Wie die Klinik nun plant, rund 60 kleine Patienten nach Holweide zu verlegen, was Eltern jetzt wissen müssen und welche Straßen betroffen sein könnten.
Blindgänger-Verdacht in KölnKinderkrankenhaus bereitet sich auf große Evakuierung vor

Findet der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Johannes-Giesberts-Park einen Blindgänger, muss das benachbarte Kinderkrankenhaus an der Amsterdamer Straße komplett evakuiert werden.
Copyright: Arton Krasniqi
Mehr als ein halbes Jahr Vorbereitungszeit liegt hinter dem Kinderkrankenhaus – am Freitag wird es ernst. Findet der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Johannes-Giesberts-Park einen Blindgänger, und das gilt als wahrscheinlich, muss das benachbarte Kinderkrankenhaus an der Amsterdamer Straße komplett evakuiert werden. Betroffen wären rund 60 junge Patientinnen und Patienten samt Eltern, das Klinikpersonal und hunderte Anwohnerinnen und Anwohner.
Womit Stadt und Klinik rechnen, wie die Vorbereitungen ablaufen und was Eltern und Anwohner beachten sollten: ein Überblick.
Mit welchem Szenario rechnet das Kinderkrankenhaus?
Damit, dass am Freitag das gesamte Kinderkrankenhaus bis zum Folgetag evakuiert werden muss. Seit dem 12. Juni ist der Johannes-Giesberts-Park zwischen der Clouth-Neubausiedlung und dem Krankenhaus gesperrt; Bauzäune mit Hinweisschildern versperren sämtliche Zugänge zur Grünanlage. Seitdem läuft die Kampfmitteluntersuchung des Bodens. Der Park soll umgestaltet werden. Aber weil die nahegelegenen ehemaligen Clouth-Werke im Zweiten Weltkrieg schwer bombardiert wurden, gehen Experten davon aus, dass sich im Boden des Parks Weltkriegsmunition befindet. 14 konkrete Verdachtsfälle für Blindgänger mit mehr als 50 Kilogramm Gewicht haben sich ergeben. Am Freitag werden diese Verdachtsfälle final geprüft. Zwar weist die Stadt darauf hin, dass sich nur in rund zehn Prozent der Verdachtsfälle tatsächlich zündfähige Blindgänger finden – bei 14 Verdachtspunkten ist ein Fund aber wahrscheinlich. „Teils liegen die Verdachtspunkte nur 30 Meter von der Kinderklinik entfernt“, sagt Ralf auf dem Graben vom Zentrum für kritische Infrastruktur der Kölner Kliniken bei einem Gespräch im Kinderkrankenhaus. „Deshalb ist eine Evakuierung im Fall eines Bombenfunds praktisch unvermeidlich.“

Ein Schild der Stadt Köln informiert an einem Bauzaun über die Sperrung des Johannes-Giesberts-Parks für Kampfmitteluntersuchungen.
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Seit mehr als einem halben Jahr bereitet sich die Klinik auf dieses Szenario vor: Personal, Patientinnen und Patienten samt kindgerechtem medizinischem Gerät werden dann in das Krankenhaus Holweide verlegt, wo bereits Räume freigehalten werden. „Wir bauen dort am Freitag eine komplette Kinderstation auf“, erklärt Matthias Wißkirchen, Leitender Oberarzt und kommissarischer Leiter der Klinik für Pädiatrie. Nicht nur dank der detaillierten Planung fühlen sich die städtischen Kliniken gut vorbereitet. Vor rund anderthalb Jahren musste das Krankenhaus in Merheim wegen einer Bombenentschärfung geräumt werden. Es war die bis dahin teuerste und aufwendigste Evakuierungsaktion für eine Bombenentschärfung Kölns. Aus Sicht der Kliniken verlief der Tag damals erfolgreich, sodass auf die Erfahrungen zurückgegriffen werden könne.

Maren Friedrich, Oberärztin und Leiterin der Zentralen Notaufnahme im Kinderkrankenhaus.
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Anders als zunächst angekündigt, soll ein gefundener Blindgänger bereits am Freitag entschärft werden – und nicht erst am Montag. Für die Klinik und ihre Patientinnen und Patienten bedeutet das: Schon am Samstag soll es zurück an die Amsterdamer Straße gehen. Darauf habe man sich mit dem Ordnungsamt geeinigt. „Für die Versorgung unserer Patienten ist das einfach besser“, so Wißkirchen.
Worauf müssen sich die jungen Patienten und ihre Eltern einstellen?
Schon in den Wochen vor der Evakuierung habe man – soweit medizinisch vertretbar – Patientinnen und Patienten verlegt oder entlassen und Operationen verschoben, berichtet Wißkirchen. „Normalerweise haben wir rund einhundert Patienten im Haus. Jetzt müssen wir voraussichtlich nur etwa 60 Kinder verlegen.“ 20 von ihnen sind Intensivpatienten und Frühgeborene. „Für sie brauchen wir spezielle mobile Intensivplätze, die wir in dieser Zahl nicht einfach vorrätig haben“, sagt Maren Friedrich, Oberärztin und Leiterin der Zentralen Notaufnahme im Kinderkrankenhaus. Unterstützung habe es aber glücklicherweise von Kinderkliniken aus der Umgebung gegeben.
Im Laufe der Woche werden die Eltern der betroffenen Kinder informiert. Viele dürfen ihr Kind beim Transport nach Holweide begleiten; bei Kindern auf der Intensivstation ist das jedoch nicht möglich – diese Eltern müssen mit dem Auto nachkommen.

Matthias Wisskirchen, Leitender Oberarzt der Klinik für Pädiatrie und kommissarischer Ärztlicher Leiter des Kinderkrankenhauses
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Dass eine solche Evakuierung für Kinder und Eltern eine emotional belastende Situation ist, die auch Ängste auslösen kann, ist Friedrich bewusst. „Aber wir arbeiten jeden Tag mit Kindern, bauen Vertrauen auf und vermitteln Diagnosen altersgerecht. Für uns ist das gelebte Praxis.“ Für viele Kinder könnte der Tag sogar ein Erlebnis werden: „Ich glaube, viele werden sich freuen, wenn sie mit dem Feuerwehrauto durch Köln fahren dürfen.“
Wohin wende ich mich am Freitag und Samstag bei einem medizinischen Notfall mit meinem Kind?
Die Notaufnahme des Kinderkrankenhauses soll so lange wie möglich geöffnet bleiben, um andere Kinderkliniken in Köln und Umgebung nicht zusätzlich zu belasten. Sollte eine Evakuierung erforderlich werden, werden Eltern gebeten, das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße am Freitag und bis voraussichtlich Samstagnachmittag nicht aufzusuchen. Für die medizinische Versorgung stehen in dieser Zeit umliegende Kinderkliniken zur Verfügung – etwa die der Uniklinik, in Porz oder in Leverkusen.
Der Betrieb der Notaufnahme kann erst nach Abschluss der Rückverlegung aller Patientinnen und Patienten sowie der Rückführung des medizinischen Equipments wieder aufgenommen werden und ist darum voraussichtlich ab Samstagnachmittag wieder möglich.
Was bedeutet die Evakuierung für Anwohner?
Wie groß der Evakuierungsradius rund um den Johannes-Giesberts-Park ausfällt, hängt davon ab, ob und welcher Blindgänger gefunden wird: Herkunft, Größe, Gewicht und Zustand des Zünders bestimmen den Radius. Wer in der Nähe des Parks wohnt, sollte sich schon jetzt auf eine mögliche Evakuierung einstellen. Voraussichtlich betroffen sind wichtige Verkehrsachsen wie die Amsterdamer Straße; im schlimmsten Fall könnten auch die Innere Kanalstraße und die Zoobrücke von Sperrungen betroffen sein. Auf umfangreiche Verkehrsstörungen sollte man daher gefasst sein.
