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Kooperation mit WoltRewe startet Sofort-Lieferservice in Köln

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Ein Wolt-Fahrer hält auf seinem Rad vor einer Rewe-Filiale.

Wolt-Kuriere beliefern die Kölner bald mit Rewe-Artikeln. Maximal eine Stunde soll zwischen Bestellung und Ankunft der Ware vergehen.

Maximal eine Stunde bis Butter oder Bananen beim Kunden sind. Das verspricht der neue Schnell-Lieferservice von Rewe. So funktioniert er.

Erinnern Sie sich noch an Gorillas, Getir oder Amazon Fresh? Sie alle waren angetreten, Lebensmittel und Haushaltsgüter binnen kürzester Zeit an die Haustür der Kunden zu liefern.  Eine Zeit lang stellten die ambitioniertesten unter den Start-ups Bringzeiten von zehn Minuten in Aussicht. Schnell waren die Dienste vor allem eins: wieder weg. Gorillas kapitulierte zuerst und ließ sich durch Getir aufkaufen. Getir wiederum zog sich im Mai 2024 aus Deutschland zurück, Amazon Fresh stellte seinen Dienst im Dezember desselben Jahres ein. Nun nimmt ausgerechnet die Rewe-Gruppe einen neuen Anlauf, die Deutschen an den spontanen Lebensmittel-Einkauf zu gewöhnen. Binnen einer Stunde sollen Kunden die georderten Artikel in Händen halten. Rewe Sofort-Lieferung heißt der neue Service, der ab sofort auch in Köln verfügbar ist. Bestellt wird nicht über die Rewe-App, sondern beim Partner Wolt. In Frankfurt am Main liefert Uber Eats für Rewe aus, in Hamburg und Jena kooperiert der Handelsriese mit Lieferando.

Milliardenumsatz bis 2030 möglich

Dass der Markt für Schnelllieferdienste, im Branchenjargon ist von „Quick Commerce“ die Rede, etwas „eingerostet“ sei, gibt Clemens Bauer, E-Commerce-Chef beim Kölner Handelskonzern im Gespräch mit unserer Redaktion zu. Bedarf für das neue Angebot gebe es trotzdem. „Das Leben ist nicht hundertprozentig planbar“, sagt Bauer. „Es gibt immer wieder eine Situation, in der die Eiswürfel fehlen oder die Eier für den Kuchen. Wir wollen auch in diesen Momenten für unsere Kunden da sein.“ Prognosen wie die vom Marktforschungsinstitut Mordor Intelligence stützen die Einschätzung. Sie trauen dem Segment bis 2031 immerhin ein jährliches Wachstum von etwas mehr als acht Prozent zu. Rewe beruft sich zudem auf eine Statista-Prognose, die dem Segment einen Jahresumsatz von gut 1,3 Milliarden Euro bis 2030 in Deutschland vorhersagt. Das hat mit der Goldgräberstimmung, die während der Corona-Zeit etliche Lieferdienste aus dem Boden sprießen ließ, zwar nichts mehr zu tun, erscheint aber lukrativ.

Rewe E-Commerce-Chef Clemens Bauer (r.) und Wolt Retail-Chef Bassel Soukar in einer Rewe-Frischeabteilung

Rewe E-Commerce-Chef Clemens Bauer (r.) und Wolt Retail-Chef Bassel Soukar in einer Rewe-Frischeabteilung

Für Rewe-Manager Bauer ist es sogar „der nächste logische Schritt“. Schließlich verfüge das Unternehmen bereits über einen erfolgreichen Lieferdienst und könne mit rund 2200 Märkten aufwarten, in denen Kunden bereits heute online bestellte Ware vorgepackt abholen können. „Wir haben also die Menschen und die Technologie für einen schnellen Lieferservice“, so Bauer.

Dreistellige Zahl von Läden soll bis 2026 den Service anbieten

Der unterstreicht im Gespräch mit unserer Redaktion, dass Rewe es durchaus ernst meint mit dem neuen Angebot. Auf den Start in Köln, Frankfurt, Hamburg und Jena sollen schnell weitere Städte folgen. Danach soll der Dienst „kurzfristig“ deutschlandweit ausgerollt werden, auch abseits der Metropolen. Das Angebot soll ausdrücklich auch in mittlere und kleine Städte gelangen. Wie schnell das klappe, hänge davon ab, wie gut der Kunde das Angebot annimmt und ob ausreichend Kapazitäten vorhanden sind, etwa genügend Fahrer, sagt Bauer.

Denn der Service ist durchaus personalintensiv. „Nach der Bestellung beginnt das Rewe-Personal mit dem Packen der Ware“, berichtet Bassel Soukar, Leiter Retail beim Rewe-Partner Wolt. „Zeitgleich macht sich ein Kurier auf den Weg zum Markt, wo er die Bestellung abholt. Der Kunde kann den Prozess in seiner App verfolgen.“ Viele kennen den Ablauf bereits von einer Essensorder per App. Da die Bestellung über die gesamte Öffnungszeit eines Rewe-Markts hinweg möglich sein soll, rechnet auch Bauer mit zusätzlichem Personalbedarf in den Filialen. 

Mindestbestellwert: 25 Euro

Voraussetzung für den Erfolg des Service sei ein verlässliches und niedrigschwelliges Angebot. Das wollen Rewe und Wolt in Köln mit einem Mindestbestellwert von 25 Euro bieten. Die Liefergebühr hängt von der Entfernung des Empfangsorts vom Markt ab und lässt sich damit weniger einfach kalkulieren. Jeder Kunde wird den Versuch in seiner App selbst machen müssen. Immerhin, die Chancen, dass ein nahe gelegener Markt ans Sofort-Liefer-System angeschlossen ist, stehen nicht schlecht. In Köln nehmen zum Beginn des Services gleich fünf Märkte am Angebot teil (siehe Liste unter dem Beitrag). Die Artikelauswahl ist nach Auskunft von Bassel Soukar „stark“. Bis zu 9000 Produkte aus dem Rewe-Sortiment, von Tiefpreisartikeln über Eigenmarken bis hin zu Kühl- und Tiefkühlware umfasst das Angebot. Soukar muss es wissen. Sein Lieferdienst Wolt arbeitet in fast 30 Ländern mit unterschiedlichen Einzelhändlern zusammen. Erfahrungswerte zeigen, dass insbesondere Obst und Gemüse sowie Molkerei- und Fertigprodukte bei Spontan-Einkäufen gefragt sind.

Generell gelten die Deutschen im internationalen Vergleich als Online-Muffel. In Ländern wie den USA, Frankreich und Großbritannien hätten Lieferdienste Anteile von zehn bis 15 Prozent am Lebensmittelmarkt, berichtet Bauer. „In Deutschland sind es derzeit nur vier Prozent“. Gründe dafür sieht der Rewe-Chef in der hohen Supermarktdichte hierzulande. Wer eine Einkaufsmöglichkeit auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet, greift nicht zum Smartphone und sucht sich seine Waren digital zusammen.

In der Zukunft könnte der Online-Einkauf aber noch deutlich komfortabler und leistungsfähiger werden. „Wir wollen dahin, dass wir uns real-time mit unseren Kunden abstimmen können“, umreißt Bauer seine Vision. Rewe-Mitarbeiter könnten dann noch während des Packens per App auf Angebote hinweisen oder für Artikel, die nicht verfügbar sind, Ersatz anbieten. Der neue superschnelle Service ist vielleicht ein erster Schritt in diese Zukunft des Einkaufens.

In diesen Kölner Rewe-Märkten ist der Service zum Start am 15.9.26 verfügbar

Salierring 47-53

Bonner Straße 211

Neusser Straße 665

Vogelsanger Straße 16

Luxemburger Straße 299