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Abgehängt in KölnVereine in Buchforst warten seit zehn Jahren auf Kunstrasenplatz

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16.04.2026, Köln: Serie abgehängte Stadtteile: Sportvereinen in Buchforst laufen Jugendliche weg, da Aschenplatz nicht saniert wird. Ömer Icdeniz vom Verein Fenerbahce Köln und Ali Esen vom Verein Anadolu (v.l.). Foto: Arton Krasniqi

Ömer Icdeniz Fenerbahce Köln und Ali Esen von Anadolu (v.l.). hoffen, dass ein Kunstrasenplatz gebaut wird, bevor sich die letzte Mannschaft abgemeldet hat.  

Auf Sportplätzen gelingt Integration leichter als anderswo. Wenn sie in wirtschaftlich benachteiligten Vierteln wie in Buchforst nicht saniert werden, ist das fatal. 

Auf der Walter-Blickhäuser-Sportanlage in Buchforst scheint die Zeit in den 1990er Jahren stehen geblieben zu sein: Der Aschenplatz ist holprig, auf den rissigen Tartan-Tennisplätzen haben sich Löwenzahn und Spitzwegerich breitgemacht. Vor dem Fußballplatz spielen Senioren Boule, auf Bierbänken vor einem Minivereinsheim aus Wellblech kommen der Vorstand der Vereine Fenerbahce und Anadolu Köln, Eltern, Spielerinnen der letzten verbliebenen Jugendmannschaft und CDU-Ratsmitglied Eric Haeming zusammen. Der große Bahnhof zeigt, wie wichtig den Menschen dieser Ort ist. Wenn sich nichts tut, sagen sie, sind hier bald alle weg.

„Als wir 2021, mitten in der Pandemie, auf der Anlage angefangen haben, hatten wir noch neun Mannschaften“, sagt Ömer Icdeniz, Vorstand von Fenerbahce Köln. „Jetzt ist es noch eine.“ „Wir hatten vier Mannschaften, jetzt kommt kein Mensch mehr, auch meine Enkelkinder sind zu Vereinen mit Kunstrasenplatz gewechselt. Dabei ist Buchforst einer der kinderreichsten Stadtteile Kölns“, sagt Ali Esen, Vorstand von Anadolu. „In fast allen Stadtteilen gibt es Kunstrasenplätze – wenn es ausgerechnet hier in Buchforst keinen gibt, ist das für das Viertel eine Katastrophe“, sagt Icdeniz. „Hier gibt es viele Familien mit großen sozialen und wirtschaftlichen Problemen: Für die Kinder ist ein Sportverein die beste Chance, Anschluss zu finden, sich zu integrieren, zu lernen, was Training bewirkt.“

16.04.2026, Köln: Serie abgehängte Stadtteile: Sportvereinen in Buchforst laufen Jugendliche weg, da Aschenplatz nicht saniert wird. Foto: Arton Krasniqi

Großer Bahnhof für den Pressetermin: Der Vorstand der Vereine Fenerbahce und Anadolu mit Ratsmitglied Eric Haeming (r.)

Ömer Icdeniz hat eine Migrationsbiografie wie aus dem Bilderbuch: Mit zehn kam er nach Köln, ohne Sprache, voller Sorgen. Im Fußball arbeitete er sich nach oben, hatte Talent. „Als der Trainer mich einmal auf die Ersatzbank setzte und nicht sagte, warum, habe ich die Welt nicht verstanden. Nach dem Spiel sagte er mir, ich hätte meine Fußballschuhe nicht geputzt gehabt. Danach habe ich sie immer geputzt, bis sie glänzten.“ Das Fußballtraining sei gerade für Kinder aus bildungsfernen Familien „auch Erziehung und Lebensschule“. Icdeniz hat Maschinenschlosser gelernt und war 38 Jahre bei Ford. „Viele der Kinder, die zu uns kommen, haben es schwer“, sagt er. „Wir wollen ihnen eine Perspektive geben – und auch ein bisschen Ablenkung von den Problemen zu Hause.“

Die Mädchen der U15-Mannschaft stehen etwas unruhig vor den Erwachsenen, die auf den Bänken diskutieren, wie sich der Kunstrasenplatz endlich realisieren lassen könnte. Seit 2021 steht die Walter-Blickhäuser-Sportanlage auf Platz eins der städtischen Prioritätenliste für einen Kunstrasenplatz. Die Entwürfe für eine Generalsanierung samt Bouleanlage, Basketballplatz und städtischem Tennisplatz sind abgeschlossen, die Genehmigungsplanung vorbereitet, der Bauantrag könnte „zeitnah eingereicht werden“, wie die Stadt mitteilt.

Seit fünf Jahren ist aber kein Kunstrasenplatz von der Prioritätenliste der Jahre 2021–2025 gebaut worden, die Mittel dafür sind wegen klammer städtischer Kassen gesperrt worden. Betroffen sind davon zum Beispiel zwei geplante Anlagen in Mülheim und eine in Porz. „Da gegenwärtig im städtischen Haushalt keine Finanzmittel für die Umsetzung des Projekts verfügbar sind, müsste ein solches Projekt eigenständig getragen werden, gegebenenfalls unter Hinzuziehung von Fördermitteln“, teilt die Stadt mit, die es sich nicht leisten kann, zehn Prozent Eigenanteil für die Plätze zu tragen. Eigenständig könnte ein Kunstrasenplatz mithilfe von Mäzenen womöglich in Junkersdorf oder im Hahnwald gebaut werden. Aber in Buchforst, Mülheim oder Porz?

Die beiden Vereine sind nicht die einzigen, die um ihre Zukunft bangen, weil die Stadt Köln kein Geld hat: Da sind die vielen freien Träger, die von freiwilligen Leistungen abhängen und jedes Jahr mit den städtischen Haushaltsberatungen um ihre Zukunft bangen, Vereine wie der Jugendladen in Mülheim, der in beengten Räumen auf der Keupstraße 25 Kindern Hausaufgabenhilfe anbietet, aber keine größere Bleibe findet. Kleine Träger, die Vertrauen schaffen und den sozialen Frieden im Veedel sichern. 

Die Mädchen fangen mit dem Training an – die Trainerin stand im Stau, sie fährt zweimal die Woche zweieinhalb Stunden mit dem Auto nach Buchforst, weil ihr die Jugendlichen so ans Herz gewachsen sind. „Ich bin ein Riesenfan vom Frauenfußball“, sagt Fenerbahce-Vorstand Icdeniz. „Ich habe es hier auch mit Vätern oder Stiefvätern zu tun, die nicht wollen, dass ihr Mädchen Fußball spielt – und denen wir erklären müssen, dass sie erst mal zum Training kommen sollen.“ Einige habe er so schon umgestimmt. „Es geht bei uns auch um Werte-Vermittung.“

Groß denken finde ich super, wir leben ja von unseren Träumen. Aber man sollte klein anfangen
Ömer Icdeniz, Vorstand des Vereins Fenerbahce Köln

Die Stadt begründet die gestoppten Sportplatz-Projekte damit, dass Sport „nicht zur Daseinsvorsorge“ gehöre. „Ich halte das für grundfalsch“, sagt Ratsmitglied Eric Haeming. „Sportvereine tragen – gerade in benachteiligten Vierteln – zu Integration, Bildung, Gesundheit und mehr Chancengerechtigkeit bei.“ Die Planungen für den Umbau der Buchforster Sportanlage begannen vor 15 Jahren. Am 6. Oktober 2015 war dann der offizielle Antrag für den Kunstrasenplatz gestellt worden, Bezirksvertretung und Sportausschuss haben den Ausbau längst beschlossen. Seit der Haushaltssperre im Jahr 2025 gehe indes nichts mehr – und das, obwohl die Stadt Köln offensiv für Olympia werbe und dafür auch viel Geld ausgebe, meint Ali Esen. „Ich bin für Olympia, das wäre wunderbar für Köln“, sagt er. „Aber wir leben hier und unsere Vereine wie auch die Grundschule können den Sportplatz nicht nutzen, wenn es zweimal regnet und sich riesige Pfützen bilden.“ „Groß denken“, sagt Icdeniz, „finde ich super, wir leben ja von unseren Träumen. Aber man sollte klein anfangen.“