CDU empört über neuen SPD-Internet-Clip. Paul Ziemiak beklagt einen Verfall demokratischer Sitten nach der Nominierung von Jochen Ott.
SPD zeigt Laumann in Video über Pflege als Piratenkapitän„Dieser Stil ist übel und abstoßend“

Laumann in SPD-Meme als Piraten-Kapitän
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Die Szene ist dem Film „Fluch der Karibik, Teil 3“ entlehnt. Darin ist zu sehen, wie der Kapitän des Piratenschiffs in aller Seelenruhe sein Schiff verlässt, das unter vollem Beschuss steht und zu sinken droht. Doch Chef der Seeräuber ist nicht der legendäre Captain Jack Sparrow. Er stammt nicht von den Antillen, sondern aus dem Münsterland. Es handelt sich um NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Die Digitalexperten der SPD-Landtagsfraktion haben den Kopf des CDU-Politikers in den Clip hineinmontiert.
In dem Imagefilm erklärt der Spitzenkandidat der NRW-SPD, Jochen Ott, die aus seiner Sicht prekäre Situation des Gesundheitssystem in NRW. 14 Jahre lang sei das Ressort von CDU der geführt worden. Im vergangenen Jahr seien 820 Pflegeplätze weggefallen, obwohl der Bedarf erheblich zugenommen habe. Der CDU-Politiker verteidigt sich: „Ich hab gar nix gemacht“, legt die SPD dem CDU-Minister in den Mund. Das Filmchen dauert nur 28 Sekunden.
Kurze „Memes“ wie dieses werden produziert, damit sie geteilt werden und sich im Internet schnell verbreiten. Dabei werden bekannte Bilder oder Szenen aus dem Zusammenhang gerissen, um aktuelle Ereignisse zu kommentieren. Oft sind die Clips humorvoll. Die CDU in NRW findet die Veröffentlichung aber nicht komisch.
Paul Ziemiak ist der Generalsekretär der NRW-CDU und ein enger Vertrauter von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst. Ziemiak bekam schlechte Laune, als ihm der Clip zugespielt wurde. „Es ist erschreckend, mit welcher Geschwindigkeit das demokratische Niveau bei der SPD fällt“, sagte der Politiker aus Iserlohn unserer Zeitung. Die Kritik sei in der Sache lächerlich. Unabhängig davon sei der Stil der SPD „übel und abstoßend“.
Die SPD zeigte sich überrascht über die harsche Resonanz der CDU auf den Clip. Ziemiak und seine CDU seien selbst nicht zimperlich, wenn es darum gehe, gegen die SPD zu keilen, hieß es. SPD-Gesundheitsexperte Thorsten Klute erneuerte die Kritik an Laumann. Dessen Bilanz sei „mau“, sagte er unserer Zeitung. In der ambulanten Pflege sei die Investitionsförderung seit 21 Jahren um keinen Cent mehr erhöht worden. „Vielleicht sollte sich Herr Ziemiak einmal damit auseinandersetzen. Das wäre sehr viel dienlicher“, sagte Klute.
Der Politiker aus dem Kreis Gütersloh hatte sich unlängst erst über einen Beitrag der CDU-Landtagsfraktion den sozialen Medien geärgert. In einer Rede im Landtag zur Landarztversorgung hatte Gesundheitsminister Laumann die SPD als „dumm“ bezeichnet – und dabei ein Foto von Klute eingeblendet. Immerhin sammelte der Zusammenschnitt mehr als 3100 „gefällt mir“-Angaben.
Beobachter gehen davon aus, dass die Härte der Auseinandersetzung zwischen den Landtagsfraktionen bis zur Landtagswahl im April 2027 zunehmen wird. Die CDU hielt der SPD vor, in dem „Fluch-der-Karibik-Clip“ die Zahlen „wild zusammengewürfelt“ zu haben. CDU-General Ziemiak warnte die SPD vor weiteren Schlägen unter die Gürtellinie: „Schlimm, wenn persönlich herabwürdigende Kampagnen gegen Personen nun unter Jochen Ott wieder zur Methode der Wahl werden sollten“, erklärte der Bundestagsabgeordnete. Diese Entwicklung der SPD sei „wirklich ein Grund zur Sorge“.
