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„Ohne Klimaanlagen geht es nicht“Hitze verwandelt Kölner Schulen in „Backöfen“

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Heiße Schule: Schülerinnen und Schüler des Mülheimer Genoveva-Gymnasiums demonstrierten 2024 für eine kühlere Schule. (Archivbild)

Heiße Schule: Schülerinnen und Schüler des Mülheimer Genoveva-Gymnasiums demonstrierten 2024 für eine kühlere Schule. (Archivbild)

Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler fordern einen besseren Hitzeschutz – und diskutieren mit der Stadt über die Rolle von Klimaanlagen.

36 Grad im Klassenraum, Feueralarm wegen Überhitzung, Kinder mit Kopfschmerzen, die vor Unterrichtsende abgeholt werden müssen: Die jüngste Hitzewelle hat Kölner Schulen an ihre Grenzen gebracht. Während sich Klassenräume im C-Trakt einer Kölner Schule bei Extremtemperaturen aufheizen und Schüler über gesundheitliche Beschwerden klagen, sieht es an einem anderen Standort kaum besser aus. Dort verwandeln sich Unterrichtscontainer in Hitzezonen, der vollständig asphaltierte Schulhof bietet keinen einzigen schattigen Platz. Szenen, die die Kölner Stadtschulpflegschaft beschreibt, die sich unter Eltern und Lehrkräften umgehört hat.

„Für viele Kinder und Lehrkräfte ist der Schulalltag bei Temperaturen von weit über 30 Grad längst nicht mehr nur belastend, sondern zur Gesundheitsfrage geworden“, sagt Katharina Schmiedel, die Vorsitzende der Kölner Stadtschulpflegschaft. Mangelnder Hitzeschutz sei ein flächendeckendes Problem. „Es gibt kaum eine Schule, die über eine Klimaanlage verfügt.“ Die Stadtschulpflegschaft fordert die Stadt nun auf, den Hitzeschutz an Schulen deutlich auszubauen. Neben dem bestehenden Hitzeschutzplan seien langfristige Investitionen in außenliegende Verschattungen, begrünte und entsiegelte Schulhöfe sowie Lüftungsanlagen mit Kühlfunktion sowie Klimaanlagen notwendig. „Ohne Klimaanlagen wird es nicht gehen“, sagt Schmiedel.

Es gibt kaum eine Schule, die über eine Klimaanlage verfügt
Katharina Schmiedel, die Vorsitzende der Kölner Stadtschulpflegschaft

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW ist mit den bisherigen Maßnahmen an Schulen nicht zufrieden. „Tatsächlich sind die meisten Schulgebäude noch immer keine verlässlichen klimaresilienten Lern- und Arbeitsorte“, schreibt der Verband. Gesundheitsschutz dürfe nicht vom Investitionsstau an Schulen oder den finanziellen Spielräumen der Schulträger abhängig sein. „Hier ist das Land gefordert, für verbindliche und gerechte Rahmenbedingungen zu sorgen.“

In den Sommermonaten glichen viele Klassenzimmer inzwischen „regelrechten Backöfen“, ergänzt der Verband Bildung und Erziehung. Insbesondere in schlecht gedämmten Altbauten und Containerschulen werde immer wieder deutlich, dass Hitze Konzentration, Gesundheit und Lernklima „massiv“ beeinträchtige. Schülerinnen und Schüler berichteten von Schwindel, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen, Lehrkräfte von Erschöpfung und sinkender Unterrichtsqualität. Unterrichtsausfälle und vorzeitige Unterrichtsenden seien im Sommer vielerorts keine Ausnahme mehr.

„Regelrechte Backöfen“

Bezirksschülersprecherin Marie Hacker hat im Deutzer Gymnasium Schaurtestraße selbst erlebt, wie belastend der Unterricht an Hitzetagen sein kann. Besonders in einem verglasten Gebäudeteil sei es „unfassbar heiß“ gewesen. Unterricht habe man kaum durchführen können, sich auf Klausuren vorzubereiten und Prüfungen zu schreiben sei für Schülerinnen und Schüler sehr schwierig gewesen. „Wir haben uns kaum konzentrieren können“, so Hacker. Immerhin habe es die Landesregierung NRW nach einigen Tagen ermöglicht, dass auch Schülerinnen und Schüler der Oberstufe hitzefrei bekommen können. Generell bemängelt auch sie, dass es in den Kölner Schulen kaum Klimaanlagen gebe. „Warum versetzt man sich nicht in unsere Lage?“, fragt sie. 

Die Stadt Köln sieht sich beim Hitzeschutz an ihren rund 300 Schulen auf einem langfristigen Weg. Weil die Gebäude aus unterschiedlichen Bauzeiten stammen und sich baulich stark unterschieden, gebe es keine einheitliche Lösung für alle Standorte. Die Energieleitlinien seien 2025 unter anderem zum Thema Hitzeschutz aktualisiert worden. Die Umsetzung bei laufenden Projekten im Neubau und im Bestand erfolge zeitverzögert - in Jahren. Parallel investiere die Stadt in Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas auf Schulhöfen – etwa durch Entsiegelung, zusätzliche Bäume sowie Sonnensegel und Sonnenschirme. Weitere Anpassungen der Vorgaben seien künftig möglich, da sich die Erkenntnisse zur Klimafolgenanpassung kontinuierlich weiterentwickelten.

Klimaanlagen sind umstritten

Nach Angaben der Stadt sprechen sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Gründe gegen den flächendeckenden Einbau von Klimaanlagen in Schulen. Klimageräte verursachten bereits bei der Herstellung zusätzliche CO₂-Emissionen, erhöhten den Stromverbrauch und könnten durch Kältemittel sowie die Abgabe von Wärme an die Umgebung das Klima zusätzlich belasten. Zudem würden sie an heißen Tagen das Stromnetz stärker beanspruchen.

Auch die Kosten seien erheblich. Neben den Investitionen und laufenden Ausgaben für Strom, Wartung und Gebäudetechnik sei insbesondere die Nachrüstung in älteren Schulgebäuden oft technisch schwierig und deutlich teurer als der Einbau in Neubauten – etwa wegen Denkmalschutzauflagen, statischer Anforderungen oder einer unzureichenden Stromversorgung. Da es in Köln bislang vergleichsweise wenige Hitzetage ohne nächtliche Abkühlung gebe, stehe der finanzielle Aufwand aus Sicht der Stadt derzeit in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen.

Die Kombination aus Photovoltaik und Klimaanlage liegen auf der Hand
Berliner Gaswerke

Stadtschulpflegschaftsvorsitzende Katharina Schmiedel entgegnet, dass sich Klimaanlagen hervorragend mit Solarstrom betreiben ließen. Die Geräte würde an heißen Tagen den meisten Strom benötigen, wenn die Sonne Solaranlagen problemlos mit Energie versorgten. „Die Kombination aus Solarenergie und Kühlung ist ideal.“ Ähnlich sehen das die Berliner Gaswerke, die auf ihrer Homepage schreiben: „Die Kombination aus Photovoltaik und Klimaanlage liegt auf der Hand. Scheint im Sommer die Sonne, produziert die PV-Anlage auf dem Dach viel Solarstrom. Dieser kann genutzt werden, um die Innenräume per Klimaanlage herunterzukühlen.“ Die schone die Umwelt, senke die Energiekosten und mit einem Batteriespeicher für Photovoltaik sei der Betrieb auch bei schwacher Sonneneinstrahlung oder nachts möglich. das Umweltbundesamt wirbt mit Propan als umweltfreundliches Kältemittel.

Susanne Gehlen, Leiterin des Mülheimer Genoveva-Gymnasiums, fordert keine Klimaanlage, sondern nur, dass die bereits installierte Technik auch läuft. So habe die Stadt eine Lüftungsanlage, die kalte Nachtluft in das Schulgebäude bringen soll, vor ein paar Jahren installiert, seitdem aber nicht gewartet – und nun sei sie defekt. Im mit Glas überdachten Atrium der Schule habe man kürzlich 52 Grad gemessen. „Wenn man im zweiten Stock das Metallgeländer anfasst, verbrennt man sich.“ Auch die Kühlungsanlage in einem Lehrerzimmer funktioniere nicht und die automatischen Rollos führten in vielen Räumen ein „seltsames Eigenleben und gehen im Minutentakt hoch und runter“.

Wenn man im zweiten Stock das Metallgeländer anfasst, verbrennt man sich
Susanne Gehlen, Leiterin des Mülheimer Genoveva-Gymnasiums
Demonstration am Genoveva-Gymnasium: Schulleiterin Susanne Gehlen

Demonstration am Genoveva-Gymnasium: Schulleiterin Susanne Gehlen

Bis sich an den baulichen Voraussetzungen in den Schulen etwas ändert, bleibt vielerorts nur die Improvisation. Lehrkräfte lüften frühmorgens die Klassenräume, verlegen den Unterricht in kühlere Bereiche oder gehen mit den Kindern auf nahegelegene Spielplätze. Eltern einer Grundschule im Kölner Westen organisieren auf freiwilliger Basis Ventilatoren, besorgen kleine Akku-Geräte und suchen gemeinsam nach Möglichkeiten, die Belastung zumindest etwas zu lindern. Dass Familien und Schulen solche Notlösungen in Eigenregie stemmen müssen, sehen viele Beteiligte jedoch nicht als Dauerlösung – sondern als Ausdruck eines Systems, das auf immer häufigere Hitzewellen bislang kaum vorbereitet ist. „Wir fühlen uns von der Stadt allein gelassen und vom Land“, sagt eine Mutter, die anonym bleiben möchte. 

Am 10. Juli hat Fridays for Future auf dem Rudolfplatz eine Klima-Kundgebung veranstaltet. Thema der Veranstaltung, die nach Angaben der der Veranstalter 400 Menschen besuchten, war, wie Köln für Hitzetage fit gemacht werden kann. Unter anderem ging es auch um Hitzeschutz in Kölner Schulen.