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150 aus 150Dorothee Sölle verband Theologie und Politik

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Dorothee Sölle lehnt am Dienstag (21.09.1999) in Hamburg im Garten ihres Hauses an einem Baum.

Dorothee Sölle 1999 in Hamburg im Garten ihres Hauses.

Die Theologin bezog stets Stellung  zu gegenwartsrelevanten Fragen und engagierte sich in der Friedens-, Frauen- und Umweltbewegung.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 18. Teil der Serie geht es um die Theologin Dorothee Sölle.

Bedeutung

Dorothee Sölle, Tochter des Juristen Hans Carl Nipperdey, studierte Theologie, Philosophie und Literaturwissenschaften in Köln, Freiburg und Göttingen. 1971 habilitierte sie sich an der Universität Köln mit einer Arbeit über Literatur und Theologie. Aufgrund ihrer streitbaren Haltung erhielt sie in Deutschland nie einen Lehrstuhl. 1971 war sie Privatdozentin an der Universität Köln, zwei Jahre später gab die Universität Mainz ihr einen Lehrauftrag. 1994 folgte die Ehrenprofessur der Universität Hamburg. Von 1975 bis 1987 lehrte Sölle als Gastprofessorin am Union Theological Seminary in New York.

Politik und Theologie waren für Sölle untrennbar. Sie besuchte 1972 Nord-Vietnam und 1984 Nicaragua. Ihr Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit fußte auf diesen Reisen. Sölle bezog in Vorträgen, Aufsätzen, Büchern und Diskussionen stets Stellung zu gegenwartsrelevanten Fragen. Eine lebendige Kirche charakterisierte sie als „ökumenisch, feministisch und mystisch“. Sölle stand für die Entmythologisierung der Bibel und richtete die Theologie auf die Diesseitigkeit aus. Sie engagierte sich in den Friedens-, Frauen- und Umweltbewegungen. An mehreren Demonstrationen nahm sie als Rednerin teil. Sölle fand für die christliche Botschaft eine Sprache, die viele Menschen begeisterte.


Dorothee Sölle geb. Nipperdey

Geboren: 30. September 1929 in Köln

Gestorben: 27. April 2003 in Göppingen


Wirken in Köln

1968 initiierte Sölle unter dem Eindruck des Vietnamkriegs den interkonfessionellen Arbeitskreis „Politisches Nachtgebet“ mit monatlichen Veranstaltungen in der Antoniterkirche. Kardinal Josef Frings hatte zuvor die Veranstaltung in der Jesuitenkirche St. Peter untersagt. Aber auch die evangelische Amtskirche kritisierte die Nachtgebete. Die gesellschaftspolitisch-meditativen Treffen waren stets gut besucht und wurden für vier Jahre zu einer festen Einrichtung. Neben politischen Informationen und deren Bezug zur Bibel standen Diskussionen und Aufrufe zu Aktionen im Mittelpunkt. Ebenfalls 1968 war Sölle Mitgründerin der Kölner Journalistenschule.

Bemerkenswert

Sölle verfasste neben theologischen Texten Gedichte.

Spuren in der Stadt

Sölle war Abiturientin der Kaiserin-Augusta-Schule. 2017 wurde der Platz vor der Christuskirche in der Neustadt-Nord nach ihr benannt.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.