Ein wichtiger Trend scheint an Köln vorbeizuziehen. Von der Konjunkturerholung, die Fachleute des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) jüngst für NRW prognostizieren, bleibt Köln weitestgehend ausgeschlossen. Die Unternehmen im Bezirk der Industrie- und Handelskammer Köln (IHK) blicken zwar weniger pessimistisch auf die kommenden Monate, von einer Entwarnung könne aber keine Rede sein, sagt Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.
Immerhin verbessert sich der Konjunkturklimaindikator der IHK Köln erstmalig wieder und steigt auf rund 91 Punkte. Dennoch bleibt das Geschäftsklima zum zehnten Mal in Folge unter 100 Punkten, der Schwelle, ab der die Wirtschaft wieder wächst. „Bis zu einer echten Erholung ist es noch ein weiter Weg“, so Vetterlein. Während die IT-Branche vom anhaltenden KI-Boom und der Maschinenbau von steigenden Verteidigungsausgaben profitieren, bleibt eine wirtschaftliche Erholung in der Breite aus.
Die Unternehmen brauchen niedrigere Energie- und Arbeitskosten und vor allem einen wirksamen Bürokratieabbau
Nur jedes fünfte Unternehmen bewertet die aktuelle Geschäftslage laut der Umfrage als „gut“. Ein Viertel der Unternehmen rechnet mit einer weiteren Verschlechterung der Lage in den nächsten zwölf Monaten. Vetterlein mahnt, bei den anstehenden politischen Reformen nicht nachzulassen. „Die Unternehmen brauchen niedrigere Energiekosten, niedrigere Arbeitskosten und vor allem einen wirksamen Bürokratieabbau, der sie wieder handlungsfähiger macht. Und zwar jetzt.“
Die anhaltende Konjunkturschwäche wirkt sich weiterhin auf den Arbeitsmarkt aus, eine Entspannung ist vorerst nicht absehbar. Mehr als ein Viertel der Kölner Unternehmen plant, Stellen abzubauen. Nur 13 Prozent beabsichtigen, neu einzustellen.
Industrie besonders unter Druck
Die traditionell energieintensive Industrie in NRW hat vor allem der kräftige Anstieg der Energiepreise durch den Iran-Konflikt hart getroffen. Auch in der Region Köln steht die Industrie unter Druck. Zollkonflikte, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten prägen die Branche. Ein Drittel der Industrieunternehmen bewertet ihre aktuelle Geschäftslage als „schlecht“. Gerade einmal zehn Prozent der Unternehmen blicken positiv in die Zukunft. Knapp die Hälfte der Unternehmen meldet sinkende Auftragseingänge. Obwohl sich die Ausgangslage beim Exportgeschäft bereits schwierig gestaltet, rechnen 30 Prozent mit einem weiteren Rückgang.
Ebenso im Baugewerbe und im Einzelhandel verbessert sich die Geschäftslage nicht. Letzterer bekam die Zurückhaltungen der Konsumenten aufgrund der steigenden Preise deutlich zu spüren. Im Großhandel haben sich dagegen die aktuelle Situation und auch die Erwartungen verbessert. Der Dienstleistungssektor kann sich insgesamt besser behaupten als Industrie und Handel.
IHK-Umfrage: Deutliche Branchenunterschiede bei Investitionen
Bei den Investitionen zeigt sich eine leicht positive Tendenz, auch wenn der Fokus auf dem Ersatzbedarf liegt. Der Umweltschutz verliert als Investitionsmotiv weiter an Bedeutung, auch der Ausbau von Kapazitäten spielt kaum eine Rolle. Hier zeigen sich erneut deutliche Branchenunterschiede: Während die IT-Branche und der Maschinenbau positive Entwicklungen verzeichnen, bleibt die Investitionsbereitschaft in den übrigen Industriebranchen sehr schwach.
Über die Hälfte der Kölner Unternehmen sieht das größte Geschäftsrisiko in der schwachen Inlandsnachfrage. Ähnlich viele sorgen sich wegen der anhaltend hohen Energiepreise, Arbeitskosten und der Politik. „Die Nachfrage bleibt schwach, Risiken und Kosten bleiben hoch. Jetzt gilt es, das Vertrauen in den Standort zu stärken und den Unternehmen eine verlässliche Perspektive zu geben“, sagt Vetterlein.
Kölner Stadtgebiet
Positive Tendenzen gibt es aber auch: Die Geschäftslage der Kölner Unternehmen im Stadtgebiet hat sich verbessert. Der IHK‑Konjunkturindikator verzeichnet einen Anstieg von 7,2 Punkten. 24 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre Lage als „gut“. Demgegenüber stehen jedoch immer noch 23 Prozent, die ihre Lage als „schlecht“ bezeichnen. Auf die kommenden Monate blicken die Unternehmer jedoch pessimistisch. 25 Prozent erwarten eine Verschlechterung und nur 14 Prozent eine Verbesserung ihrer Geschäfte.
Dementsprechend bleiben auch die Beschäftigungsaussichten schwach. 27 Prozent planen einen Stellenabbau, lediglich 15 Prozent planen Neueinstellungen. Die Daten der IHK zeigen jedoch auch, dass die Investitionsbereitschaft deutlich gestiegen ist. Mehr als jedes dritte der Unternehmen plant Investitionen.


