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ChemiestandortEvonik gliedert Servicegeschäft in Wesseling und Marl aus

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Gruppenbild mit Thomas Bastel, Thomas Wessel und Arndt Selbach. Alle tragen dunkle Anzüge ohne Krawatte. Im Hintergrund sind Chemieanlagen zu sehen.

Thomas Basten (Werksleiter Marl), Thomas Wessel (Personalvorstand) und Arndt Selbach (Werksleiter Wesseling, v.l.) stellten die neuesten Entwicklungen im Chemiepark Wesseling vor.

Der Konzern könnte sich von seinen Dienstleistungsgeschäften in den Werken in NRW trennen. Ein Investor ist noch nicht gefunden, ein vollständiger Verkauf aber nicht ausgeschlossen

Der nordrhein-westfälische Chemiekonzern Evonik will den Service in seinen beiden Chemieparks in Wesseling und Marl ausgliedern und in einer neuen Gesellschaft zusammenfassen. Die neue Gesellschaft soll den Kunstnamen „Syneqt“ tragen und firmiert in der Rechtsform einer GmbH. Die Gesellschaft soll bereits am 1. Januar ihre Arbeit aufnehmen. Wie Evonik-Personalvorstand Thomas Wessel dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagt, wird der neue Chemieparkbetreiber 3500 Beschäftigte haben und einen Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro pro Jahr erzielen.

Für die bisherigen Mitarbeiter der beiden Standorte soll der Arbeitgeberwechsel kaum Folgen haben. Es gilt eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2032. „Niemand soll Angst oder Sorge um seinen Arbeitsplatz haben, es wird keinen Personalabbau geben.“ Allerdings seien auch die Beschäftigten der neuen Gesellschaft nicht von dem laufenden Restrukturierungsprogramm „Evonik Tailor Made“ ausgeschlossen, mit dem der Konzern versucht, die Kosten zu senken.

In einer Welt, in der immer mehr Spezialwissen notwendig ist, um sich im jeweiligen Bereich an der Spitze zu behaupten, braucht es eine andere Aufstellung
Thomas Wessel, Personalvorstand Evonik

Kurzfristig könnte sogar ein gegenteiliger Effekt eintreten, denn die neue Firma Syneqt soll eine eigene Verwaltung, Personalabteilung und Kommunikation erhalten. „In einer Welt, in der immer mehr Spezialwissen notwendig ist, um sich im jeweiligen Bereich an der Spitze zu behaupten, braucht es eine andere Aufstellung. Daher bringen wir unsere erfahrenen Service-Spezialisten aus Marl und Wesseling in der Syneqt zusammen“, sagt Personalvorstand und Arbeitsdirektor Wessel. Der neu entwickelte Kunstname Syneqt soll auch auf die beiden Komponenten Synergien und Connect abstellen – oder: Syn für Synergien, E für Energie, Q für Qualität und T für Technikkompetenz. Man hebe also Synergien durch ein engeres Zusammenrücken der beiden Chemieparks.

Die GF-Riege ist mit dem Plakat zu sehen, auf dem der Name Syneqt zu lesen ist.

Der neu entwickelte Kunstname Syneqt soll auch auf die beiden Komponenten Synergien und Connect abstellen.

Unklar ist dennoch, wie es mit Marl und Wesseling weitergeht. Zunächst wird Syneqt im Januar 2026 als hundertprozentiges Tochterunternehmen von Evonik Industries starten. Wessel macht aber keinen Hehl daraus, dass er sich im Extremfall auch eine vollständige Veräußerung vorstellen könnte. „Perspektivisch ist der Einstieg von Investoren in verschiedenen Größenordnungen möglich, um weitere Wachstumsmittel für das Geschäft zu erschließen“, sagt er. Gefragt nach möglichen Partnern nennt Wessel Finanzinvestoren, strategische Partner, Dienstleistungsanbieter oder andere Chemieparkbetreiber: „Eigentlich alle, die Interesse an einer sicheren Verzinsung in einem solchen Investment haben“, so Wessel.

Finanzielle Mittel lieber in die Chemie stecken statt in die Infrastruktur

Finanzielle Mittel lieber in die Chemie selbst zu stecken, als in den Ausbau der Chemieparks und damit der Infrastruktur, sei für Evonik rentabler. Durch den Verkauf diverser Geschäftsbereiche an Mitbewerber oder Investoren würden heute ohnehin schon mehr als die Hälfte der Dienstleistungen in Marl und Wesseling für andere Firmen als Evonik erbracht. Außerdem verspricht man sich, neues Geschäft der Syneqt auch außerhalb der beiden Chemiewerke akquirieren zu können. Zudem erhofft Evonik sich mit möglichen neuen Partnern auch mehr Mittel für notwendige Investitionen in den beiden Chemieparks stemmen zu können.

Ihren offiziellen Sitz soll die Gesellschaft in Marl haben, dort werden dann 3000, in Wesseling 500 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben. In die Geschäftsführung geht der bisherige Marler Werksleiter Thomas Basten gemeinsam mit Daniel Brünink und Andreas Orwat.

Wesseling: Güterwagen der Bahn stehen im Chemiepark vor Industrieanlagen.

Der Chemiepark in Wesseling

Die Ausgliederung der Chemieparks und damit der Bereiche Sicherheit, Werksfeuerwehr und ähnlicher Einrichtungen an fremde Gesellschaften ist in der Chemiebranche kein ungewöhnlicher Schritt. Bayer und dessen Ausgliederung Lanxess führten die Chemieparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen unter der Marke „Chempark“ zusammen, betrieben vom neuen Unternehmen Currenta – analog zu Syneqt.

An Currenta hielten die Konzerne zunächst unterschiedlich große Anteile. 2019 kündigten Bayer und Lanxess an, ihre jeweiligen Anteile an die australische Macquarie-Gruppe zu veräußern. Die Anteilsverkäufe fanden 2019 und 2020 statt. Das Unternehmen wird nun zu 100 Prozent von Fonds gehalten, die von Macquarie Asset Management verwaltet werden. Currenta übernimmt unter anderem für Bayer, Lanxess und andere Partnerunternehmen die Berufsausbildung junger Menschen. Jährlich bildet Currenta rund 800 Auszubildende in mehr als 20 Berufen für die Partnerunternehmen und sich selbst aus.