Der Asphalt-Bestandteil Bitumen ist derzeit doppelt so teuer wie vor Beginn des Irankriegs. So kommt Deutschlands Straßenbau-Primus Strabag damit klar.
Teures PflasterKölner Strabag stemmt sich gegen gestiegene Asphaltpreise

Bitumen kommt vor allem als Asphalt-Bindemittel im Straßenbau zum Einsatz.
Copyright: Wolfgang Kumm/dpa
Die hohen Ölpreise erreichen Verbraucher längst nicht nur an der Tankstelle. Auch Bitumen, ein klebriges Kohlenwasserstoff-Gemisch auf Erdölbasis, hat sich enorm verteuert. Das trifft Dachdecker und Häuslebauer, ganz besonders aber den Straßenbau. „Ohne Bitumen kein Asphalt, ohne Asphalt kein Straßenbau“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands HDB kürzlich.
Bitumen örtlich doppelt so teuer wie vor Kriegsbeginn
Deutschlands größter Straßenbauer, die Kölner Strabag AG, spricht von Preissteigerungen von 70, in manchen Regionen gar 100 Prozent seit dem Beginn des Irankriegs. Da das heißflüssige Bitumen einen Anteil von 15 Prozent bis zu einem Drittel am Asphalt ausmacht, schlägt das enorm auf die Baukosten durch.
Der Preissprung kommt für die öffentliche Hand zur Unzeit. Schließlich sollen Milliardenaufträge für die Modernisierung von Straßen und Brücken aus dem Infrastrukturfonds des Bundes in den kommenden Monaten vergeben werden. Deutschland könnte angesichts der gestiegenen Kosten also deutlich weniger Straßen- und Brückensanierungen fürs Geld bekommen als erhofft.
Festpreise werden zur Kostenfalle
Alles zum Thema Nahostkonflikt
- Aktienkurs auf Talfahrt Chemiekonzern Lanxess startet schwach ins Jahr 2026
- Unter Polizeipräsenz Asta der Uni Köln verlegt Pro-Palästina-Lesung auf den Bürgersteig
- Biennale in Venedig Protest von Femen und Pussy Riot gegen Teilnahme Russlands
- Energiepreise im Krisen-Check Aktuelle Preissteigerung geringer als im Ukraine-Krieg
- „Nicht mit der AfD geklatscht!“ Fraktionschefs Spahn und Reichinnek zoffen sich bei „Maischberger“
- Deal oder Bombardement US-Präsident sieht Chance auf Deal, droht aber zugleich
- Medien-Visionär und CNN-Gründer Ted Turner nach schwerer Krankheit gestorben
Auch die Industrie ist mit der Situation höchst unzufrieden. Weil für viele Projekte Festpreise vereinbart wurden, zahlen die Straßenbauer derzeit drauf. Die Unternehmen trügen das Preisrisiko des Handelskonflikts allein, beklagt HDB-Hauptgeschäftsführer Müller. Als Ausweg gelten Preisgleitklauseln. So kann auch während des Baus noch nachjustiert werden, wenn sich die Rohstoffe stark verteuern. Strabag setzt neben mehr Flexibilität beim Endpreis auf langfristige Lieferverträge.
Die Kölner sehen sich ohnehin gut positioniert, um die Preiskapriolen für das Asphalt-Bindemittel abfedern zu können. Zum einen seien die Lager vorsorglich aufgefüllt worden, außerdem helfe, dass Strabag über einen zentralen Bitumeneinkauf verfüge. „Bislang gibt es keine wesentlichen Verfügbarkeitsprobleme bei Bitumen“, erklärt das Unternehmen gegenüber unserer Redaktion. Sollte der Konflikt weiter andauern, sei aber „mit einer merkbaren Erhöhung der Baukosten zu rechnen“, so Strabag.
Recycling als Import-Alternative
Während der Verband der Bauindustrie vehement sofortige Entlastungsmaßnahmen von der Politik einfordert, verweist Strabag auf einen langfristigen Ausweg aus der Rohstoff-Kostenfalle. „Um die Abhängigkeit von Bitumen zu reduzieren, ist Asphaltrecycling die richtige und nachhaltige Lösung“, erklärt das Unternehmen.
Da im Asphalt ja bereits Bitumen enthalten sei, könne der Bedarf an neuem, erdölbasiertem Bindemittel deutlich gesenkt werden. Hier sei „technisch viel mehr möglich, als es in weiten Teilen Deutschlands gängige Praxis ist“, glaubt der Straßenbauer. Es fehle aber ein einheitliches Regelwerk. Das könnte etwa bei öffentlichen Ausschreibungen Mindestquoten für das Recycling vorschreiben. Das wiederum käme auch dem Klima zugute.
Kurzfristig bleibt Bauherren wie Industrie letztlich nur, auf eine baldige Entspannung des Konfliktes zu hoffen – und damit auf sinkende Bitumenpreise.
