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100 Kaugummis pro QuadratmeterNacht für Nacht im Einsatz gegen den Schmodder

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15.06.2026, Köln: Unterwegs mit der AWB: 100 Kaugummis pro Quadratmeter Nacht für Nacht im Einsatz gegen den Schmodder auf der Hohe Straße mit Jörg Gillies. Foto: Arton Krasniqi

Peter Gilles, AWB-Vorarbeiter, in dem Putzfahrzeug, das er als „Goldstandard“ bezeichnet.

Unterwegs mit der Nachtschicht der AWB auf der Hohe Straße – dort, wo 16 Millionen Passanten im Jahr ihre Spuren hinterlassen.

Mit Kaugummi muss man Peter Gilles nicht kommen. „Kann ich nicht mehr sehen“, sagt er, und dass das so ist, liegt nicht am Geschmack, sondern daran, dass Gilles aktuell in jeder Nacht unzählbar viele von ihnen vom Boden entfernt. Gilles, 33 Jahre alt, ist Vorarbeiter bei der AWB. Derzeit ist sein nächtlicher Arbeitsplatz die Hohe Straße samt abgehender Nebenstraßen. In einem zweimonatigen Projekt hat sich das Unternehmen die Intensivreinigung der wichtigen Einkaufsstraße vorgenommen.

16,3 Millionen Passanten in der Hohe Straße

Warum diese Reinigung ein Muss ist, belegen schon die Passantenströme, die das Kölner Unternehmen Hystreet regelmäßig in zahlreichen Städten mit Laserscannern misst. Das Ergebnis im vergangenen Jahr: Hohe Straße 16,3 Millionen, Schildergasse 21,6 Millionen Passanten. Damit sind die großen Kölner Einkaufsstraßen weiterhin unter den zehn meistfrequentierten in Deutschland und landen im Ranking auf Platz neun und fünf. 

15.06.2026, Köln: Unterwegs mit der AWB: 100 Kaugummis pro Quadratmeter Nacht für Nacht im Einsatz gegen den Schmodder auf der Hohe Straße. Foto: Arton Krasniqi

Bei der Intensivreinigung entsteht reichlich Wasserdampf.

Peter Gilles und seine Kollegen arbeiten hier – mit einer Ausnahmegenehmigung – zwischen 20.30 Uhr und 5 Uhr, um den normalen Einkaufsbetrieb so wenig wie möglich zu beeinträchtigen. Anwohner werden vorab mit Handzetteln darüber informiert, wann bei ihnen vor der Tür gearbeitet wird. Denn: Es wird laut. Wenn sich Anwohner per Telefon beschweren wollen, landen sie bei Peter Gilles. „Eigentlich kommen die dann aber selbst runter“, sagt er.

Gefahr, sich zu verbrühen

Jede Nacht ist ein Fünferteam unterwegs, jedes der beiden Teams besteht aus drei Fahrern und zwei Straßenreinigern. Und die sind immer gleich zusammengesetzt. „Weil es wichtig ist, dass wir uns aufeinander verlassen können, dass jeder genau weiß, was er tun muss und was der andere jetzt tut“, sagt Gilles. Denn die Reinigungsmaschinen („Der Goldstandard unter den Putzgeräten“, sagt der 33-Jährige) arbeiten mit 110 Grad heißem Wasser, „und da kann man sich ordentlich verbrühen.“

15.06.2026, Köln: Unterwegs mit der AWB: 100 Kaugummis pro Quadratmeter Nacht für Nacht im Einsatz gegen den Schmodder auf der Hohe Straße mit Jörg Gillies. Foto: Arton Krasniqi

Kaugummi-Reste werden „weggelanzt“.

Rund um den Bahnhof müssen, so erzählt es Gilles, häufig Fäkalien entfernt werden, in der Hohe Straße sind Kaugummis das Hauptproblem. Nicht selten sind es 100 auf einem Quadratmeter, die entfernt werden müssen. Dabei, so sagt ein Sprecher der AWB an diesem Abend in der Hohe Straße, stehen rund 24.000 Mülleimer im gesamten Kölner Stadtgebiet. Das Problem wäre also vermeidbar. Nun ist es aber da, das Problem.

Maschine arbeitet mit 110 Grad heißem Wasser

Bevor Peter Gilles und seine Kollegen an diesem Abend richtig loslegen können, gibt es erst noch eine kleine Verzögerung. Ein Schlauch ist geplatzt und muss ersetzt werden, ein Kollege ist jetzt zum Betriebshof gefahren. „Das passiert eigentlich nie“, sagt Gilles. Eine halbe Stunde später, der Kollege ist zurück, der neue Schlauch sitzt, geht es los, und das in drei Schritten.

Im ersten Schritt weicht die Maschine den, wie Gilles sagt, „ganzen Schmodder“ ein. Bei 110 Grad Wassertemperatur und einem Druck von 220 Bar werden die Kaugummis zunächst regelrecht losgeschmolzen. In Bahnen bewegen sich die Männer vom Wallrafplatz bis hoch zur Pipinstraße vor. Ganz langsam, ganz präzise, keine Bahn darf ausgelassen werden. Wer diesen Job macht, muss nicht nur eher Typ Nachteule als Lärche sein, sondern auch noch eine Engelsgeduld mitbringen. In einer Stunde schafft das Team rund 60 Quadratmeter, pro Schicht sind es etwa 500 Quadratmeter.

Aufweichen, wegschwemmen, weglanzen

Schritt zwei folgt: das Wegschwemmen. Aus einem Tank wird Wasser auf die Straße gespritzt, das den Schmutz wegspülen soll. Auch das passiert mit 110 Grad, aber nur mit 110 Bar Wasserdruck. Schritt drei: das sogenannte Lanzen. Gilles schnappt sich ein Gerät, das aussieht wie eine übergroße Häkelnadel, das aber eine Hochdruck-Heißwasser-Lanze ist. Man kann sie per Hand bedienen oder auch am Wagen montieren. „Reste weglanzen“, so nennt Gilles das. Es kann zwar immer sein, dass ein Fleck zurückbleibt, wie ein Fettfleck auf Oberflächen, aber der Kaugummi selbst ist entfernt. Sogar hinter Stromkästen wird mit der Lanze gearbeitet, „mit einem Besen käme man dort ja nie hin“, sagt Gilles.

15.06.2026, Köln: Unterwegs mit der AWB: 100 Kaugummis pro Quadratmeter Nacht für Nacht im Einsatz gegen den Schmodder auf der Hohe Straße. Foto: Arton Krasniqi

24.000 Mülleimer stehen im gesamten Kölner Stadtgebiet – und damit mindestens 24.000 Gründe, Kaugummis nicht auf den Boden zu spucken.

Das Wasser, das das Team für seine Arbeit braucht, bekommt es aus einem der Hydranten in einer Nebenstraße. 800 Liter passen in die Maschine. Wenn Kaugummis entfernt werden, reicht eine Ladung etwa für eine Dreiviertelstunde. Hydranten, an denen Gilles und seine Leute Wasser nachfüllen können, gibt es rund um die Hohe Straße genug, in den Außenbezirken ist das bisweilen schwieriger. 

Eine Intensivreinigung pro Jahr

Einmal im Jahr steht eine dieser Intensivreinigungen von Kölns großen Fußgängerzonen bzw. Einkaufsstraßen an: Im vergangenen Jahr passierte das Ganze am und um Neumarkt und Breite Straße, 2024 reinigten die AWB-Profis Schildergasse samt Nebenstraßen und insgesamt eine Fläche von rund 11.000 Quadratmetern. Kürzere Aktionen in den Bezirken gibt es immer wieder und laufend. Am Wiener Platz, auf der Neusser Straße oder auf der Kalker Straße. Rund um Dom und Hauptbahnhof, sagt der AWB-Sprecher, sei man fast bei einer täglichen Nassreinigung.

Gegen fünf Uhr, wenn Peter Gilles und sein Team Feierabend haben, fährt er nach Hause. Gilles frühstückt dann, legt sich ins Bett, schläft bis etwa eins. Und abends geht es dann wieder von vorn los. Der Schmodder muss schließlich weg.