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Deutz-Chef Schulte über Olympia in Köln„Wenn ich Erfolg haben will, darf ich keine halben Sachen machen“

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Sebastian Schulte, Vorstandsvorsitzender der Deutz AG beim Start der Olympia-Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr

Sebastian Schulte, Vorstandsvorsitzender der Deutz AG, beim Start der Olympia-Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr

Sebastian Schulte führt den Kölner Motorenbauer und Rüstungszulieferer Deutz. Bei Olympia 2004 verpasste der Ruderer eine Medaille – doch als Sportler hat er viel für seine Karriere gelernt.

Herr Schulte, Sie sind eines der Gesichter der regionalen Wirtschaft, die hinter der Olympia-Bewerbung von Köln-Rhein-Ruhr stehen. Ihre persönliche olympische Erfahrung als Ruderer war nicht nur glücklich. Sie wurden 2004 mit dem Deutschland-Achter Vierter und verpassten knapp eine Medaille. Wären Spiele vor der Haustür eine Versöhnung mit Olympia?

Olympia ist für Athleten das größte. Dort teilzunehmen und diese besondere Stimmung mitzuerleben ist einzigartig. Natürlich möchte man dann auch eine Medaille, dafür tritt man an. Dass wir damals nicht mit der gewünschten Medaille nach Hause gegangen sind, ändert nichts an der Strahlkraft, die dieses Event mit sich bringt. Nicht nur für uns Athleten. Es geht bei Olympia um viel mehr.

Um was denn?

Wenn es uns gelingt, Olympia hier her zu holen, dann wird das ein unvergessliches Gemeinschaftserlebnis für die gesamte Region. Olympia als positive Zukunftserzählung, die wir als Land so dringend brauchen. Dafür sind wir an Rhein und Ruhr ideal aufgestellt. Aber nur, wenn wir dieses Kirchturmdenken – auch wenn wir hier schöne Kirchtürme haben – überwinden und gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Wir müssen raus aus diesem trägen Zustand, in dem viele Zukunftsprojekte verhindert werden oder im klein-klein stecken bleiben. Das wird die größte Herausforderung.


Sebastian Schulte, 1978 in Wiesbaden geboren, ist seit Februar 2022 Vorstandsvorsitzender des Kölner Motorenbauers und Rüstungszulieferers Deutz AG. Von 2001 bis 2007 gehörte er zur Stammbesetzung des deutschen Ruder-Achters, mit dem er 2006 Weltmeister wurde. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen landete das Team auf dem vierten Platz. Während der Sportkarriere studierte Schulte Wirtschaftswissenschaften in Bochum und promovierte in Cambridge. Von 2008 bis 2020 bekleidete er verschiedene Positionen im Thyssenkrupp-Konzern, ehe er Anfang 2021 als Finanzvorstand zur Deutz AG wechselte.

Das Team des Deutschland-Achters steht mit schwarz-rot-goldenen Rudern auf einem Steg, darunter Sebastian Schulte

Von 2001 bis 2007 gehörte Sebastian Schulte zur Stammbesetzung des Deutschland-Achters


Dass die Gastronomie, der Tourismus oder die Baubranche von der Ausrichtung profitieren könnten, klingt logisch. Was aber hätte die Deutz AG von einer Ausrichtung in Köln?

Wir werden nicht mehr Motoren oder Stromgeneratoren verkaufen, weil Olympia vor Ort ist, das ist klar. Aber uns als Deutz geht es gut, wenn es dem Wirtschaftsstandort gut geht. Wir sehen eher die mittelbaren Effekte. Was bedeutet das konkret? Mit Olympia setzen wir uns ein Ziel, das Aufbruchstimmung kreiert und gegen das wir arbeiten können: mit Blick auf Infrastruktur und Digitalisierung, bei denen wir dringend ein Update benötigen, aber auch mit Blick auf die Zusammenarbeit zwischen ganz unterschiedlichen Menschen und Interessensgruppen.

Was ist Ihr persönlicher Input bei dieser Bewerbung?

So eine Bewerbung und eine Ausrichtung muss von mehreren Schultern getragen werden. Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Viele andere Unternehmen in der Region brennen schon für die Idee. Jeder will dabei sein. Und auch wir werben aktiv für die Idee Olympischer Spiele an Rhein und Ruhr.

Parallelen zwischen Sport und Wirtschaft

Ist auch eine finanzielle Unterstützung geplant?

Erstmal ist sie nur ideell – und ich glaube, das ist verdammt viel wert. Ob wir zu einem späteren Zeitpunkt mehr daraus machen, muss man dann sehen.

Nun sind Sie nicht nur CEO eines börsennotierten Unternehmens, sondern waren auch erfolgreicher Leistungssportler. Welche Rolle ist Ihnen lieber?

Alles zu seiner Zeit. Ich bin sehr zufrieden, wie es gekommen ist. Natürlich habe ich im Sport den Erfolg genossen und jeden Misserfolg verflucht. Im wirtschaftlichen Leben ist das nichts anders. Ich denke, es gibt da viele Parallelen. Ich habe als Sportler sehr viele Dinge gelernt, die mir in meiner zweiten Karriere geholfen haben: Durchhaltevermögen, Leistungsorientierung und Teamfähigkeit. Wenn ich Erfolg haben will, muss ich dem vieles unterordnen und darf keine halben Sachen machen.

In den 2000er Jahren haben Sie diese Rollen kombiniert – Studium und Sport. Wie hat das funktioniert?

Ich habe vor allem Sport gemacht und die übrige Zeit studiert (lacht). Da hatte ich es mit BWL sicherlich etwas einfacher als Kommilitonen, die Physik oder Chemie studiert haben. Zudem ist Rudern eine Sportart, die ein paralleles Studium ganz gut ermöglicht hat.

Seit diesem Jahr ist die Deutz AG Förderer der Stiftung Deutsche Sporthilfe

Die Möglichkeit einer dualen Karriere wollen Sie offenbar auch an andere weitergeben. Seit kurzem ist Deutz Nationaler Förderer der Deutschen Sporthilfe. Was hat es damit auf sich?

Wir unterstützen gezielt das Talent Team der Sporthilfe. Also rund 2000 Nachwuchsathletinnen und -athleten aus ganz unterschiedlichen Sportarten und bewusst am Anfang der Karriere, weil in dieser Phase Förderung die größte Wirkung entfaltet. Am Ende geht es uns um eine bessere Verknüpfung von Sport und Wirtschaft. Leistungssportler bringen Qualifikationen mit, die für Unternehmen einen enormen Wert haben. Sie sind potenzielle Fach- und Führungskräfte. Dafür müssen sie nicht zwangsläufig Olympiasieger werden, das gilt auch schon für junge Kader-Athleten.

Als klassischer Sportsponsor – so wie es viele andere Konzerne machen – sucht man hingegen lange nach Deutz.

Wir bei Deutz machen Dinge anders. Das gilt auch für Sportsponsoring. Für uns hat es als B2B-Unternehmen keinen Mehrwert, unser Logo auf irgendein Trikot zu packen. Auch wenn wir ein schönes Logo haben und da vielleicht Erinnerungen an die 70er und Bayern München wach werden. Mit unserer Partnerschaft wollen wir den Talentpool Spitzensportler besser erschließen. Wir können es uns als Land nicht leisten, dass Sportler mit ihren Qualifikationen immer noch zu häufig durch das Raster von standardisierten Anforderungsprofilen in Unternehmen fallen. Das wollen wir ändern.

Klar, wenn man sich einredet, man sei nicht wettbewerbsfähig, ist man es auch irgendwann nicht mehr. Ich würde das gerne umdrehen. Wir müssen auf das bauen, was wir können.
Sebastian Schulte, Vorstandsvorsitzender der Deutz AG

Wir gehen noch einmal zurück zur Metaebene: In der Wirtschaft und im Sport wird viel gemeckert, Deutschland sei nicht mehr wettbewerbsfähig. Was ist dran?

Klar, wenn man sich einredet, man sei nicht wettbewerbsfähig, ist man es auch irgendwann nicht mehr. Ich würde das gerne umdrehen. Wir müssen auf das bauen, was wir können. Wir merken es bei Deutz: Wir waren lange Zeit verpönt als der langweilige Motorenbauer aus Köln. Jetzt haben wir eine Transformation hingelegt. Wir sind nicht mehr nur von einem Produkt abhängig, dem Dieselmotor, sondern sind breiter aufgestellt, haben Umsatz und Profitabilität gesteigert, sind in den MDax aufgestiegen. Und zwar, weil alle Teams daran gearbeitet haben und wir uns gesagt haben: „Wir können mehr“. Auch die Erfahrung aus dem Sport zeigt: Wenn ich an der Startlinie stehe, will ich um eine Medaille kämpfen – sonst brauche ich es nicht zu probieren. Wir sind super im Zerreden, sollten uns aber auf das berufen, was wir können. Das gilt auch für die Olympiabewerbung.

Also alles nur eine Frage des richtigen Mindsets?

Natürlich muss man trainieren und gute Produkte liefern. Nur zu sagen, „Ich bin der Tollste“, reicht nicht. Es ist eine Kombination. Man muss es sich vornehmen und dann an sich glauben. Meine Erfahrung ist, dass es dann meistens auch klappt.

Auch die Olympia-Abstimmung in Köln?

Ja, selbstverständlich, dafür treten wir an.