Köln – Nach mehr als sechs Wochen sind am Montag rund 7500 Mitarbeiter wieder an ihre Arbeitsplätze in den Kölner Fordwerken zurückgekehrt. Seit dem 19. März ruhte die Produktion in ganz Kontinentaleuropa, am Montag lief die Fertigung in Spanien, Rumänien sowie in den deutschen Werken in Saarlouis und Köln wieder an. In Köln wird der Fiesta-Bau im Ein-Schicht-Betrieb wieder hochgefahren, ebenso wie die Motorenfertigung.
Wie für das gesamte Werk gilt auch für die rund 1600 Mitarbeiter in der Fertigung ein umfangreiches Sicherheitskonzept. Wer das Gelände betritt, dessen Temperatur wird gemessen. In allen Bereichen gilt Mundschutz-Pflicht, für die Produktion, wo sich der Sicherheitsabstand oft schwerer einhalten lässt, tragen die Mitarbeiter Gesichtsschilde aus Plexiglas. Auch weil die körperliche Arbeit unter diesen Bedingungen erschwert sei, laufen die Bänder langsamer, sagte Ford-Chef Gunnar Herrmann. Etwa 70 Prozent der normalen Fertigung pro Schicht sollen laut Herrmann zunächst erreicht werden. Mit dem Sicherheitskonzept liege man über dem Standard in der Industrie, betonte der Fordchef.
Laschet lobt Vorbereitungen von Ford
„Es ist gut, dass die Produktion heute wieder beginnt“, sagt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der mit Mundschutz und Plexiglas-Schild für einen kurzen Besuch zum Produktionsstart nach Niehl gekommen war. Die Vorbereitungen des Kölner Autobauers seien sehr gut durchdacht und entsprächen der von der Landesregierung propagierten „verantwortungsvollen Normalität“. Für die Ford-Mitarbeiter sei es wichtig, „rauszukommen aus der Kurzarbeit“, so Laschet. „Und so ist es gut, dass die Produktion heute wieder beginnt.“
Ifo: Schlechte Aussichten für Autoindustrie
Wie schwierig die Lage der Autoindustrie durch die Corona-Krise geworden ist, verdeutlichte das Münchner Ifo-Institut mit den Ergebnissen seiner jüngsten Konjunkturumfrage. Demnach schätzen die Autobauer ihr aktuelles Geschäft so negativ ein wie nie, auch die Geschäftserwartungen für die nächsten drei Monate wurden „noch düsterer“. Die entsprechenden Ifo-Branchenindizes stürzten im April auf minus 85,4 und minus 45,7 Punkte ab. „Wir haben noch nie so schlechte Zahlen für diese Schlüsselbranche ermittelt“, teilte das Forschungsinstitut mit. Die Geschäftslage der Branche habe sich „dramatisch verschlechtert“.
Die Ökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht die Hersteller allerdings weniger stark durch Corona beeinträchtigt als andere Branchen. „Durch Kurzarbeitergeld und direkte Wirtschaftshilfen ist ihnen und ihren Mitarbeitern schon erheblich geholfen“, und eine Prämie werde ihr Absatzproblem nicht lösen. (dpa)
Vor dem Autogipfel am Dienstag im Kanzleramt, wo die Spitzen der Industrie zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel und Vertretern der Regierung über mögliche Kaufprämien beraten, sagte Laschet, „wir brauchen jetzt Konjunkturimpulse“. Nicht nur die Hersteller, sondern auch die Zulieferer und Autohäuser seien in einer schwierigen Situation. Ein Hilfsprogramm für die Branche müsse einen Anfangsimpuls geben. Und auch Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte müssten berücksichtig werden.
Fordchef Gunnar Herrmann spricht mit Blick auf staatliche Unterstützung von einem „kurzfristigen Beschleuniger“. Es müsse keine „ellenlange Förderung“ geben, sondern nach den Einbrüchen der Nachfrage im Zuge von Corona müsse jetzt eine Dynamik stimuliert werden.
Kritik für neue Abwrackprämie
Im Vorfeld des Autogipfels ist in den vergangenen Tagen eine Kontroverse über Art und Umfang der Förderung entbrannt. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sprach sich für eine Prämie auf Neu- und Gebrauchtwagenkäufe mit Verbrennungsmotoren ab der Abgasnorm Euro 6 aus. „Jeder schadstoffarme Antrieb muss technologieoffen unterstützt werden, nicht nur wie derzeit Elektroautos“, sagte Aiwanger.
Die „Wirtschaftsweise“ Monika Schnitzer kritisierte hingegen die Forderung nach Kaufprämien für Neuwagen als „puren Lobbyismus“. Die Autoindustrie habe lange „wichtige Trends wie die E-Mobilität und die Wasserstofftechnologie verschlafen“, so die Wirtschaftswissenschaftlerin. Aus Sicht von Verbraucherschützern muss eine Kaufförderung die klimapolitischen Ziele Deutschlands und der EU unterstützen.
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Auch von SPD, FDP und Linkspartei kam Widerstand gegen eine Neuauflage der Abwrackprämie. Aus Sicht führender SPD-Politiker dürfen Kaufanreize nicht die Transformation der Branche zu klimafreundlicheren Antrieben gefährden. „Eine Abwrackprämie, die Technologien aus dem letzten Jahrhundert fördert, löst keine Probleme von Morgen“, erklärte der Fraktions-Vizechef Sören Bartol. Vor dem Hintergrund des Dieselskandals und „der Milliardengewinne, die die Autoindustrie schon vor Corona eingefahren hat“, seien Prämien nicht vermittelbar. (mit dpa)



