Der 1. FC Köln absolviert sein erstes Spiel der Bundesligasaison zu Hause. Wie Mannschaft, Trainer und Geschäftsführer aufgestellt sind
Bundesliga geht wieder losDer 1. FC Köln braucht einen guten Start

Said El Mala wird noch mindestens eine Saison in Köln bleiben, Trainer René Wagner spielte eine wichtige Rolle bei der Entscheidung des jungen Außenstürmers.
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Der 1. FC Köln geht mit einem neuen Cheftrainer, einem noch unfertigen Kader und einem Geschäftsführer in die Saison, der weiß, was er will – und der bereit ist, dafür einzustehen. Trainer René Wagner verkörpert eine Generation, die sich Autorität nicht über eine Spielerkarriere leiht, sondern durch Fleiß und Fachwissen erarbeiten will. An diesem Samstag steht das Debüt in Müngersdorf gegen die TSG Hoffenheim an.
Der Trainer
Als René Wagner in der vergangenen Saison die Mannschaft übernahm, lagen die Kölner zwar noch zwei Punkte vor dem Relegationsplatz. Doch zuvor hatten sie zu oft nicht gewonnen – und abseits des Platzes war immer deutlicher der Eindruck entstanden, dass Lukas Kwasniok nicht der Trainer war, dem die FC-Verantwortlichen ihre junge Mannschaft weiter anvertrauen wollten.
Die Sehnsucht nach einem Nachfolger war groß – vor allem nach einem, der Verlässlichkeit garantierte. Im Inneren des Klubs war es deshalb keine Überraschung, als Wagner das Vertrauen erhielt. Dass der international ausgebildete Sachse auch über die Saison hinaus im Amt blieb, lag vor allem daran, dass Thomas Kessler sich bestätigt fühlte. Der 1. FC Köln hatte einen integren, ehrgeizigen und enorm akribischen Mann gefunden – mit einer von Wissenssucht befeuerten Fußballkompetenz und jenem Fleiß, der im Bundesligafußball nach wie vor an vielen Stellen verblüffend unterrepräsentiert ist. Die erste Konferenz mit seinem Stab hält Wagner morgens um halb acht ab. Geschäftsführer Thomas Kessler gilt selbst als Frühaufsteher – doch habe er es noch nie geschafft, vor dem Cheftrainer am Geißbockheim zu sein, berichtete er neulich.
Schon als Assistent an einem US-College und später als Akademietrainer in Florida hielt Wagner den Kontakt nach Deutschland. Bald beauftragte er Agenten, in der Bundesliga nach Jobs für ihn zu suchen. Damals musste er, noch ohne Namen und erst Anfang 30, Überzeugungsarbeit in eigener Sache leisten. Es funktionierte. Als Cheftrainer des 1. FC Köln hat er nun eine der spannendsten Aufgaben im deutschen Fußball. Dennoch wird er kaum vor Aufregung nachts wach liegen und sich fragen, wie um Himmels willen er nur auf diese Bühne geraten ist. Er wollte unbedingt dorthin. Nun ist er angekommen.
Fußball ist ein Sport, in dem auf dem Platz vieles über Talent funktioniert – in der Vergangenheit noch mehr als heute, wo jeder austrainiert ist und sein Leben zu großen Teilen den Erfordernissen des Profisports unterwirft. Die schillernden Figuren früherer Tage, zu deren mit viel Anerkennung bedachten Eigenschaften es gehörte, im Training oder in der Freizeit auch mal spektakulär fünfe gerade sein zu lassen, prägen den Fußball bis heute – nur sitzen sie nun in Aufsichtsräten und Vorständen. Doch auch dort ändern sich die Zeiten. Der Wechsel vom reinen Charismatiker an der Seitenlinie hin zum akribischen Arbeiter vollzieht sich allerorts – nun auch beim 1. FC Köln.
Neue Trainergeneration
Wagner steht als Mann ohne große Spielerkarriere und großes Auftreten und ohne den Willen, die Öffentlichkeit für sich einzunehmen, beispielhaft für eine Trainergeneration, die in anderen Sportarten längst etabliert ist. Ein Blick auf den US-Sport genügt. Dort prägen Trainer das Bild, die mangels eigener Profi-Vita kein Vorschussvertrauen genießen und sich jeden Funken Autorität durch obsessive Vorbereitung und tiefes Fachwissen erarbeiten müssen. Im US-Basketball gilt Erik Spoelstra als Inbegriff dieses Prinzips. Bei den Miami Heat arbeitete er sich vom Videoanalysten zum zweifachen NBA-Meistertrainer hoch.
Im American Football glich Sean McVay seine fehlende NFL-Spielerkarriere durch extremen Fleiß aus und stieg zum jüngsten Super-Bowl-Gewinner der Geschichte auf. Diese Gruppe von Trainern wird im US-Sport respektvoll als „Grinder“ bezeichnet. Sie kompensieren den fehlenden Starfaktor, fangen tief unten im System an und überzeugen durch Kompetenz.

René Wagner hat seine erste Sommervorbereitung als Cheftrainer eines Bundesligisten abgeschlossen.
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Für den deutschen Fußball ist ein solcher Ansatz beinahe kühn. Gerade der Standort Köln war stets anfällig für große Männer und deren Versprechen. Zu spüren ist das bis heute. Im Saisonfinale ging es für Wagner ausschließlich darum, den Klassenerhalt zu sichern. Unter diesem Druck war er nicht in der Lage, eine eigene Handschrift zu entwickeln. Nur ein Sieg aus sieben Spielen erzeugte den Eindruck, Wagner könne es nicht besser. Sein Kredit war früh aufgebraucht.
Nach dem zwar erfolgreichen, aber spielerisch holprigen Start im Pokalspiel bei den Würzburger Kickers meldeten sich überall Kritiker zu Wort, die das Vertrauen in Wagner früh verloren hatten.
Im Verein und im direkten Umfeld der Mannschaft sieht man die Dinge dagegen anders, differenzierter. Wagner überzeugt weiterhin – auch durch seine kommunikativen Fähigkeiten, auf Deutsch wie auf Englisch. Dennoch bleibt zum Ende der Vorbereitung der Eindruck, dass Wagner stärker als seine Kollegen und Vorgänger von Ergebnissen abhängig sein wird. Die Kölner Mannschaft muss auf Anhieb funktionieren, sonst steigt der Druck rasch. Immerhin: Wagner wird damit umgehen können, auf die öffentliche Meinung über seine Person gibt er nicht viel.
Die Mannschaft
Said El Mala hat die Kaderplanung seit dem Frühjahr bestimmt. Der Teenager hatte dem Verein signalisiert, dass er einen Wechsel in die englische Premier League erwäge. Der Spieler wird von seiner Familie beraten, deren Kontakte im internationalen Fußball begrenzt bis kaum vorhanden sind. Deshalb bat die Spielerseite den Verein, einen Weg nach England zu finden.
Thomas Kessler und Tim Steidten, Kölns englanderfahrener Kaderplaner, brachten den FC Brentford ins Spiel – einen hervorragend geführten und sportlich ambitionierten Klub, der bereit war, die Kölner Transferkasse zu Beginn des Sommers um 50 Millionen Euro aufzustocken. Es wäre nicht der gigantische Transfer gewesen, der die Kölner auf Jahre hinaus saniert hätte. Für die Planung der neuen Saison aber hätte das Geld Kessler und seinen Leuten ganz andere Möglichkeiten eröffnet.

Reigan Heskey kam in diesem Sommer neu zum 1. FC Köln, bisher spielte der Sohne von Premier-League-Legende Emile Heskey in der Akademie von Manchester City.
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El Mala und seine Familie lehnten einen Wechsel in Londons Westen ab. Es folgte ein Transfertheater bis tief in den August, Borussia Dortmund spielte eine die Grenze zur Peinlichkeit berührende Rolle darin, gab dem 1. FC Köln dabei aber immerhin die Gelegenheit, wie der seriös geführte Klub aufzutreten, der er mittlerweile ist. Der Abschluss wurde dann zünftig zelebriert, als Köln die Vertragsverlängerung mit dem Außenstürmer bekanntgab.
Kein Plan war da aufgegangen – im Gegenteil: Der Spieler hatte Abschied nehmen, der Verein eine Transfersumme erlösen wollen. Am Ende können Thomas Kessler und René Wagner für sich verbuchen, dass El Mala bereit war, ihnen auch seine zweite Bundesligasaison anzuvertrauen. Doch bedeutete es eben auch, dass Wagner mit einem unfertigen Kader in den Bundesliga-Auftakt gegen Hoffenheim gehen wird.
Doch damit befinden sich die Kölner in guter Gesellschaft. Allein wegen der durch die WM schwierig zu planenden Transferphase 2026 steht den europäischen Klubs eine turbulente letzte Augustwoche bevor. Dass mehrere zentrale Wechsel erst spät realisiert wurden, fällt umso mehr auf, weil Kaderplaner, Scouts und sogar der Trainer die ersten Tage der Sommerpause genutzt hatten, um ihre Transferziele klar zu definieren. Mindestens einer steht noch immer aus. Doch ein Großteil der Lücken im Kader ist gefüllt, die Aufgaben, die man sich gegeben hatte, sind abgearbeitet – teils mit jungen Spielern ohne Ligakenntnis wie Reigan Heskey, der zum Träumen einlädt, bislang aber noch nichts gezeigt hat. Aber auch mit erfahrenem Personal: Drei WM-Fahrer (Skhiri, Okon-Engstler, Mensah) hat Köln dazugenommen, außerdem den georgischen Nationalverteidiger Luka Lochoshvili. Im Kader gibt es damit sehr viel mehr Erfahrung als zuvor, und René Wagner hat in der Vorbereitung viel Wert darauf gelegt, seine Spieler darauf zu trainieren, selbstständige Entscheidungen auf dem Platz zu treffen. Ein interessantes Führungsmodell des jungen Trainers. Deutlich wurde bislang, dass die Mannschaft neue Spieler rasch integriert. Auch das ist eine Wirkung der Kommunikation, die der Trainer nach innen intensiv pflegt, während er auf Außenstehende eher verschlossen wirkt.
Der Geschäftsführer
Thomas Kessler ist in diesem Jahr 40 geworden. Trotz seiner tiefen Branchenkenntnis aus der Zeit als Spieler ist er in der ersten Sommerpause als Geschäftsführer noch vergleichsweise neu. Kessler war schon als Spieler bereit, Verantwortung zu übernehmen. Es ist daher kaum zu befürchten, dass ihm die Herausforderung 1. FC Köln zur unerträglichen Last wird. Dennoch ist diese Aufgabe etwas Besonderes für ihn: Er darf den Klub seiner Heimat prägen, der zu den größten Fußballvereinen der Welt zählt. Was er im Fußball war und ist, hat er sich selbst zu verdanken. Aber auch dem Klub seiner Heimatstadt. Das macht die Angelegenheit sehr persönlich für ihn.

Thomas Kessler versucht, seinen Coach zu coachen und René Wagner zur Verfügung zu stehen.
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Kessler hat den Sommer am Geißbockheim verbracht und die Öffentlichkeit in den vergangenen Wochen nur begrenzt an seinen Überlegungen teilhaben lassen. Seine Zurückhaltung mag Begleitern im Umfeld des Klubs, die ihn seit Jahrzehnten kennen, wie Anflüge von Paranoia erscheinen. Doch Kessler verfolgt seine Linie – er weiß zu gut, was es seinen Vorgängern gebracht hat, allzu viele Worte in die Öffentlichkeit zu tragen, an denen sie sich später messen lassen mussten. Wenn eines den früheren Torhüter nicht mehr überraschen kann, dann ist es die Gnadenlosigkeit, mit der dieser 1. FC Köln seine Verantwortlichen fressen kann.
Auch Kessler braucht Ergebnisse
Mit der Trennung von Lukas Kwasniok musste er den ersten großen Fehler seiner Laufbahn eingestehen. Als Pragmatiker dürfte er jedoch weiter jederzeit bereit sein, im Fall der Fälle auch René Wagner zu verabschieden. Doch selbst ein so robuster Mann wie Kessler braucht im Bundesliga-Umfeld etwas, das er vorzeigen kann – die regionale Verbundenheit wird ihn kaum retten, sollte sich der Trend zu stark gegen den FC drehen. Dafür sitzen in den FC-Gremien zu viele Menschen mit Managementerfahrung. Kessler weiß das. Entsprechend eng begleitet er seinen Trainer; versucht, Wagner den Druck zu nehmen.
Der Transfersommer war eine große Herausforderung für Kessler – bedeutet aber auch die Gelegenheit, sein Meisterstück zu liefern. Schon in der vergangenen Saison waren ihm durch geschickte Züge wie mit Jakub Kaminski und Said El Mala Erfolge gelungen. So soll es weitergehen.
Ob und wann sich seine aktuellen Zugänge als echte Verstärkungen erweisen, ist eine der großen Fragen vor dem Saisonstart.
Viel Zeit bleibt den Kölnern nicht.

