Neben der Sperrung zwischen Köln und Frankfurt ab Anfang Mai wirken sich auch die Bauarbeiten zwischen Duisburg und Dortmund ab Juli auf das Rheinland aus.
Baustellen bremsen Fernverkehr ausSchnellfahrstrecke Köln-Frankfurt wird 2027 für zwei Monate gesperrt

Ein ICE der Deutschen Bahn fährt auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Köln und Frankfurt am Main neben der Autobahn A3 über die Hallerbachtalbrücke. Ab Mai 2027 ist die Trasse für knapp zwei Monate wegen Bauarbeiten gesperrt.
Copyright: dpa
Bahnreisende im Rheinland müssen sich auch im Jahr 2027 auf viele Baustellen im Fernverkehr einstellen. Besonders heftige Folgen dürfte die Sperrung der Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt/Main haben. Vom 15. Mai bis 9. Juli müssen Fernzüge die Umleitung durch das Mittelrheintal nehmen. 24 Jahre nach der Inbetriebnahme im Dezember 2002 stehen umfangreiche Maßnahmen zur Sanierung und Instandsetzung an.
In den knapp acht Wochen bündelt die DB InfraGo verschiedene Bauarbeiten zwischen Köln und Frankfurt. Auf insgesamt 47 Kilometern Gleislänge werden zwischen Willroth und Frankfurt Stadion und Zeppelinheim Scheinen erneuert. Außerdem werden mehr als 20 Hochgeschwindigkeitsweichen sowie acht weitere Weichen ausgetauscht, die auf der festen Betonfahrbahn verlegt sind. Zusätzlich stehen Instandhaltungsarbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik sowie mehreren Tunneln auf der Strecke an. Nur durch die Sperrung könne „die zeitaufwendige Einrichtung und Räumungen der Baustelle auf ein Minimum reduziert werden".
Hier ein Überblick der wichtigsten Einschränkungen für die Region Köln/Bonn.
Köln-Frankfurt/Main: Zwischen dem 15. Mai und 9. Juli fährt pro Stunde nur noch ein ICE pro Richtung ohne Zwischenstopp zwischen Köln Messe/Deutz und Frankfurt Hauptbahnhof durch das Mittelrheintal. Das dauert im Vergleich zur Schnellfahrstrecke rund 75 Minuten länger. Andere ICE-Linien werden auf diesem Abschnitt komplett ausfallen, weil das Mittelrheintal mehr Umleitungsverkehr nicht verkraften kann.
Für die Halte an der Schnellfahrstrecke wie Siegburg/Bonn, Limburg und Montabaur wird eine Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Köln und dem Frankfurter Flughafen über die A 3 eingerichtet.
Die stündliche ICE-Verbindung von und in die Schweiz und nach München über Mannheim, Köln, Münster nach Hamburg fahren nicht über Frankfurt Flughafen, sondern über die rund 60 Minuten langsamere Strecke über Bonn Hauptbahnhof.
Der Berlin-Verkehr: Bis Ende 2027 bleibt es dabei. Wegen der Generalsanierung zwischen Lehrte und Berlin fahren die Züge ausnahmslos nicht über Wolfsburg, sondern über Magdeburg. Die Fahrzeit von und nach Köln verlängert sich dadurch um 80 Minuten auf fünfeinhalb Stunden. Dadurch wird ein Vorteil, den die Bahn den vom Fernverkehr in der Vergangenheit immer weiter abgeschnittenen Bonner Hauptbahnhof im neuen Fahrplan für 2027 anbietet, gleich wieder eingeschränkt. Reisende können ab Dezember Berlin zwar wieder alle zwei Stunden mit dem ICE ohne Umsteigen erreichen, aber dafür werden immer wieder einzelne ICE-Fahrten aus Aachen, Düren, Mönchengladbach Richtung Berlin gestrichen. Der beliebte ICE-Sprinter Bonn-Köln-Berlin fällt ebenfalls flach.
Einige Züge zum Beispiel ab Münster enden in Hannover oder Wolfsburg. Im ersten Halbjahr 2028 haben die Bonner dann wieder nichts von der Direktverbindung in die Hauptstadt, weil dann die linksrheinische Strecke zwischen Köln und Remagen generalsaniert wird.
Das Ruhrgebiet: Bauarbeiten ab dem 10. Juli – also gleich nach dem Ende der Sanierungen zwischen Köln und Frankfurt – haben grundsätzlich negative Auswirkungen auf den Großraum Köln/Bonn. Bis zum 15. Oktober, mehr als drei Monate, ist die Strecke Duisburg-Essen-Bochum-Dortmund gesperrt. Weil die Umleitungen über Gelsenkirchen oder Wuppertal und Hagen Richtung Hamm nicht alle Fernzüge aufnehmen können, wird das Angebot zusammengestrichen. Mehrere Fahrten entfallen oder werden eingekürzt. Der eh schon eingeschränkte Berlin-Verkehr ist davon auch betroffen.
Weitere Auswirkungen von Bauarbeiten auf Köln/Bonn: Sobald durchs Revier wieder gefahren werden kann, sperrt die Bahn die Strecke zwischen Münster und Rheine – vom 16. Oktober bis 11. Dezember. Die IC-Linie zwischen Norddeich und Köln wird deshalb komplett eingestellt.

Reisende steigenim Kölner Hauptbahnhof in einen ICE der Deutschen Bahn. Im Januar ist der Bahnhof für elf Tage wegen Stellwerksarbeiten bis auf die S-Bahn gesperrt. Foto: dpa
Copyright: Oliver Berg/dpa
Der Kölner Hauptbahnhof ist vom 8. bis 19. Januar mit Ausnahme der S-Bahn für den Fern- und Regionalverkehr komplett gesperrt. Die Bahn unternimmt nach dem gescheiterten Anlauf im November 2025 den zweiten Versuch, das elektronische Stellwerk in Betrieb zu nehmen. Im gesamten Bahnknoten Köln wird es in dieser Zeit zu Zugausfällen, Umleitungen und Verspätungen kommen. Die S-Bahn steht voraussichtlich nur in der Nacht zum 15. Januar still.
Was ändert sich sonst noch im Fahrplanjahr 2027?
Siegburg/Bonn: Am Bahnhof Siegburg/Bonn werden zwar weiterhin rund 60 ICE-Züge täglich halten, allerdings wird sich das Fahrplankonzept ändern. Dabei geht es neu stündlich statt bisher zweistündlich bis nach Essen, Nürnberg und München. Dafür stoppt die zweistündlich langsamere ICE-Linie zwischen Köln und Frankfurt, die auch in Montabaur und Limburg Süd hält, nur noch vereinzelt in Siegburg/Bonn. Direktverbindungen ab dort nach und von Montabaur und Limburg Süd bestehen dann insgesamt noch 15mal am Tag, vor allem im Berufsverkehr sowie in den frühen Morgen- und Abendstunden.
Nord-Süd-Verbindungen über Köln: Ein ICE über Düsseldorf und Frankfurt Flughafen nach Basel entfällt mangels Nachfrage zwischen Hamburg (4.41 Uhr), Bremen, Osnabrück, Münster (an 7.00 Uhr) und Dortmund. Stattdessen kommt der ICE aus Hannover und schafft so für Minden (6.13 Uhr), Bielefeld (6:42 Uhr) und Hamm (7.17 Uhr) wieder eine morgendliche Direktverbindung nach Südwestdeutschland. Der bisher zu dieser Zeit aus Hannover kommende IC über Wuppertal, Bonn, Mainz nach Stuttgart startet dafür neu um 7.02 Uhr ab Münster.
In der Gegenrichtung fährt ein ICE aus der Schweiz über Frankfurt Flughafen neu über Köln hinaus weiter z.B. bis Düsseldorf (an 21.32 Uhr), Hamm (22.34 Uhr), Bielefeld (23.18 Uhr), Minden (23.49 Uhr) und Hannover. Er ersetzt dabei östlich von Dortmund einen IC aus Stuttgart, der die langsamere Mittelrheinstrecke über Bonn fährt.
Köln-Belgien: Die im Sommer 2026 eingeführten neuen ICE-Direktverbindungen ab Köln über Aachen nach Belgien werden 2027 weiter verbessert: Bei den ganzjährig zwei ICE-Verbindungen nach Antwerpen und zurück erfolgt die erste Fahrt nach Antwerpen rund 30 Minuten später und schneller um 6:38 Uhr ab Köln Hauptbahnhof bei etwa gleicher Ankunftszeit in Antwerpen gegen 9 Uhr. Die umsteigefreien ICE-Fahrten an Sommerwochenenden via Gent und Brügge an die belgische Küste nach Ostende sollen 2027 häufiger fahren.
Familienticket gibt es das ganze Jahr
Die Bahn führt das im Sommer gestartete DB Familienticket dauerhaft ein. Ab dem 26. Oktober ist es buchbar, erster Reisetag ist der 1. November. Für 99,99 Euro können bis zu fünf Personen deutschlandweit mit dem Fernverkehr in der 2. Klasse hin und zurück reisen, die Sitzplatzreservierung ist bereits inklusive.
Ab dem 21. Oktober werden Monatskarten und Schülermonatskarten im Fernverkehr ohne Abo um 25 Prozent günstiger. Zudem vereinfacht die DB ihr Zeitkartenangebot und bietet Streckenzeitkarten künftig ausschließlich ohne Abo an. Für Gruppenreisende werden die Online-Services erweitert. So können Gruppen den Sparpreis Gruppe nun für eine bessere Reiseplanung auch online für bis zu 14 Tage unverbindlich reservieren.