Der Architekt plante Kirchen, in denen selten mehr als Altar, Taufbecken, Beichtstühle und Sitze zu finden sind. Viele seiner Modelle wurden auf Ausstellungen gezeigt.
150 aus 150Dominikus Böhm brachte Beton und Stahl in den Kirchenbau

Dominikus Böhm zählt zu den bedeutendsten Kirchenarchitekten des 20. Jahrhunderts.
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 44. Teil der Serie geht es um den Architekten Dominikus Böhm.
Bedeutung
Dominikus Böhm zählt zu den bedeutendsten Kirchenarchitekten des 20. Jahrhunderts. Nach einer Maurerlehre im Baugeschäft des Vaters studierte er Architektur an der TH Stuttgart und lehrte in Bingen sowie Offenbach. 1926 erfolgte seine Berufung als Leiter für Christliche Kunst und Baukunst an die Kölner Werkschule. Deren Umwandlung in eine Handwerkerschule 1934 führte zum vorzeitigen Ruhestand. Böhm arbeitete fortan als freier Architekt. 1947 bis 1953 lehrte er erneut an der Werkschule.
Dominikus Böhm
Geboren: 23. Oktober 1880 in Jettingen
Gestorben: 6. August 1955 in Köln
Seinen ersten Kirchenbau errichtete er 1919 in Offenbach unter Verwendung von Holz als Baumaterial. Die erste größere Arbeit war 1922/23 der Bau der Benediktinerabtei im niederländischen Vaals. Mit Böhm zogen Beton und Stahl in den modernen Kirchenbau ein, und er gab dem Licht eine völlig neue Wirkung. In den Innenräumen sind selten mehr als Altar, Taufbecken, Beichtstühle und Sitze zu finden. Viele seiner Modelle und Pläne wurden auf Ausstellungen gezeigt. Dennoch erfuhr er Widerstand aus konservativen kirchlichen Kreisen. Selbst eine Audienz bei Papst Pius XI. 1931 brachte keine Beruhigung.

Die Kirche St. Engelbert in Riehl wurde nach einem Entwurf von Dominikus Böhm erbaut und gilt als der erste moderne Kirchenbau in Köln. (Archivbild)
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Auch die nationalsozialistische Presse griff Böhm an und bezeichnete seine Kirchen als „bolschewistische Afterkunst“. Die NS-Zeit konnte er durch Aufträge aus den Diözesen Münster und Osnabrück wirtschaftlich überstehen. Nach dem Krieg ging er mit seinem Sohn Gottfried eine Bürogemeinschaft ein. Bis zu seinem Tod leitete er Bau und Wiederaufbau zahlreicher Kirchen, darunter acht in Köln.
Wirken in Köln
Zu seinen Vorkriegsbauten in Köln zählen das Kolping-Gesellenhaus, die Kapelle im Krankenhaus Hohenlind und die Kirche St. Engelbert in Riehl, deren ausgefallene Betonbauweise mit der Parabel als Grundform weltweit Beachtung fand. In Marienburg baute er von 1951 bis 1954 die Kirche St. Maria Königin. Eine ihrer Seiten ist vollständig als Glasfront gestaltet.
Bemerkenswert
Böhm entwarf auch Glasfenster und komponierte geistliche Lieder.
Spuren in der Stadt
Sein Grab befindet sich auf dem Kölner Südfriedhof. Nach ihm sind der Böhmweg in Neubrück und die Dominikus-Böhm-Straße in Sürth benannt. Ein Teilnachlass befindet sich im Historischen Archiv.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
