Im Streit zwischen dem Land NRW und dem Erzbistum Köln über die staatliche Anerkennung der Kölner Hochschule für Katholische THeologie (KHKT) soll es einen Kompromissvorschlag geben. DIe SPD kritisiert das Schweigen der Landesregierung scharf.
Woelki-HochschuleSPD warnt vor Etikettenschwindel

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, strebt eine Ausbildung des Kleriker-Nachwuchses an der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) an.
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Hinhaltende Auskünfte der nordrhein-westfälischen Landesregierung zur Zukunft der vom Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Woelki, protegierten „Kölner Hochschule für Katholische Theologie“ (KHKT) sorgen für Unmut in der Landespolitik. „Die seit Monaten anhaltende Funkstille und das verordnete Nichtssagen der Staatskanzlei sind irritierend und ärgerlich“, sagte der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag, Bastian Hartmann, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Er bezog sich auf eine kleine Anfrage der SPD zum Stand der Gespräche, mit denen das Land NRW und der Vatikan einen Konflikt über den Standort der Priesterausbildung beilegen wollten. Die staatliche Anerkennung der KHKT, Nachfolge-Institution der vom Erzbistum übernommen theologischen Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin, läuft 2027 aus.
Ministerium setzt auf Uni Bonn
Das Preußenkonkordat, ein bis heute gültiger Staatsvertrag aus dem Jahr 1929 zwischen dem Freistaat Preußen und dem Heiligen Stuhl, sieht vor, dass das Erzbistum Köln seine künftigen Geistlichen an der Universität ausbilden lassen muss. Das ist Woelki wegen der liberalen Ausrichtung der theologischen Fakultät in Bonn ein Dorn im Auge. Er möchte die KHKT als – mindestens zweiten – Ausbildungsort etablieren. Das Wissenschaftsministerium in Düsseldorf hingegen beharrt auf dem vertraglich garantierten Vorrang der Universität Bonn. Das 2025 begonnene „Verfahren zur Beseitigung der Meinungsverschiedenheit … dauert noch an“, teilte der Chef der Staatskanzlei, Natanael Liminski (CDU), als Verantwortlicher für staatskirchenrechtliche Angelegenheiten auf die SPD-Anfrage zum Sachstand und zu möglichen Lösungen des Konflikts mit. „Vor diesem Hintergrund können die erbetenen Auskünfte derzeit nicht erteilt werden.“ Liminskis Schreiben mit Datum 19. August liegt der Redaktion vor.
SPD spricht von Etikettenschwindel
Hartmann kritisierte Liminskis Antwort scharf. Gerüchten zufolge hätten die Verhandler des Landes mit Vertretern des Vatikans bereits einen Kompromiss erarbeitet. Demnach dürften künftige Priester des Erzbistums ihr Studium weitestgehend an der KHKT absolvieren und müssten sich lediglich gegen Ende hin an der Uni Bonn einschreiben, um dort formal ihren Abschluss zu erwerben. „Dieser Etikettenschwindel wäre ein Erfolg auf der ganzen Linie für Woelkis Isolationskurs und seine wissenschaftspolitische Konfrontation mit der Universität Bonn.“ Es sei bezeichnend, dass die Landesregierung derzeit nichts tue, um „Licht in ein völlig undurchsichtiges, intransparentes Verfahren zu bringen“.
Hartmann stellte sich ausdrücklich hinter die Position von Wissenschaftsministerin Ina Brandes (CDU), die von Woelki ein praktiziertes Bekenntnis zur Uni Bonn als Ausbildungsort für den Kölner Klerus gefordert hatte. „Das Theologiestudium gehört an eine Volluniversität, wo das Fach und die Studierenden im Dialog mit anderen Disziplinen stehen“, so Hartmann. Die Exzellenz-Universität Bonn mit ihrem umfassenden Angebot bietet da ganz andere Voraussetzungen als ein theologisch und gesellschaftlich abgeschotteter Satellit wie die KHKT.“
Was jetzt als Kompromisslösung im Raum stehe, „ist etwas ganz anderes als die klare Linie, die die Ministerin im Wissenschafts-Ausschuss des Landtags vertreten hat. Augenscheinlich gibt es hier zwischen Wissenschaftsministerium und Staatskanzlei einen tiefgreifenden Dissens. Sonst hätte man uns sagen können, was Sache ist, und müsste nicht ein solches Bohei um Informationen machen, auf die die Öffentlichkeit einen Anspruch hat“, so Hartmann.
