Kölner Stadt-Anzeiger · Community

Kommentare · 0

Abo

Eurostar und Deutsche BahnViermal täglich von Köln nach London

4 min
Ab Mitte der 2030er Jahre will Eurostar von Frankfurt über Köln Richtung London fahren.

Ab Mitte der 2030er Jahre will Eurostar von Frankfurt über Köln Richtung London fahren.

Die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Frankfurt, Köln und London soll spätestens Mitte der 2030er Jahre in Betrieb gehen. Dafür sind Umbauten in Köln erforderlich.

So konkret waren die Pläne noch nie. Ab Mitte der 2030er Jahre planen Eurostar und die Deutsche Bahn neue Direktverbindungen mit Hochgeschwindigkeitszügen von Frankfurt/Main über Köln nach London.

Für den Kölner Hauptbahnhof, der wegen seines hohen Auslastungsgrads mit Fernverkehrszügen bisher als das Nadelöhr gilt, gibt es offenbar eine Lösung, die die Abfertigung und das Boarding der Passagiere in einem für Reisende abgesicherten Bereich ermöglicht.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ planen Eurostar und die Deutsche Bahn, den Betrieb über das Gleis 5 abzuwickeln. Die Anbindung an ein Abfertigungsgebäude, das außerhalb der Bahnhofshalle liegen wird, soll über eine Brücke erfolgen.

Bei vier Verbindungen täglich sei es erforderlich, den südlichen Teil des Bahnsteigs eine halbe Stunde vor Abfahrt der London-Züge zu sperren. Nach Boarding und Abfahrt stünde das Gleis für den üblichen Fernverkehr wieder zur Verfügung.

ARCHIV - Eurostar in St. Pancras International: Von London geht es in etwa zwei Stunden nach Brüssel.  (zu dpa: «Trip nach London: Flug oder Zug – was schneidet besser ab?») Foto: Andy Rain/epa/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Eurostar in St. Pancras International: Von London geht es in etwa zwei Stunden nach Brüssel und ab Mitte 2025 wohl auch nach Köln und Frankfurt. Foto: dpa

Die Grundlage für eine Direktverbindung haben die Fernverkehrssparte der Deutschen Bahn und Eurostar schon Ende 2025 mit einer Absichtserklärung geschaffen. Danach ist geplant, ein gemeinsames Fernverkehrsangebot zwischen London, Köln und Frankfurt anzubieten, sobald alle technischen, betrieblichen und rechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien. „Eurostar wird sein Know-how im Bereich der Bahnreisen durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal beisteuern, während die DB ihre Kompetenz als Netzanbieter einbringt, der deutschlandweit präsent ist“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Auf der Strecke sollen 50 neue Celestia-Züge von Eurostar eingesetzt werden, die auch über die Schnellfahrstrecke zwischen Köln und Frankfurt fahren sollen. Sie sollen auch die Verbindungen zwischen London und Genf sowie Amsterdam/Brüssel und Genf bedienen. Die Züge gibt es noch nicht, der Liefertermin hat sich um drei Jahre verzögert.

Rund zwei Milliarden Euro wird Eurostar nach eigenen Angaben in die neue Zugflotte investieren. Eurostar verkehrt derzeit in fünf Ländern Europas: in Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Belgien.

Fahrzeit von Köln unter sechs Stunden

Dass eine Direktverbindung zwischen Frankfurt und London über Köln wirtschaftlich nur Sinn ergibt, wenn die Züge dort auch halten, steht für die Beteiligten außer Frage. Die reine Fahrzeit zwischen Köln und London soll zwischen fünfeinhalb und sechs Stunden liegen.

„Alle internationalen Verbindungen der DB und von Eurostar laufen sehr gut. London ist ein stark frequentiertes Ziel. Die durchgehende Reisezeit sind rund fünfeinhalb Stunden und damit mit dem Flugverkehr konkurrenzfähig, zumal die großen Londoner Flughäfen weit außerhalb des Zentrums liegen. Der Bahnhof St. Pancras International liegt mitten in London“, sagt NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne). „Die Bahn und Eurostar sind optimistisch, dass das finanziell interessant ist. Der Bund, die DB InfraGo und gegebenenfalls auch die Länder Hessen und NRW werden natürlich in den Umbau der Bahnhöfe auch investieren müssen.“

CDU und Grüne in NRW hatten das Projekt in ihren Koalitionsvertrag nach der Landtagswahl im Mai 2022 aufgenommen. Richtig Fahrt hat das Projekt aber erst nach der Unterzeichnung eines Vertrags über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit Mitte Juli 2025 durch Bundeskanzler Friedrich Merz und den damaligen britischen Premierminister Keir Starmer aufgenommen. Dort heißt es, man sei bestrebt, „Direktverbindungen im Schienenpersonenfernverkehr (…) zu ermöglichen“.

Nach Abschluss dieses Vertrags habe Eurostar sein Interesse öffentlich gemacht, diese Verbindung zu fahren. „Das hat die Deutsche Bahn auf den Plan gerufen. Beide Bahnunternehmen haben sich dann im Bundesverkehrsministerium gemeldet mit der Bitte, doch erste Überlegungen anzustellen und Vorplanungen zu machen“, sagt Krischer.

Aufbau von Grenzkontrollen

Nach Angaben von Eurostar ist der Anfang bereits gemacht. „Wir haben schon damit begonnen, mit unseren Infrastrukturpartnern und den Regierungen in Deutschland und der Schweiz die Inbetriebnahme der neuen Strecken vorzubereiten“, heißt es auf Anfrage. Es sei aber noch viel Arbeit zu erledigen, beispielsweise bei dem Aufbau von Grenzkontrollen, der Bereitstellung von Personal für die Passabfertigung und bei der Freigabe von Slots auf den Hochgeschwindigkeitsstrecken in den beteiligten Ländern. Zwischen Frankfurt, Köln und London wolle man vier Fahrten täglich anbieten.

Die Deutsche Bahn bestätigt einen „engen Austausch über die Einrichtung eines gemeinsamen Fernversehrangebots zwischen London und deutschen Städten“. Bislang sei aber noch keine Entscheidung über eine Streckenführung gefallen. Für einen möglichen Halt am Kölner Hauptbahnhof bewerte man derzeit noch verschiedene Umsetzungsoptionen, sagte ein Bahnsprecher.