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Politischer AschermittwochTorsten Burmester kritisiert Haltung der Kölner IHK

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18.02.2026, Köln: Der Verein Arbeitgeber Köln und der Telekommunikationsanbieter Netcologne veranstalten ein Katerfrühstück. Foto: Uwe Weiser

Netcologne-Chef Timo von Lepel (v.l.) mit Oberbürgermeister Torsten Burmester und Gunnar Herrmann, Vorsitzender der Arbeitgeber Köln

Beim Katerfrühstück der Kölner Arbeitgeberverbände und von Netcologne trafen rund 200 Gäste aus der Kölner Wirtschaft zusammen.

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) hat beim politischen Aschermittwoch der Kölner Arbeitgeber und von Netcologne die Kölner Industrie- und Handelskammer (IHK) kritisiert und aufgerufen, mit der Verwaltung an Ideen für eine positive Entwicklung des Innovations- und Wirtschaftsstandorts Köln zu arbeiten. „Ich erwarte auch, dass wir mit der IHK gemeinsam diskutieren und Vorschläge entwickeln können“, sagte Burmester beim traditionellen Katerfrühstück. „Alle zusammen und gemeinsam – mit dem Ziel, nicht nur zu sagen: Es ist Viertel nach zwölf. Sondern gemeinsam zu versuchen, Köln besser zu machen. Das wäre mein Wunsch.“

18.02.2026, Köln: Der Verein Arbeitgeber Köln und der Telekommunikationsanbieter Netcologne veranstalten ein Katerfrühstück. Foto: Uwe Weiser

IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein (l.) und Kammerpräsidentin Nicole Grünewald

Der Oberbürgermeister bezog sich damit auf die schon seit Jahren wiederkehrende Aussage der Kölner IHK-Präsidentin Nicole Grünewald, für die Wirtschaft sei es Viertel nach zwölf, sie befinde sich im Dauerkrisenmodus.

„Das ist auch unser Wunsch“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Uwe Vetterlein auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“ zur Aufforderung Burmesters. „Wir freuen uns auf das nächste Treffen des Stadtvorstands mit unserem Präsidium.“

18.02.2026, Köln: Der Verein Arbeitgeber Köln und der Telekommunikationsanbieter Netcologne veranstalten ein Katerfrühstück. Foto: Uwe Weiser

Torsten Burmester im Gespräch mit Moderatorin Gesa Eberl

Rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Stadtgesellschaft und Verwaltung waren der Einladung von Netcologne und den Arbeitgeberverbänden ins Hotel Pullman gefolgt. Netcologne-Vorstandsvorsitzender Timo von Lepel schlug bei der Begrüßung optimistische Töne an: „Es gibt so viele Menschen und so viele Unternehmen, die in Köln anpacken und den Wirtschaftsstandort attraktiver machen wollen, und das wird uns auch gelingen.“ Er freue sich außerdem, dass die Handlungsempfehlungen aus der vor einem Jahr beim Katerfrühstück vorgestellten Studie „Starke Wirtschaft. Starkes Köln“ im vergangenen Herbst Grundlage für einen Beschluss des Stadtrats zur Stärkung des Industriestandorts waren. Von Lepel wertete diesen Schritt als „starkes politisches Signal, dass Wirtschaftspolitik eine Priorität hier in Köln hat“.

Köln verfügt über starke Grundlagen

„Jetzt gilt es nur noch, unser Strategiepapier umzusetzen“, sagte Gunnar Herrmann, Vorsitzender der Arbeitgeber Köln. „Anzupacken, umzukrempeln und zu machen – da gucke ich Sie, Herr Burmester, an. Sie haben das Potenzial, hier alle zusammenzubringen. Und wir helfen Ihnen gerne.“ Herrmann spannte den Bogen von der Modernisierungsagenda Konrad Adenauers vor mehr als hundert Jahren bis zur Gegenwart. Köln brauche erneut den Mut zu klarer Führung und großen Projekten.

Köln verfügt in jedem Fall über starke Grundlagen. Darüber waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der anschließenden Diskussionsrunde einig. Unternehmerin Sandra von Möller, Louise Farina, in neunter Generation Inhaberin des Parfümhauses Farina, Frank Blase, Inhaber des Technologiekonzerns Igus, und Mark Kley, der das Gateway Exzellenz-Start-up-Center der Kölner Uni leitet, sprachen mit OB Torsten Burmester über Chancen und Herausforderungen der Kölner Wirtschaft. Einigkeit herrschte darüber, dass schnelle, sichtbare Fortschritte bei Sauberkeit, Verkehrsentwicklung, Wohnraum und Entbürokratisierung entscheidend seien, um Köln als Standort für Unternehmen, Fachkräfte und Investoren noch attraktiver zu machen.

Auch auf Landesebene hatten die Arbeitgeberverbände zum Politischen Aschermittwoch geladen, um mit der Politik ins Gericht zu gehen. Nur teilweise Lob gab es für die Verkehrspolitik des schwarz-grünen Kabinetts von Hendrik Wüst (CDU). Es sei langsam Besserung in Sicht, „funktionale Ausschreibungen und mehr Expressbauweisen sind richtige Schritte, um schneller zu sanieren“, sagte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes „Unternehmer NRW“ in Düsseldorf, Arndt Kirchhoff. Kirchhoff ist Mitinhaber und Aufsichtsratsvorsitzender des Automobilzulieferers Kirchhoff Gruppe mit 14.000 Beschäftigten.

Dennoch kritisierte der Arbeitgeberpräsident in Richtung Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne): „Ich habe den Eindruck, dass Minister Krischer hier langsam auch die Kurve zu kriegen scheint. Doch immer noch gilt sein Leitsatz ,Erhalt vor Ausbau'. Ich sage ganz klar: Wer Wachstum will, der braucht beides“.

Derweil warnte Kirchhoff mit Blick auf die schwarz-rote Bundesregierung vor einer „Klassenkampf-Rhetorik“. Sein Appell: „Hört auf damit!“ Vor allem sozialpolitische Debatten würden populistisch geführt. „Berlin droppt auf der einen Seite Schlagworte zur Arbeitszeit oder zum Krankenstand. Und die andere Seite weist das reflexartig zurück, statt vernünftig zu diskutieren.“ Er erwarte mehr Verantwortungsübernahme von den Koalitionspartnern.