Menschen für den Fußballmarkt.

