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Antisemitismus in KölnZahl gemeldeter Fälle auf neuem Höchststand

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Polizeiposten vor der Synagoge in der Roonstraße

Polizeiposten vor der Synagoge in der Roonstraße (Archivbild)

Im fünften Jahr in Folge meldet das NS-Dokumentationszentrum steigende Fallzahlen.

Für das Jahr 2025 hat die Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln insgesamt 321 antisemitische Vorfälle im Kölner Stadtgebiet registriert – ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 2020 ist damit im fünften Jahr in Folge ein Höchststand erreicht.

Besonders auffällig ist der Bericht mit Blick auf Gewalt: Die Zahl antisemitisch motivierter Angriffe stieg von vier im Jahr 2024 auf zehn im Jahr 2025. Geschildert werden unter anderem Übergriffe auf Spieler des jüdischen Fußballvereins Makkabi Köln sowie auf einen Journalisten am Rande einer israelfeindlichen Demonstration. Trotz der Zunahme von Gewalttaten handelt es sich bei der Mehrheit der dokumentierten Vorfälle weiterhin um niedrigschwellige Formen von Antisemitismus wie verbale Anfeindungen, Schmierereien oder Äußerungen auf Demonstrationen.

Insgesamt waren 2025 mindestens 225 Menschen in Köln direkt von antisemitischen Taten oder Äußerungen betroffen. In 35 Prozent der Fälle lag nach Einschätzung der Fachstelle eine Straftat vor, doch nur in 18 Prozent ist bekannt, dass Anzeige bei der Polizei erstattet wurde.

Die Diskrepanz wird als Hinweis auf ein erhebliches Dunkelfeld antisemitischer Straftaten gewertet. Die dokumentierten Vorfälle – sowohl oberhalb als auch unterhalb der Strafbarkeitsgrenze – bilden die Realität nach Einschätzung der Fachstelle nur begrenzt ab. Zugleich könne der Anstieg nicht nur auf wachsenden Antisemitismus zurückgeführt werden, sondern auch auf eine größere Bekanntheit der Meldestelle sowie eine gestiegene Sensibilität und Meldebereitschaft in der Stadtgesellschaft.

„Besonders besorgt uns die Entwicklung an Schulen, aus denen vermehrt antisemitische Übergriffe und verbale Attacken berichtet werden“, sagt Oren Osterer, Geschäftsführer der Synagogen-Gemeinde Köln. Laut Bericht wurden 15 Vorfälle an Bildungseinrichtungen gemeldet. Diese antisemitischen Erfahrungen im kindlichen und jugendlichen Alltag seien gravierend, so Osterer.

Auch der jüdische Sportverein Makkabi Köln, dessen Spieler von Übergriffen betroffen waren, sieht die Entwicklung mit Sorge. Vorsitzender Wolfgang Krymalowski kritisiert, ein wachsender Teil der Bevölkerung erkenne den neuen Antisemitismus nicht oder betrachte ihn als Randphänomen. Wer Antisemitismus relativiere oder als „gegenseitige Provokation“ abtue, mache sich mitschuldig – „nicht durch Böswilligkeit, sondern durch Gleichgültigkeit. Und Gleichgültigkeit ist in diesem Land keine Kleinigkeit.“