Der einflussreiche Verband lädt Vertreter nicht zu Veranstaltungen ein. Die IHK spricht sich hingegen für eine inhaltliche Debatte mit der Partei aus.
Debatte über FamilienunternehmerKölner Arbeitgeberverband lehnt Zusammenarbeit mit AfD entschieden ab

Wahlplakat der AfD am Breslauer Platz in Köln. (Archivbild)
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Der einflussreiche Verband Arbeitgeber Köln lehnt jegliche Zusammenarbeit mit der AfD entschieden ab. Der Arbeitgeberverband stehe für eine weltoffene, innovative und vielfältige Wirtschaft, sagte Geschäftsführer Dirk Wasmuth auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Wir verzichten darauf, Vertreter dieser Partei zu Panels oder Podien einzuladen, denn wir wollen keine Kräfte stärken, die unsere freiheitliche Grundordnung infrage stellen.“
Arbeitgeber Köln ist die gemeinsame Interessenvertretung von elf Unternehmensverbänden der Region. Unter einem Dach versammeln sich zum Beispiel Köln-Metall, der Arbeitgeberverband Chemie Rheinland und die Kreishandwerkerschaft Köln. Die Mitgliedsverbände vertreten etwa 7000 Betriebe mit rund 300.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Köln und dem Umland.
Familienunternehmer heben „Kontaktverbot“ zu AfD auf
Die Kölner Arbeitgeber stehen mit ihrer Haltung zur AfD konträr zum Verband „Die Familienunternehmer“. Dieser hatte kürzlich erstmals AfD-Politiker zu einer Veranstaltung eingeladen und erklärt, es gebe kein „Kontaktverbot“ mehr. Daraufhin hatten unter anderem die Unternehmen Rossmann, Vorwerk und Fritz-Kola ihren Austritt erklärt.
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Der Familienunternehmer-Verband verteidigte seinen Kurs. Mit Andersdenkenden zu diskutieren, heiße nicht, deren Positionen zu akzeptieren, sagte Präsidentin Marie-Christine Ostermann. Die Hoffnung, man könne ein Viertel der deutschen Wähler durch moralische Ausgrenzung zur Umkehr bewegen, sei nicht aufgegangen. „Jetzt hilft nur noch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der AfD, jenseits von schlichten Kategorisierungen in Gut und Böse.“
Arbeitgeber-Köln-Geschäftsführer Dirk Wasmuth ist in der Bewertung der AfD hingegen sehr deutlich: „Eine Partei, die in Teilen vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird, stellt einen Bruch mit den Werten dar, auf denen unser wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Erfolg fußt: Toleranz, Internationalität und Respekt.“ Dieser basiere auf offenen Märkten, internationaler Zusammenarbeit, Fachkräftezuwanderung, innovationsfreundlichen Rahmenbedingungen und stabiler Politik. Genau diese Prinzipien lehne die AfD ab, so Wasmuth. „Ihre europafeindlichen Positionen bedrohen zusätzlich den Wirtschaftsstandort Deutschland.“
Auch inhaltlich setzt sich Wasmuth kompromisslos mit der AfD auseinander: „Die von der AfD geforderten protektionistischen Maßnahmen würden deutsche Unternehmen von internationalen Märkten isolieren“, sagt er. Auch die wissenschafts- und innovationsskeptische Haltung der Partei vermittle ein rückwärtsgewandtes Weltbild, das im Gegensatz zur Technologie- und Innovationsorientierung der Unternehmen in den Mitgliedsverbänden stehe.
Besonders kritisch bewertet Wasmuth die von der AfD geforderte drastische Einschränkung der Zuwanderung – sie werde „aus ideologischen und polemischen Gründen“ vorangetrieben. „Sie widerspricht der Realität eines angespannten Arbeitsmarktes“, sagte der Geschäftsführer. „Viele Branchen sind heute dringend auf qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Arbeitgeberverbände setzen daher auf gesteuerte, aber offene Arbeitsmigration – nicht auf Abschottung.“
IHK Köln muss politisch neutral sein
„Wir halten uns als IHK Köln an das seit 1956 für alle Industrie- und Handelskammern geltende politische Neutralitätsgebot“, sagte ein Sprecher der Kölner Industrie- und Handelskammer am Freitag auf Anfrage dieser Zeitung zum Umgang mit der AfD. Übersetzt heißt das: Wir sind verpflichtet, die AfD bei Veranstaltungen wie die anderen Parteien zu behandeln. Gleichwohl plädiert die Kammer für den Austausch auch mit der AfD. „Unsere Erfahrungen aus unseren Wahlforen vor den Europa-, Bundestags- und Kommunalwahlen mit allen Parteien zeigt deutlich: Die inhaltliche Debatte hilft bei der politischen Meinungs- und Willensbildung – gerade bei kontroversen Themen“, sagte der IHK-Sprecher.
Schon während einer Sitzung der IHK-Vollversammlung im Juni 2024 hatte Präsidentin Nicole Grünewald für einen Diskurs mit der AfD plädiert. Dem Wortbeitrag war eine Diskussionsveranstaltung zur Europawahl wenige Monate zuvor vorausgegangen. Geplant war sie nur mit Vertretern von CDU, SPD, Grünen und FDP – dann jedoch meldete ein AfD-Kandidat seinen Teilnahmewunsch an. Diesen verwehrte die IHK nach rechtlicher Prüfung nicht. Der AfD-Kandidat saß mit auf dem Podium – die Vertreter von SPD und Grünen blieben daraufhin fern.
Eine Antwort der Handwerkskammer zu Köln auf die Frage zum Umgang mit der AfD stand am Freitag noch aus.

