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Rhein-EnergieVersorger erwartet nach Rekordeinnahmen sinkende Gewinne

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Mit einer Investition von 280 Millionen Euro treibt die Rhein-Energie die Energie- und Wärmewende in Köln voran. Am Standort Niehl entsteht Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe, die ab 2028 klimafreundliche Fernwärme für bis zu 50000 Haushalte liefern soll.

Mit einer Investition von 280 Millionen Euro treibt die Rhein-Energie die Energie- und Wärmewende in Köln voran. Am Standort Niehl entsteht Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe, die ab 2028 klimafreundliche Fernwärme für bis zu 50.000 Haushalte liefern soll. 

Die Folgen des Energiemangels haben dem städtischen Unternehmen Rekordergebnisse gebracht, das wird sich bald ändern. Die vorläufige Genehmigung für die Großwärmepumpe in Köln-Niehl ist erteilt.

Seit dem Ausbruch des Angriffskriegs gegen die Ukraine mit seinen Auswirkungen auf den Energiemarkt hat die Rhein-Energie Rekordgewinne eingefahren. Obwohl der Konflikt noch längst nicht vorbei ist, erwarten Experten jedoch mittelfristig niedrigere Preise für Gas und Strom, was auch den Rhein-Energie-Gewinn schmälern könnte. Die Ausschüttungen an die Stadt Köln als Eigentümerin dürften in den kommenden Jahren sinken, auch weil die Rhein-Energie so kräftig wie noch nie in Infrastruktur investiert. Am Montag zog der Rhein-Energie-Vorstand Bilanz - ein Überblick:

Wie hat sich der Gewinn entwickelt?

Der Vorsteuer-Gewinn ist bei der Rhein-Energie die zentrale Kenngröße. Im abgelaufenen Jahr 2025 lag er bei 276 Millionen Euro, das sind zwar fast 100 Millionen weniger als in den vergangenen zwei Jahren, doch viel mehr als der langjährige Durchschnitt. In den sieben letzten Jahren vor Ausbruch des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine lag der Gewinn vor Steuern stets zwischen 150 und 180 Millionen Euro.

Warum war der Gewinn so hoch?

Wie Rhein-Energie-Chef Andreas Feicht bei der Bilanzpressekonferenz erklärte, liegt der Gewinnsprung nach 2022 an den Querelen auf dem Energiemarkt weltweit. „Zum einen ist die Rhein-Energie als Gruppe breit in allen energiewirtschaftlichen Wertschöpfungsfeldern aufgestellt, was sie stabiler macht, wenn Marktumfelder schwierig werden. Zum anderen konnten wir in der hoch volatilen Lage auf den Energiemärkten unsere Vorteile bei der langfristigen Vermarktung unserer Eigenerzeugung, im Handel und im Vertrieb strategisch nutzen, was diese Ergebnisse ermöglicht hat“, sagte Feicht auf Nachfrage.

Birgit Lichtenstein, im Vorstand verantwortlich für Finanzen, Einkauf, IT und Zentrale Dienste, ergänzte: „Es gab ein besonders volatiles Marktumfeld, in dem es darauf ankommt, auf Preissignale schnell und richtig zu reagieren. Das haben wir getan.“ Die Ergebnisse sicherten die wirtschaftliche Resilienz des Unternehmens. „Sie ermöglichen uns Investitionen in eine zukunftsgerichtete, sichere Energie- und Wasserversorgung.“

Ein weiterer Grund für den außerordentlich hohen Gewinn ist zudem, dass die Rhein-Energie eine Reihe von Kunden-Insolvenzen erwartet hatte. Dafür habe man Rückstellungen gebildet. Die Insolvenzwelle ist  laut Lichtenstein ausgeblieben, die Rückstellungen konnten gewinnbringend aufgelöst werden.

Wofür wird der Gewinn verwendet?

Die Rhein-Energie will 185 Millionen Euro des Gewinns an die städtisch Holding GEW und damit indirekt an die Stadt als größten Eigentümer des Unternehmens ausschütten. In der GEW werden dann in den kommenden Wochen die ausgeschütteten Gewinne der anderen Stadttöchter wie Netcologne oder HGK verrechnet, insbesondere mit den Verlusten von KVB und den Kölner Bädern. Unterm Strich dürfte schließlich eine kleinere Summe in der Stadtkasse landen.

Weitere 45 Millionen Euro werden an den zweiten Anteilseigner, den Essener Versorger Eon ausgeschüttet. Eon besitzt als Minderheitseigentümer 24,2 Prozent der Rhein-Energie. Laut Satzung muss die Stadt Köln immer Mehrheitseigner bleiben.

Wie wird sich der Gewinn in Zukunft entwickeln?

Für die Zukunft, sofern sich der Energiemarkt wieder normalisiert, sei  damit zu rechnen, dass sich die Jahresergebnisse der Rhein-Energie weiter in Richtung ihres „Normalmaßes“ bewegen, so die Einschätzung von Feicht und Lichtenstein. „Wir arbeiten aber intensiv daran, unsere Kosten weiter zu senken, strategisch in neue Geschäftsfelder zu investieren und so unsere Ergebnisse weiter zu verbessern“, so Birgit Lichtenstein. „Die Ergebnisse der letzten drei Jahre waren eine Besonderheit aufgrund vieler Umstände. das wird so ohne Weiteres für die Zukunft nicht mehr zu erwarten sein. Für 2026 werden sie eher bei 185 bis 190 Millionen Euro liegen. Auch damit setzen wir unseren Kurs der energiewirtschaftlichen Transformation fort.“

Wie geht es bei der Großwärmepumpe weiter?

Ein Leuchtturmprojekt, dessen Haupt-Bauphase aktuell begonnen hat, ist die nach Angaben der Rhein-Energie größte Flusswasser-Wärmepumpe Europas. In dieser Kategorie gibt es allerdings ein Konkurrenz-Projekt: Auch der Mannheimer Versorger MVV, an dem die Rhein-Energie früher beteiligt war, behauptet von sich, die größte Pumpe dieser Art zu bauen. „Sollte die Anlage der Mannheimer größer sein, dann gratuliere ich zum Rekord“, kommentierte Andreas Feicht.

Mit einem Gesamtvolumen von 280 Millionen Euro wäre das Projekt die  zweitgrößte Einzelinvestition der Rhein-Energie. Dank einer umfassenden Förderung von Bund und EU wird es in Köln möglich. Der Wärmeinhalt des Rheinwassers soll künftig die Fernwärmeversorgung von bis zu 50.000 Wohneinheiten sichern.

Die Grundsteinlegung wird von der Rhein-Energie am 23. Juli gefeiert. In der Planungsphase gab es einige Hürden bei der Genehmigung. Das Problem mit dem Schutz der Fische im Rhein wurde gelöst, sie werden herausgefischt und stromabwärts wieder eingesetzt. Eine zweite Genehmigung zur Einleitung kühleren Wassers in den Rhein stand zuletzt noch aus. Nun liegt aber laut Feicht zumindest der Entwurf der Genehmigung vor.

Welche anderen Investitionen stehen an?

Für den Köln/Bonn Airport wurde ein Holzheizwerk als Projekt gestartet, das die Treibhausgas-Emissionen des Flughafens massiv senken soll.

Ebenso ist die Rhein-Energie in großen Solar-Projekten engagiert: Mit einem Industriekunden soll im Kölner Norden die größte Freiflächen-Solaranlage in einer deutschen Großstadt entstehen. Zudem erhielt das Unternehmen 2025 den Zuschlag für eine ebenfalls enorme Anlage auf öffentlichem Grund in Köln-Rondorf, deren Bau aktuell begonnen hat. In der Siedlung Rondorf-Nordwest entsteht eine neue Anlage, die mehrere Häuser mit Wärme aus Grundwasser versorgt.

Wie sieht es mit der Wasserversorgung aus?

Zur langfristigen Sicherung der Kölner Trinkwasserversorgung baut die Rhein-Energie derzeit im Stadtbezirk Rodenkirchen eine neue, acht Kilometer lange Wassertransportleitung von den Grundwasserbrunnen zum Wasserwerk.

Wie sollen die Investitionsvorhaben finanziert werden?

Teilweise sollen die Vorhaben laut Finanzchefin Lichtenstein mit Eigenkapital gedeckt werden. Dazu würden Rücklagen genutzt, die durch das Einbehalten der hohen Gewinne der vergangenen Jahre entstanden sind. Gleichzeitig müssen aber auch Kredite aufgenommen werden. 150 Millionen Euro werden demnach über ein Konsortium von NRW-Bank, Helaba und der Sparkasse Köln-Bonn finanziert.

Das erhöht die Renditeziele des lokalen Versorgers. Neben der Abschreibung von jährlich fünf Prozent müssten auch die Zinsen des Kredits von etwas weniger als vier Prozent erwirtschaftet werden, was eine Marge von mehr als elf Prozent erfordere.