Keine zwei Wochen vor dem Start der neuen Karnevalssession schlägt in Köln die Stunde der Geister und Vampirgestalten. Das Kölner Karnevalskaufhaus Deiters präsentiert im Schaufenster und auf Werbetafeln unmissverständlich, welches Fest kurz bevorsteht: Kürbisse, Spinnennetze und düstere Kostüme dominieren das Bild – und das, obwohl am 11.11. bereits die „fünfte Jahreszeit“ eingeläutet wird.
Das Halloween-Geschäft boomt, und die Rheinländer greifen auch vor dem offiziellen Saisonstart mit Begeisterung in die Verkleidungskiste. Deiters-Inhaber Herbert Geiss unterstreicht die wachsende Bedeutung des Grusel-Fests: „Zu konkreten Zahlen sagen wir relativ wenig, jedoch ist das Halloweengeschäft für uns enorm wichtig“, sagt er. Da der 31. Oktober in diesem Jahr auf einen Samstag fällt, rechnet Deiters mit besonders positiven Verkaufszahlen.
Aufwendige Looks und Inspiration aus dem Ausland
Im Vergleich zum Karneval unterscheide sich das Kaufverhalten der Kunden spürbar: „Im Gegensatz zu anderen Sortimenten bei uns ist der Kunde zu Halloween bereit, sehr aufwendige Verkleidungen zu wählen. Zum Kostüm kommen noch eine Vielzahl passender Accessoires, Effektschminke und Kontaktlinsen hinzu“, so Geiss. Ein Blick in das Deiters-Trendbuch bestätigt diesen Eindruck: Neben klassischen Skeletten und Hexen liegen Trends wie „Horror Circus“, düstere Steampunk-Outfits und futuristische LED-Masken hoch im Kurs.
Für Yann ist das zu ausgefallen. Er stöbert in der unteren Passage bei den Polizeikostümen. Ob hier in diesem Gang etwa Karneval und Halloween verschmelzen? Yann ist sich jedenfalls noch nicht sicher, zu welchem Anlass er die SWAT-Weste und die Pistole besorgen soll. Die Halloween-Alternative wäre ein Arzt-Kostüm mit Kunstblut aus dem Vorjahr. Der 24-Jährige kommt eigentlich aus Luxemburg und absolviert nur ein Auslandssemester in Köln. „Karneval gibt es bei uns nicht, aber Halloween habe ich schon immer groß gefeiert“, sagt er. In den letzten Jahren ist Yann dafür immer extra nach Brüssel gefahren. „Mal sehen, ob Köln da mithalten kann“, lacht er.

Yann aus Luxemburg weiß noch nicht, ob sein SWAT-Outfit besser zu Halloween oder Karneval passt.
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Nur zwei Gänge weiter stöbert ein junges Pärchen – ebenfalls aus dem Ausland. Wie fast alle jungen Menschen sind auch die beiden auf der Suche nach einem Halloween-Outfit. Ohne dass sie Yann gehört haben, erzählen sie fast dasselbe: „Ich bin letztes Jahr nach Köln gezogen“, sagt der 19-jährige Luca aus Frankreich. „Letztes Mal habe ich zum ersten Mal in Köln Karneval gefeiert, aber Halloween zelebriere ich schon immer.“
Ergänzung oder Alternative zu Karneval?
Dass sich Karneval und Halloween keineswegs ausschließen, erklären Lilly (21) und Luisa (20) ein Stockwerk höher. Sie nutzen den Anlass schlicht als willkommene Party-Gelegenheit. Zwischen Schwertern und Kürbissen suchen sie ein Outfit für einen Kostüm-Geburtstag im Freundeskreis: „Ich liebe Karneval, aber Halloween ist nicht ganz so meins“, räumt eine der beiden ein. „Aber unsere Generation tickt eben so: Wenn es einen Grund zum Feiern gibt, nimmt man ihn mit.“ Nach der Geburtstagsparty zieht es sie vielleicht noch ins Kölner Nachtleben: „Aber in den Clubs sind dann wahrscheinlich eher die Leute unterwegs, die richtig extrem verkleidet sind. Da gehören wir nicht dazu“, schmunzelt Lilly.
Ob sie mit „extrem verkleidet“ auch den 25-jährigen Felix meint? Ganz in Schwarz gekleidet, mit Sonnenbrille und verziertem Gehstock steht der Kölner im Deiters-Laden. „Ich feiere schon mein Leben lang. Halloween verbinde ich ein bisschen mit Dunkelheit, das mag ich“, sagt er. Doch sein heutiges Outfit ist keineswegs das finale Halloween-Kostüm. Für den 31. Oktober hat er sich von der Videospielwelt inspirieren lassen und geht als Devil Jin aus der Kampfspiel-Reihe Tekken. Auf seinem Handy zeigt er den japanischen Games-Charakter: einen gut trainierten Mann mit freiem Oberkörper, schwarz gefiederten Flügeln, Hörnern, rot glühenden Augen und blasser Haut. Auf ein T-Shirt darunter möchte er aus praktischen Gründen aber nicht verzichten: „Das ist einfach zu kalt“, erklärt er mit einem Lächeln im Gesicht.

Felix (25) feiert Halloween seit Kindertagen.
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Noch mehr Arbeit investiert die 19-jährige Feena in ihre Verkleidung: Gemeinsam mit ihrem Partner verwandelt sie sich in diesem Jahr in Mettasashi Hiro-kun und Hakaarashi Asahi von der japanischen Metal-Band Senketsu A-ko-chan. Das nischige Kostüm verrät, dass Feena nicht nur gelegentlich Halloween feiert. Für sie ist Halloween eine echte Alternative zum Karneval: „Wir feiern, seit ich ein Kind bin. Ich mag Karneval nicht so gerne, da sind mir einfach zu viele Leute auf der Straße.“ Früher veranstaltete sie eigene gruselige Kinderpartys, heute zieht es sie auf Hauspartys.
Genau diesen Trend beobachtet auch Deiters-Inhaber Herbert Geiss: Viele Kunden planen an Halloween lieber eine Feier in den eigenen vier Wänden statt auf den Straßen. „Zusätzlich zu den Kostümen wird auch der Trend zur Dekoration der Wohnung oder des Hauses immer beliebter“, sagt er. Neben privaten Halloween-„Horrorhäusern“ lockt auch die Kölner Club- und Kulturszene mit speziellen Halloween-Events am Samstagabend.

