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Amsterdam erlaubt jetzt autonomes Fahren, in NRW bleibt es verboten„Politische Mutlosigkeit macht unsere Autoindustrie kaputt“

3 min
Ein Autofahrer nimmt in einem Tesla die Hände vom Steuer - das Auto lenkt autonom durch den Verkehr.

Ein Autofahrer nimmt in einem Tesla die Hände vom Steuer - das Auto lenkt autonom durch den Verkehr. 

Autos, die wie von Geisterhand gesteiert werden, verändern unsere Mobilität. Warum die Skepsis von Politikern und Verbrauchern in Deutschland den Fortschritt ausbremst.

Die Gassen in den Grachten von Amsterdam sind malerisch, aber für Autofahrer eine Herausforderung. Immer wieder treten Touristen auf die Fahrbahn, Radfahrer kreuzen oder kommen entgegen. Kees Roelandschap sitzt trotzdem völlig entspannt auf dem Fahrersitz. Die Hände hat er nicht am Steuer, sein Tesla lenkt ihn sicher mit der Funktion „Full Self-Driving Supervised“ durch das Gewusel. Ein Video von der Testfahrt wurde im Internet zum viralen Hit.

Die Niederlande haben das teilautonome Fahren am 10. April 2026 zugelassen – in Deutschland ist es nicht erlaubt. „Das ist ein Warnsignal für den Automobilstandort“, kritisierte Christof Rasche, verkehrspolitischer Sprecher der FDP im Düsseldorfer Landtag, im Gespräch mit unserer Zeitung. „Solche Erprobungen und Genehmigungen sollten zuerst in Deutschland stattfinden, und nicht in den Nachbarländern.“ Auch Litauen, Estland, Belgien und Dänemark haben die Nutzung des System bereits freigegeben. Dabei steuert das Fahrzeug selbstständig, aber der Fahrer kann im Notfall eingreifen und bleibt verantwortlich für alle Fahrmanöver. „Das notwendige Know-how in Fahrzeugtechnik, Sensorik, Software, Automatisierung, KI und digitaler Infrastruktur sind in Deutschland und NRW bereits grundlegend vorhanden“, erläutert Rasche. Es fehle aber, „ein eindeutiges politisches Commitment, autonome Mobilität vom Modellprojekt in den Alltag zu bringen“. Mit einem Antrag, der im Düsseldorfer Landtag auf der Tagesordnung steht, will die FDP das Thema jetzt in den öffentlichen Fokus rücken.

95 Prozent der Unfälle gehen auf menschliches Fehlverhalten zurück

Ressentiments gegen das autonome Fahren sind in Deutschland weit verbreitet. Da etwa 95 Prozent der Verkehrsunfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückgeht, liegt in solchen Systemen allerdings ein erhebliches Potenzial zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Denn viele Unfälle werden durch Ablenkung des Fahrers verursacht. Die KI-Kameras, die das System steuern,  bleiben in jeder Situation konzentriert. Eingehende Nachrichten auf dem Handy oder nörgelnde Kinder auf dem Rücksitz lassen sie unbeeindruckt.

Das autonome Fahren war zunächst in den USA und China ermöglicht worden. In San Franzisco sind bereits seit 2023 fahrerlose Taxis auf den Straßen unterwegs. Kritiker hatten lange behauptet, die Verkehrssituation sei in den Pionierstaaten wegen der breiten Straßen weit weniger komplex als in Europa. Der Test in Amsterdam unterstreicht nun die Leistungsfähigkeit des Systems unter schwierigen Bedingungen. Was dort funktioniert, sollte auch in Köln möglich sein. Das Kraftfahrtbundesamt ist aber ebenso skeptisch wie viele Verbraucher, die die Frage umtreibt, wer bei Unfällen haftet.

Christof Rasche (FDP) bei einer Plenarsitzung im Landtag von Nordrhein-Westfalen zur Verkehrssituation.

Christof Rasche (FDP) bei einer Plenarsitzung im Landtag von Nordrhein-Westfalen zur Verkehrssituation.

Die FDP befürchtet, dass das Misstrauen gegen das autonome Fahren zu einem weiteren Standortnachteil für die schwächelnde deutsche Automobilindustrie wird.   „Wir brauchen mehr Mut zum Fortschritt, schnellere Genehmigungen und politische Unterstützung für Innovationen. So schaffen wir neue Wertschöpfung und verlässliche moderne Mobilitätsangebote für die Menschen in unserem Land“, sagt Christof Rasche.

Potenzial auch für ÖPNV

Große Potenziale gebe es auch für das autonome Fahren im öffentlichen Nahverkehr. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen fehlten in Deutschland im Jahr 2025 rund 20 000 Busfahrerinnen und Busfahrer sowie 3000 Triebfahrzeugführer.Um die verkehrspolitischen Wachstumsziele erreichen zu können, müssten bis 2030 rund 21 Prozent mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verkehrsbetrieben eingestellt werden.

Gerade in ländlichen Räumen und zu Randzeiten sei das Angebot im ÖPNV vielerorts nicht ausreichend. Der Mangel an Fahrpersonal sei „zu einer zentralen Herausforderung und Ursache für die vielen frustrierenden Ausfälle, Verspätungen und Angebotsreduzierungen“ geworden, heißt es in dem FDP-Antrag. Die Liberalen fordern die schwarz-grüne Landesregierung auf, die Erprobung, Entwicklung und Anwendung des autonomen Fahrens auf allen Verkehrsträgern in NRW gezielt aus Landesmitteln zu unterstützen.

In der Landeshauptstadt Düsseldorf gab es von 2020 bis 2022 das bislang das größte Testfeld für autonomes Fahren in NRW. Dort wurde eine rund 20 Kilometer lange Teststrecke vom Autobahnkreuz Meerbusch bis in die Innenstadt für Versuchsfahren mit 90 Fahrzeugen digitalisiert. Die Forschungsergebnisse flossen in einen Leitfaden für interessierte Kommunen in NRW ein. Ein Durchbruch für das autonome Fahren blieb aus.