Anfang Juni legte die Sperrung der Bonner Nordbrücke bereits offen, wie fragil das Straßennetz ist. Auch im Nahverkehr gibt es kaum Reserven, sagt unser Autor.
Verkehr im RheinlandStadtbahn-Ausfall ist Teil eines Verkehrskollaps in Raten


Stadtbahnen der Stadtwerke Bonn stehen an der Haltestelle Stadthaus.
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Der kurzfristige Ausfall von 60 Stadtbahnen in Bonn ist ein weiteres, eindrückliches Beispiel dafür, wie schlecht der Zustand vieler Verkehrswege und Nahverkehrssysteme in Deutschland ist – und wie hart das Rheinland davon betroffen ist. Anfang Juni legte die Sperrung der Bonner Nordbrücke offen, wie fragil das Straßennetz ist. Nun zeigt der Ausfall der Stadtbahnen, dass auch der Nahverkehr kaum noch Reserven hat – in beiden Fällen kam die Entscheidung plötzlich, ohne dass sich jemand darauf vorbereiten konnte.
Versäumnisse der Vergangenheit
Die 20er Jahre dieses Jahrhunderts sind davon geprägt, dass die vor 50 Jahren gebaute und damals zurecht hoch gerühmte Infrastruktur regelrecht zerbröckelt. Das Problem ist nicht allein fehlendes Geld. Es ist auch eine politische Kultur, die Instandhaltung erst dann ernst nimmt, wenn die Sperrschilder schon stehen. Brücken und Bahnen aus den 1970er Jahren gehen in die Knie. Die Versäumnisse der Vergangenheit holen das Land ein – spürbar für alle, die im Alltag auf verlässliche Mobilität angewiesen sind.
Verkehrsinfrastruktur funktioniert nicht in Einzelteilen. Fällt ein Element aus, geraten auch andere unter Druck. Die Sperrung der Bonner Nordbrücke führt dazu, dass die Rodenkirchener Brücke in Köln deutlich stärker genutzt und damit belastet wird. Da sich die Brücke ebenfalls nicht in einem guten Zustand befindet, ist sie dafür aber eigentlich gar nicht geeignet. So droht die nächste Sperrung, der nächste Ausfall. Nur wenige Kilometer entfernt gibt es auf der Autobahn 4 schon das nächste Problem: Am Güterbahnhof Eifeltor gibt eine weitere Brücke nach, für schwere Lastwagen ist sie bereits gesperrt.
KVB hilft, obwohl sie selbst Hilfe braucht
Ähnlich verhält es sich mit dem Ausfall der Stadtbahnen in Bonn: Damit dort überhaupt noch ein Bahnbetrieb möglich ist, leihen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) ihren Kollegen 20 Stadtbahnen. Die KVB erscheint in diesem Moment wie der weiße Ritter, der Bonn zur Hilfe eilt. Bei genauerem Hinsehen ist sie allerdings selbst ein Ritter von der traurigen Gestalt. Das Unternehmen ist bereits seit Jahren mit einem ausgedünnten Fahrplan unterwegs, weil es nicht genug Fahrzeuge besitzt und die älteren Modelle regelmäßig in der Werkstatt stehen. Frühestens in vier Jahren soll es eine Rückkehr zum vollständigen Angebot geben.
Die KVB hilft Bonn also aus einer Lage heraus, in der sie selbst kaum helfen kann. Das geht nur, indem der eigene Fahrplan noch stärker eingedampft wird, als es ohnehin der Fall ist. Die Leidtragenden sind wie immer die Fahrgäste. Dass ausgerechnet die Linie 18 von den Kürzungen betroffen ist, wirkt besonders ungeschickt: Sie ist eine der wichtigsten Verbindungen für Pendler aus dem Umland.
Vor diesem Hintergrund muss die Frage erlaubt sein, wie es angesichts einer so störanfälligen Infrastruktur ernsthaft gelingen soll, eine Verkehrswende herbeizuführen. Wer wirklich will, dass Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen, der muss ihnen eine tragfähige Alternative zur Verfügung stellen. Niemand wird auf sein Auto verzichten, wenn es eine Qual ist, sich mit Bus und Bahn durch die Stadt zu bewegen.
Paris wird oft als Musterbeispiel genannt – weil der öffentliche Verkehr dort als Rückgrat der Stadt ernst genommen wird. Davon ist Köln nach wie vor meilenweit entfernt. Bleibt zu hoffen, dass der neue KVB-Chef Marcel Winter das Ziel, bis 2030 zum regulären Fahrplan zurückzukehren, nicht aus den Augen verliert.
Solange Busse und Bahnen von vielen Menschen als Zumutung erlebt werden, bleibt das Auto für sie nicht bloß Bequemlichkeit. Es ist eine Absicherung.
